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Fingerhut-Sommer (Ben Aaronovitch)
Geschrieben von Eva B.
Montag, der 14. September 2015

fingerhutsommer

dtv (August 2015)
Originaltitel: Foxglove Summer
Übersetzung: Christine Blum
Taschenbuch, 416 Seiten, 9,95 EUR
ISBN: 978-3423216029

Genre: Fantasy-Krimi


Klappentext

Obwohl sich Police Constable Peter Grant schon unwohl fühlt, wenn er Londons Skyline auch nur ein paar Kilometer weit hinter sich lässt, wird er jetzt in die tiefste Provinz geschickt: in einen kleinen Ort in Herefordshire – wo sich Fuchs, Hase und der Dorfpolizist Gute Nacht sagen. Aber es werden zwei Kinder vermisst, und ihr Verschwinden erfolgte womöglich unter magischen Umständen. Also muss Peter notgedrungen sein angestammtes Biotop verlassen. Mit der Flusstochter Beverley Brook begibt er sich mutig nach Westen, hinein ins ländliche England ...


Rezension     

Landpartie für zwischendurch

Constable und Zauberlehrling Peter Grant schlägt sich im ländlichen Herefordshire mit seinem ersten eigenen Fall herum. Wie immer sieht der auf den ersten Blick wie ein ganz bodenständiges Verbrechen aus, entpuppt sich dann aber doch als ‚abstruser Scheiß‘, wie Peter seinen Aufgabenbereich so trefflich bezeichnet.
Es geht um das Verschwinden zweier elfjähriger Mädchen aus dem Dorf Rushpool. Kindesentführungen hatten in der Vergangenheit häufig mit unlauteren magischen Praktiken zu tun und daher ist die Spezialeinheit des Folly dafür zuständig. Inspector Nightingale schickt seinen Azubi Peter Grant aufs Land, um die Polizei West Midlands zu unterstützen.

Zunächst gibt es für Peter nicht viel mehr zu tun, als die Eltern der Kinder zu betreuen und mit dem Kollegen vor Ort Dominic Croft die idyllische Gegend nach Anzeichen von Übernatürlichem abzusuchen. Den inzwischen aufgefundenen Handys der Kinder hat tatsächlich Magie den Garaus gemacht. Zudem findet man ein zerfetztes Schaf, anscheinend mit einer langen, spitzen Waffe ausgeweidet. Doch das muss ja nichts mit dem Einhorn zu tun haben, von dem eins der Mädchen einer Freundin erzählt hat. Oder mit UFOs, die angeblich über den Bäumen gesichtet wurden.

Kurzweilig und schräg wie immer – schwächelt im Abgang

Police Constable Peter Grant geht in „Fingerhut-Sommer“ bereits das fünfte Mal auf die Jagd nach Verbrechern aus dem Reich des Übersinnlichen. Der vierte Band „Der böse Ort“ endete mit einem heftigen Cliffhänger, dessen Auswirkungen Peter in „Fingerhut-Sommer“ zu schaffen machen. Abgesehen von sporadischem Kontakt, muss er nun ohne Lesley klar kommen, dafür mit einer Gefühlsmischung aus Wut und Sehnsucht. Wenigstens hat Peter nun die Flussgöttin Beverly an seiner Seite, sowohl bei der Arbeit, als auch in den schwülen Sommernächten. Ihre flippige und überwältigende  Art bringt definitiv Esprit in das Geschehen. Die nächste Begegnung mit dem Gesichtslosen findet allerdings erst im nächsten Band statt, anscheinend ist das Eingreifen des Moriarty Pendants nur denen mit geraden Nummern vorbehalten.

In „Fingerhut-Sommer“ zeigt Peter Grant seine emotionalste Seite und gewährt einen tiefen Blick hinter die coole und schlagfertige Fassade. Dieser Band erzählt nicht gerade den spektakulärsten oder mysteriösesten Kriminalfall der Reihe, da war der Vorgänger „Der böse Ort“ schon von einem anderen Kaliber. Lange plätschert das Geschehen vor sich hin, nach gut der Hälfte scheint schon alles gelaufen zu sein. In der Schlussphase geht es zwar noch einmal turbulent zu, jedoch hinterlässt das Ende zu viele wieso, weshalb, warum. Was schade ist, denn eigentlich überraschten diese Fantasy-Krimis immer mit erstaunlich schlüssigen Auflösungen. Trotzdem ist „Fingerhut-Sommer“ wieder ein Buch, das man in einem Rutsch lesen möchte. Oder auf das man sich jedes Mal freut, wenn man doch unterbrechen muss. Woran liegt das?

Es liegt einerseits an den vielen skurrilen und liebenswerten Figuren (ob magisch begabt, oder nicht), die Aaronovitch in seine Abenteuer schickt. In „Fingerhut-Sommer“ sind das zum Beispiel der Hobby-UFOloge Nennen-Sie-mich-Al, und die Agrardiesel schnüffelnde Waldbewohnerin Stan. Oder Nightingales Zunftkollege aus dunklen Tagen in Ettersberg Hugh Oswald (man erfährt hier, was es damit auf sich hat) und dessen Enkelin Melissa mit ihren wählerischen Bienen.  
Andererseits hat der Autor einfach einen unverwechselbaren, süchtig machenden Erzählstil. Mit typisch englischem Humor, der mal zotig, aber nie platt wirkt, entwaffnend ehrlich, aber nie demütigend, oder hintergründig, aber nie abgehoben. Dagegen kann es der Aaronovitch nicht lassen, immer wieder seitenreich Verknüpfungen zwischen der Handlung und historischen Orten, Ereignissen oder Persönlichkeiten zu erläutern. Vielleicht schießt er hier manchmal über das Ziel hinaus.


Fazit

Für den Fan der Reihe fühlt es sich an, wie nach Hause kommen, wenn er die ersten Seiten eines neuen Bands liest. „Fingerhutsommer“ ist zudem wie eine Landpartie inmitten eines heißen Sommers, die Geschichte verströmt Urlaubsfeeling. Und so ist für mich der fünfte Band der „Rivers of London“ Reihe bereits jetzt das kurzweiligste Sommerbuch 2015.


Pro & Contra

+ schräge und liebenswerte Charaktere
+ origineller Humor, unverwechselbarer Erzählstil
+ Urlaubsfeeling

- offene Fragen
- weniger spektakulär als gewohnt

Wertung: sterne4

Handlung: 3/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


Dies ist eine Gastrezension von Eva Bergschneider – herzlichen Dank!


Rezension zu "Ein Wispern unter Baker Street"

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Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 17. September 2015
 

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