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Die Schöne und das Biest (Maxe L’Hermenier, Looky, Dem)
Geschrieben von Almut
Freitag, der 11. September 2015

lhermenier schoene biest

Bielefeld 2015, Splitter
Originaltitel: La belle et la bête (Band 1: 2014, Band 2: 2015)
Übersetzung von Resel Rebiersch
Gebunden, 96 Seiten
€ 19,80 [D] | € 20,40 [A] | 29,90 CHF
ISBN: 978-3-95839-074-4

Genre: Graphic Novel, Comic


Inhalt

Die schöne Bella lebt mit ihrem Vater und ihren zwei weniger gut aussehenden Schwestern zusammen. Solange der Vater ein wohlhabender Kaufmann ist, werden die beiden Schwestern von geldgierigen Freiern umworben, während Bella sich an Männern uninteressiert gibt. Aber ihr gefällt Liam, der Sohn des Bürgermeisters. Der Vater steht vor dem Ruin, nachdem sein letztes Handelsschiff von Piraten überfallen wurde und er bei seinem angeblichen Freund, dem Bürgermeister, hoch verschuldet ist. Sein Gläubiger droht die Verarmten aus ihrem Haus zu werfen, wenn der Vater ihm nicht Bella zur Frau gibt. Die Freier um die beiden Schwestern Bellas ziehen sich zurück.

In diesen Tagen erscheint ein fliegendes Segelschiff über der Stadt. Seine grauenhafte Besatzung, eine Horde Untoter, stellt für ihren Kapitän, den Seelenfänger, der Bevölkerung nach und raubt die schwärzesten Seelen. Als sie Bellas Schwestern angreifen, leistet der Vater Widerstand und soll ebenfalls entseelt werden. Bella bietet sich als Opfer und wird mit auf das Schiff genommen, wo sie den Seelenfänger und sein Geheimnis kennen lernt.


Rezension

Die Schöne und das Biest ist in einen festen Einband großformatig gebunden, eine Grafik auf der Vorderseite zeigt bildfüllend die beiden Hauptfiguren, während sie auf der Rückseite im Bildausschnitt präsentiert werden, ergänzt um eine Kurzinhaltsangabe, die akkurat ist und nicht viel verrät. Weiter gehören zur Ausstattung dunkles illustriertes Vorsatzpapier und Fadenbindung. Die Panelgestaltung ist in Größe, Anzahl und Anordnung auf der Seite recht flexibel.

Die Geschichte beginnt düster, unterstützt durch die Farbgebung. In der Folge wird die Handlung komischer. Im Titel und Plotkern gibt sich Die Schöne und das Biest als die Comic-Version des Märchens Die Schöne und das Tier von Madame Leprince de Beaumont, das 1757 als eine kurze moralische Erzählung entstand. Im ersten Moment mag der Comic an einen Manga erinnern. Aber er folgt in der Bildästhetik und Bildgestaltung Animes von Hayao Miyazaki. Dies äußert sich insbesondere in der Nachbildung von architektonischen Artefakten und Landschaften, in Kontrast, Sättigung und Helligkeit der Farben. Das fliegende Schiff sieht aus, als sei das fliegende Schloss aus Miyazakis Anime Das Schloss im Himmel sein Vorbild. Miyazakis Stadt Laputa mit ihrer Kreisform, ihrer Verbindung aus Architektur und Natur, findet ihre Spiegelung im Schloss des Seelenfängers.

Das Schiff des Seelenfängers verweist auf Richard Wagners Oper Der fliegende Holländer, in der ein Kapitän sich gegen Gott und die Natur wendet, sie verflucht und zur Strafe mit seinem Geisterschiff auf den Meeren verbleiben muss und jedem Unglück bringt, der ihm begegnet. Eine ähnliche Konstellation wie im Märchen und im Comic findet sich auch in der Oper insoweit, als die junge und reine Senta, die vom Jäger Erik geliebt wird, diesen aber nicht liebt, zur den Holländer erlösenden Gestalt wird.

Eine weitere Motivspiegelung führt zurück auf Victor Hugos Der Glöckner von Notre Dame. Somit weist Die Schöne und das Biest einige kulturelle Andockstellen auf, in denen nicht zuletzt die französische Comictradition mit der japanischen eine Verbindung eingeht. 

Vordergründig sind dem Märchen gemäß die Rollen klar verteilt: Bella ist, wie bereits der Name sagt, die Schöne; aber auch die verzauberte Prinzessin Diana, die Bella absichtsvoll ähnelt, könnte es sein. Das offensichtliche Biest ist der verfluchte Seelenfänger Gwendal, der sein Gegenstück in Liam findet. Diese vier Figuren lassen die Erzählung nicht nur bald zu einem Vexierspiel werden. Auch geht es, ganz wie in einer Boulevardkomödie, immer mehr um Irrungen und Wirrungen der Gefühle, Liebesbekenntnisse, Opferbereitschaft, Korrekturen und Sortierungen, schließlich um die Auflösung in eine doppelte Paarbildung zum Ende.

Die Figuren geraten in ihren gesellschaftlichen Stand zurück, sehr zur Freude der beiden Schwestern, die zwischenzeitlich ein wenig Demut als Bedienstete gelernt und dadurch sanftere Gesichtszüge erhalten haben. Sogar das verwunschene Herrschaftshaus wird wieder lebendig. Die Untertanen sind voll der Freude, die alten Hierarchien wieder hergestellt. Deshalb ist es auch unnötig, die Bösen zu bestrafen, die entweder, wie der Zauberer, der erkennt, nie geliebt worden zu sein, im Nichts verschwinden, oder, wie der Bürgermeister, geläutert werden. Da durch die Begegnung mit Bella das Biest eine sittliche und körperliche Entwicklung durchläuft, spielt ein niederes Gefühl wie Rache keine Rolle. Die moralische Penetranz des Märchens von Madame Leprince de Beaumont fehlt dem Comic, der seine Moral lediglich in ein paar Sätze und einen Schlusssatz verpackt, aber da ist er längst zur Komödie geworden. Wie in einem Boulevardstück geht es am Ende eher holterdipolter zu.

Dem Figurenquartett ist gemeinsam, dass es sich um Menschen handelt, die aus Liebe in gefährliche Umstände und Gefilde gelangen. Sie werden aus ihrem ruhigen und beschaulichen Lebensumfeld gerissen, durch Kräfte, die sie kaum verstehen und schon gar nicht kontrollieren können. In der Folge, auch wieder durch die Liebe, durchlaufen sie eine Entwicklung, die es ihnen ermöglicht, wieder die Kontrolle über das eigene Leben zu erlangen.


Fazit

Die Autoren halten sich in ihrem Comic nur grob an die Märchenvorlage, die sie mit motivisch und thematisch ähnlichen Kunstwerken zur Melange verarbeiten und in einer am Anime orientierten Bildästhetik präsentieren. Der Comic verhält sich zum Märchen wie die Fernsehserie Hercules: The Legendary Journeys zu den alten Heldensagen.


Pro und Kontra

+ einfallsreich und in der Gestaltung ansprechend
+ einfache, gegenüber der Märchenvorlage abgeschwächte Moralerzählung

0 mit ironischer Distanz vorgetragen

Wertungsterne4

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 12. September 2015
 

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