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Auf die Barrikaden Bd.1 – Der Aufstand der Frauen (Wilfrid Lupano, Anthony Jean)
Geschrieben von Markus
Samstag, der 08. Oktober 2016

Verlag: Splitter-Verlag; (Juli 2016)
Gebundene Ausgabe: 56 Seiten; 14,80 €
ISBN-13: 978-3958392786

Genre: Historik


Klappentext


Schön und rebellisch

1871. Elisabeth Dimitrieff, eine schöne junge Russin von zwanzig Jahren, ist gerade mal eine Woche in Paris, da avanciert sie schon zur Präsidentin der ersten feministischen Organisation von Europa: dem Frauenbund zur Verteidigung von Paris und zur Pflege der Verwundeten. Die leidenschaftliche und kämpferische Sozialistin wurde von Karl Marx in Person geschickt! Ihre Schönheit und ihre Begeisterung, durch die sie sich von den anderen Aufständischen von eher bescheidener Herkunft abhebt, weckt das Interesse der „Männer“, die bis dahin kaum empfänglich für die Forderungen der Kommunardinnen waren. So war paradoxerweise eine der ersten großen Figuren im Kampf für die Recht der Frauen in Frankreich... eine russische Aristokratin.


Rezension

1871 war das Jahr, in dem zum ersten Mal versucht wurde, sozialistische Ideen umzusetzen und so eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen. Die Pariser Kommune war Ausdruck dieser Ideen und ihr Aufstand gegen die Regierung Frankreichs, die nach Versailles geflohen war, ist bis heute Thema. Gern übersehen wird der große Anteil, den Frauen an den Geschehnissen der wenigen Wochen zwischen 18. März und 28. Mai hatten. Denn so manche Frau stand gemeinsam mit den Männern auf den Barrikaden, um Paris zu verteidigen.

Eine von diesen Frauen, die für die Kommune kämpfte und vor allem auch für die Rechte der Frauen war Elisabeth Dimitrieff. Sie war Tochter eines russischen Adeligen. Nachdem sie die Ungerechtigkeiten kennengelernt hatte, die damals im sozialen Stand manifestiert waren, verließ sie Russland und konnte sich bald für die Ideen von Marx und Engels begeistern. Und Marx war es auch, der sie schließlich nach Paris schickte, um Informationen über die Pariser Kommune zu sammeln.

Wilfrid Lupano setzt Elisabeth Dimitrieff nun zusammen mit Anthony Jean ein kleines Denkmal, in dem er ihr und den anderen Frauen in Auf die Barrikaden einen Comic widmet. Die knapp zwei Monate ihres Wirkens in Paris fasst er auf gerade einmal 56 Seiten zusammen und dennoch schafft er es, dass sich der Leser ein recht gutes Bild von ihrer starken Persönlichkeit und ihres Willens machen kann und auch von ihrer Fähigkeit Menschen in ihrem Sinne zu manipulieren und sie dazu zu bringen, zu tun, was sie als nötig erachtet, um die Pariser Kommune zu schützen. Lupano glorifiziert sie aber nicht. Sie ist niemand, der weit über den anderen steht. Er zeigt klar, dass sie in ihren Überzeugungen manchmal etwas verblendet war, so dass sie statt des sanften Weges, meist mit dem Kopf durch die Wand wollte, was ihr durchaus Ärger einbrachte. Zudem konzentriert er sich nicht nur auf sie, sondern zeigt ebenso die äußeren Umstände und lässt Zeitgenossen zu Wort kommen, die sich natürlich über Elisabeth Dimitrieff unterhalten. So entsteht mit der Zeit ein recht gutes Bild, dieser einflussreichen Frau, die sich nicht scheute, selbst zu den Waffen zu greifen und das in einem Alter, dass selbst heute vermutlich als zu jung empfunden würde, um in der Politik etwas bewirken zu können. Die Menge an Informationen, die durch Dialoge transportiert wird, erfordert ein aufmerksames Lesen, stellt aber kein Problem dar.

Anthony Jean verwendet für Auf die Barrikaden einen recht eigenwilligen Stil. Er überzeichnet seine Figuren ein kleinwenig, so dass sie hin und wieder auf der Grenze zum Funnystil wandeln, allerdings geschieht dies nur, wenn er Szenen illustriert, zu denen es passt, z.B. als sich die Protagonisten schminkt und mit überkreuzten Pistolen vorm Spiegel posiert. Die Absurdität des Ganzen fängt er damit pointiert ein und hält Dimitrieff so im Spannungsfeld zwischen Aristokratin und Revolutionärin, in dem sie sich tatsächlich befand. Ansonsten können seine Zeichnungen nur als bildgewaltig und atmosphärisch bezeichnet werden. Von der ersten Seite an entführt er den Leser in ein akkurat abgebildetes 19. Jahrhundert. Viele Details sind zu erkennen und das Lebensgefühl des Jahrzehntes kommt beim Leser an. Mit seinem Strich versteht er es, alles notwendige zu transportieren und dies ist notwendig, denn es gibt Seiten ohne Dialog, auf denen der Schrecken des Kampfes eindrücklich gezeigt wird. Die Farbgebung greift zum Glück nicht auf Sepiafarben zurück, sondern verwendet das gesamte Farbspektrum, wenn auch etwas gedeckter, da leuchtende Farben nicht zum Inhalt passen würden.

Leider sind in diesem Band keine weiterführenden Informationen enthalten. Gerade diese wären sinnvoll gewesen. Denn wer Der Aufstand der Frauen gelesen hat, will sicher mehr über diese faszinierende Frau erfahren, die mit solch einem eisernen Willen für ihre Ideale und die Rechte der Menschen und insbesondere der Frauen gekämpft hat.


Fazit

Durch Wilfrid Lupanos Auf die Barrikaden – Der Aufstand der Frauen wird ein in Deutschland unbekannter Teil der französischen Geschichte ans Tageslicht geholt. Er erzählt von der beeindruckenden Elisabeth Dimitrieff und ebenso vom Beginn der Frauenbewegung, dem Versuch sozialistische Ideen umzusetzen, von Idealen und dem Glauben an Freiheit für alle.


Pro & Contra

+ kommt teilweise ohne Text aus
+ Elisabeth Dimitrieff wird eindrucksvoll dargestellt
+ wunderbare Schlussseite

Bewertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Wilfrid Lupano:

Rezension zu Auf die Barrikaden – Die roten Elefanten
Rezension zu Auf die Barrikaden – Wir werden nichts über ihre Weiber sagen

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 07. Mai 2017
 

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