Daredevil – In den Armen des Teufels (Kevin Smith, Joe Quesada)

Verlag: Panini; (Januar 2016)
Softcover: 228 Seiten; 19,99 €
ISBN-13: 978-3957985798

Genre: Superhelden


Klappentext

Tod, Teufel und Dämon

Ein verängstigter Teenager auf der Flucht. Ein Säugling, von dem man sagt, er wäre der Erlöser der Menschheit oder der Antichrist. Eine frühere Geliebte, auf deren Schultern ein grausames Geheimnis lastet. Ein Freund und Anwalt, der eines entsetzlichen Verbrechens beschuldigt wird. Eine Stadt, die im Bann einer unaussprechlichen Bedrohung den Atem anhält.
Sie alle brauchen einen Schutzpatron. Jemanden, der über sie wacht. Jemanden, der an sie glaubt. Einen Mann, der weder Tod noch Teufel fürchtet und niemals aufgibt. Sie alle brauchen... Daredevil.

Die Neuauflage eines vergriffenen Klassikers, der zwei Visionäre der Unterhaltungsbranche in einem Werk vereinte, die Verkaufscharts im Sturm eroberte und von Kritikern bejubelt wurde. Ein tiefgründiges Epos von Kult-Regisseur Kevin Smith und Marvel-Erneuerer  Joe Quesada, das eine neue Ära für den blinden Helden einläutete, die bis heute nachhallt und das Haus der Ideen revolutionierte.


Rezension

Es beginnt vergleichsweise harmlos. Matt Murdock, Daredevil, rettet ein Mädchen vor zwei Gangstern, die es mit ihrem Auto jagen. Bevor er es befragen kann, verschwindet es wieder und die Polizei muss ohne ihre Zeugenaussage die beiden Ganoven laufen lassen. Damit setzen sich Ereignisse in Gang, die bewirken, dass Daredevil innerhalb kürzester Zeit im Kreuzfeuer steht. Das Mädchen taucht plötzlich bei ihm in der Kanzlei auf und eröffnet ihm, dass Engel ihr gesagt hätten, dass er der Beschützer ihres Babys sein soll. Ein Baby, das sie als Jungfrau geboren hat und welches von Gott dazu erwählt ist, der Erlöser der Menschheit zu werden. Selbst für einen religiösen Menschen wie Matt ist dies sehr schwer zu glauben. Allerdings ändert sich die Situation, als Nicholas Macabes bei ihm auftaucht und ihm eröffnet, dass das Baby nicht der Erlöser, sondern der Antichrist ist und alle, die mit ihm in Berührung kommen, in den Untergang reißt. Und tatsächlich scheint sich dies zu bestätigen. Mehrere Kinder sind kurz nach der Geburt im Krankenhaus gestorben und auch in Murdocks Leben geht es mit einem Mal rasant bergab. Karen Page, seine alte Liebe, taucht auf und offenbart ihm, sie habe Aids und Foggy wird des Mordes an einer Klientin verdächtigt, die er aus einem Fenster geworfen haben soll. Dazu scheint sich Daredevil in einen religiösen Wahn zu steigern, der zufolge hat, dass er niemanden mehr vertraut, selbst Black Widow nicht. Schließlich bleibt ihm nur noch die Möglichkeit bei Dr. Strange Hilfe zu suchen und er kommt dem Geheimnis hinter allem ein Stück auf die Spur. Vor dem Ende stehen ihm aber so manche alte und neue Gegner im Weg und er muss einen schweren Verlust hinnehmen.

In Auferstehung führte Frank Miller Daredevil bereits an den Rand eines tiefen Abgrundes. 1997 war Kevin Smith, Regisseur von Clerks und Dogma an der Reihe, dies mit dem Anwalt aus Hell´s Kitchen zu tun. Und das war mit Sicherheit nicht nur Zufall. Marvel war in der Krise. Sie hatten sich zu sehr auf die Namen ihrer Helden konzentriert, statt auf gute Geschichten und so waren die Verkaufszahlen der Marvel-Comics und im speziellen von Daredevil stark zurückgegangen. Joe Quesada beschloss den Fokus wieder zu verschieben und spannende Geschichten zu erzählen. Dafür holte er Kevin Smith an Bord und es war eigentlich nur logisch, dass sie sich an Daredevils erfolgreichster Zeit und ihrem Autoren Frank Miller orientierten. Und so diente Millers Auferstehung praktisch als Vorlage für In den Armen des Teufels. Allerdings nur in der Grundidee Daredevil nicht zu töten, sondern ihn auf andere Weise zu vernichten. Der Kingpin nahm ihm damals alles und versuchte ihn darüber zu brechen. In Kevin Smiths Geschichte ist der Ansatz dafür ein anderer. Er konzentriert sich auf Matt Murdocks religiöse Seite. Er führt ihn in die dunklen Ecken des Glaubens und lässt ihn daran Zweifeln. Und auch der Leser weiß lange Zeit nicht, ob das Mystisch-Religiöse Fakt ist oder ein perfider Plan dahintersteckt. Geschickt baut Smith seine Geschichte auf, sät Zweifel und Verwirrung und zeigt einen Daredevil am Rande des Wahnsinn bei dem plötzlich nicht mehr klar ist, ob er gut oder böse ist, gesund oder verrückt. Er zeigt aber auch, woher Matt Murdock unter anderem seine Kraft bekommt, um weiterzumachen. Zeigt, wie wichtig Freunde und Familie für ihn sind und eben auch sein Glaube, auch wenn er ihn nicht immer zeigt. Daredevil wirkt hier noch menschlicher als einst bei Miller, denn hier zeigt er deutlicher seine Wut und seine Selbstzweifel. Frank Millers Auferstehung ist dabei mindestens in einem Punkt wichtig, denn es werden Ereignisse aus Auferstehung am Rande aufgegriffen, um unter anderem Daredevils Charakter plastischer zu gestalten. Allerdings ist es nicht notwendig Millers Vorlage zu kennen, um Daredevils Handeln in dieser Geschichte nachvollziehen zu können. Kevin Smith schafft es also aus alten Feinden und Freunden ein neues Geflecht entstehen zu lassen, das richtig spannend ist und den Leser am Ende zufrieden zurücklässt, da alles logisch aufgeklärt wird. Zudem ist der Gegner Daredevils in In den Armen des Teufels vielleicht nicht der machtvollste, allerdings der passendste und beste, um Matt Murdock so dermaßen an den Rand des Wahnsinns zu bringen.

Joe Quesada hat Daredevil in Szene gesetzt. Der bekannte Zeichner weiß natürlich welche Perspektiven, Blickwinkel und Bildausschnitte nötig sind, um Daredevil bestmöglich in Aktion zu zeigen. Da In den Armen des Teufels sehr textlastig ist, war es mit Sicherheit nicht gerade einfach, die Seiten so interessant zu gestalten, wie es ihm gelingt. Auch mehrere beeindruckende Zeichnungen sind dabei. Allerdings passen seine Zeichnungen nicht immer zu der ernsten Geschichte, da er es in der Überzeichnung von Körperproportionen hin und wieder übertreibt und im Speziellen Black Widow sehr dicht an die Karikatur führt. Da wäre etwas Zurückhaltung besser gewesen. Aber das ist natürlich meckern auf hohem Niveau. Zudem versteckt Quesada in seinen Zeichnungen immer wieder kleine Anspielungen auf Filme und Comics, unter anderem kommt Howard the Duck zu einem Gastauftritt.

Als Bonus gibt es Cover und Variantcover, Bleistiftzeichnungen einzelner Seiten und ein Nachwort von Kevin Smith.


Fazit

Kevin Smiths In den Armen des Teufels steht in der Tradition eines Frank Millers und seines Auferstehung. Kevin Smith und Joe Quesada bieten hier aber einen frischen Ansatz und erzählen ihre Geschichte äußerst spannend und vielfältig. So dicht war Daredevil nie davor dem Wahnsinn zu verfallen. Richtig gut und lesenswert.


Pro & Contra

+ gut geeignet um bei Daredevil einzusteigen
+ versteckte Anspielungen
+ perfekte Wahl des Gegners, der lange Zeit nicht offenbart wird

Bewertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 5/5


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