Tinkerbell im Wunderland (Didier Crisse, Robi Pena)

Verlag: Splitter-Verlag; (Januar 2015)
Gebundene Ausgabe: 48 Seiten; 13,95 €
ISBN-13: 978-3958399020

Genre: Märchen/ Fantasy


Klappentext

Gefangen im Wunderland hat Tinkerbell nur ein Ziel: Nimmerland wiederfinden und diese Welt der Verrückten verlassen.

Nur Alice scheint in der Lage zu sein, ihr dabei zu helfen. Aber noch andere unheimliche Kreaturen haben sich in diese magische Gegend verirrt.

Noch nie sah sich das Wunderland einer solchen Bedrohung ausgesetzt....

Erleben sie mit Alice und Tinkerbell, zum ersten Mal vereint, neue mitreißende Abenteuer...


Rezension

Tinkerbell durchstreift auf der Suche nach Peter Pan wieder einmal London. Dabei gerät sie auch in einem unheimlichen Buchladen, dessen Besitzer Feen so überhaupt nicht leiden kann. Dementsprechend versucht er Tinkerbell durch zu klappen eines Buches zu fangen und zu zerquetschen. Aber als er das Buch aufschlägt, ist Tinkerbell verschwunden. Da sie ihn nicht mehr stört, kümmert es ihn nicht weiter, wohin sie verschwunden ist. Hätte er einen Blick auf den Buchtitel geworfen, hätte er eine Ahnung haben können. Denn bei dem Buch handelt es sich um Lewis Carolls Alice im Wunderland. Genau da landet Tinkerbell und dies hat große Auswirkungen auf ihre Fähigkeiten. Unter anderem kann sie nicht mehr fliegen. Sie muss also zum ersten Mal für lange Zeit ihre Füße benutzen und gehen. Da sie überhaupt keine Orientierung hat, ist der Weg zurück umso beschwerlicher. Auf ihrer nun anbrechenden Odyssee trifft sie auf die vielen, herrlich verrückten Figuren des Lewis Caroll, ehe am Ende die Geschichte mit einem weiteren Klassiker der Literatur verknüpft wird.

Tinkerbell, auch Glöckchen oder Naseweis in Deutschland genannt, ist wohl eine der bekanntesten, wenn nicht sogar die bekannteste Figur aus Peter Pan und einer der beliebtesten Disneycharaktere. Disney nutzte sie bereits abseits Peter Pans für weitere Filme, die auch ihren Weg ins Kino fanden. Ihren Ursprung hat sie aber in J.M. Barries Roman über den Jungen, der nicht erwachsen werden wollte und genau dorthin gehen Didier Crisse und Robi Pena bildlich zurück. Ihre Tinkerbell ist nicht die zuckersüße Disneyvariante, sondern das kleine freche Wesen, welche sie in Peter Pan sein durfte. Sofort am Anfang steht die bildliche Rückkehr in die Seiten eines Buches und der damit verbundenen grenzenlosen Phantasie. Statt aber Peter Pans Geschichte nur neu aus einem anderem Blickwinkel zu erzählen, wie es so häufig gerne auch mit anderen Geschichten gemacht wird, lassen sie Tinkerbell nicht nach Nimmerland zurückkehren, sondern versetzen sie in eine ganz andere Welt, die literarisch gesehen, gar nicht so weit weg ist. Sowohl in Peter Pan als auch in Alice in Wunderland betreten die Protagonisten eine Parallelwelt auf fantastische Art und Weise und begegnen dort einer Vielzahl ungewöhnlicher Charaktere, die immer etwas rebellisches in sich tragen. Barries Peter Pan ist stringenter, aber äußerst phantasievoll sind beide Werke, die auch zeitlich gerade einmal vierzig Jahre auseinanderliegen. Tinkerbells Reise durch das Wunderland hakt natürlich auch die Begegnungen mit den bekanntesten Figuren , wie den verrückten Hutmacher, der Grinsekatze, dem Märzhasen oder der Raupe ab. Und Alice fehlt selbstverständlich auch nicht. Nur läuft nicht alles wie gewohnt ab. Die Charaktere sind, wie man sie kennt, aber durch die Begegnung mit Tinkerbell, die immer etwas frech daher kommt, wirkt alles frischer und vor allem humorvoll. Zudem vermischt Didier Crisse seine gut geschriebene Geschichte um Tinkerbell nicht nur mit Alice im Wunderland, sondern bringt auch Oberon aus Shakespeares Sommernachtstraum ins Spiel und deutet eine größere Gefahr für alle Buchwelten an. So kommt auch etwas Spannung in die äußerst fantastische Geschichte. Einziges Manko des Bandes ist, dass er am Ende mit dem Betreten einer weiteren sehr bekannten Fantasywelt, die häufig in einem Atemzug mit Alice und Peter Pan genannt wird, einfach abbricht. Es wirkt zwar so weit rund, aber es ist klar, dass eine Fortsetzung her muss, um alles abzuschließen, vor allem da Tinkerbell im Wunderland den Wunsch nach mehr im Leser hinterlässt.

Einen sehr großen Anteil daran haben Robi Penas Zeichnungen. Es ist einfach fantastisch anzusehen, was er aufs Papier gezaubert hast. Wunderschön ist seine Farbkomposition und er stellt Tinkerbell nicht bieder in einem Kleidchen dar, sondern ihrem Charakter entsprechend frech und lässt sie sogar etwas sexy wirken, in ihrem kurzen Kleidchen und den langen Strümpfen. Dies selbstverständlich nicht zu sehr, aber es ist ein frecherer Ansatz, der hervorragend zu Crisses Geschichte passt. Die anderen Figuren Carolls setzt er ebenso inspiriert um und erweckt sie zu neuem Leben. Egal ob Raupe, Hutmacher oder Kaninchen, alle sind perfekt eingefangen. So kann der Leser sich in einen wahren Farb- und Bilderrausch fallen lassen, der Lust auf mehr macht und die Seiten im Flug vorbeiziehen lässt. Besser hätte Tinkerbell garantiert nicht gezeichnet werden können.

Als Anhang gibt es Skizzen und Zeichnungen und ein sehr gutes und interessantes Interview. Nur der Hinweis auf einen weiteren Band findet sich leider nicht. Das Cover ist zusätzlich mit Spotlack veredelt und hebt Teile tastbar hervor und ergibt so eine tolle Haptik.


Fazit

Tinkerbell im Wunderland ist ein visuelles Fest für den Leser. Allein das Cover macht klar, dass man etwas ganz besonderes in Händen hält. Wer Fantasy, Peter Pan oder Alice im Wunderland mag, für den ist Tinkerbell im Wunderland ein Pflichtkauf. Hier stimmt einfach alles. Einfach ein großer Spaß und Augenschmaus.


Pro & Contra

+ wunderbares Cover
+ tolle Zeichnungen
+ phantasievolle Geschichte mit viel Humor

Bewertung:

Charaktere: 4,5/5
Handlung: 4/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5

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