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Animant Crumbs Staubchronik (Lin Rina)
Geschrieben von Swantje
Montag, der 22. Januar 2018

Drachenmond (November 2017)
Taschenbuch
550 Seiten, 16,90 EUR
ISBN: 978-3-95991-391-1

Genre: Historischer Roman


Klappentext

England 1890. Kleider, Bälle und die Suche nach dem perfekten Ehemann. Das ist es, was sich Animants Mutter für ihre Tochter wünscht. Doch Ani hat anderes im Sinn. Sie lebt in einer Welt aus Büchern, und bemüht sich der Realität mit Scharfsinn und einer gehörigen Portion Sarkasmus aus dem Weg zu gehen. Bis diese an ihre Tür klopft und ihr ein Angebot macht, das ihr Leben auf den Kopf stellt. Ein Monat in London, eine riesige, vollautomatische Suchmaschine, die Umstände der weniger Privilegierten und eine Arbeitsstelle in einer Bibliothek. Und natürlich Gefühle, die sie bis dahin nur aus Büchern kannte.


Rezension

Animant Crumb will nicht so recht in die kleine Welt der ländlichen englischen Oberschicht passen. Statt sich von ihrer Mutter herausputzen und verkuppeln zu lassen, versenkt sie sich lieber in Büchern und betrachtet die Menschen um sich herum mit heimlicher Verachtung. Doch dann taucht ihr Onkel auf und macht einen ungewöhnlichen Vorschlag: Animant soll ihn nach London begleiten und sich als Assistentin des mürrischen Bibliothekars Thomas Reed versuchen, der bisher noch jeden ihrer Vorgänger vergrault hat. Ehe sie es sich versieht, ist Animant in London und versucht, die hohen Ansprüche des jungen, verschlossenen Bibliothekars zu erfüllen, der erst ganz allmählich seine menschliche Seite zeigt.

Neben ihrer Arbeit hat sie aber auch die Gelegenheit, am schillernden gesellschaftlichen Leben Londons teilzunehmen. Hier macht sie neue Bekanntschaften, die sie ihre bisherige Verachtung für Soireen und Bälle in Frage stellen lassen. Zum Beispiel lernt sie die selbstbewusste Elisa kennen, die das Frauenbild ihrer Zeit noch radikaler in Frage stellt als Animant, oder den attraktiven Juristen Winston Boyle, der in der belesenen jungen Frau verwirrende Gefühle auslöst.

Auf den ersten Seiten liest sich die „Staubchronik“ ein wenig klischeehaft: Eine junge Frau, die wirkt, als sei sie aus dem 21. Jahrhundert in das ausgehende 19. Jahrhundert teleportiert worden, bewegt sich unter Frauen, die nichts als Kleider und eine vorteilhafte Ehe im Kopf haben. Darüber hinaus ist Animant nicht annähernd so geistreich und schlagfertig, wie sie selbst sich sieht und die Leser sie offenbar wahrnehmen sollen.

Dafür ist sie aber von Anfang an sympathisch – auf der einen Seite unabhängig, willensstark und voller Vertrauen auf ihre Intelligenz, auf der anderen aber bereit, ihr Verhalten und ihre Einstellungen zu überdenken und nicht gegen Unsicherheit, Peinlichkeiten und Missgeschicke gefeit. Auch ihre Entwicklung ist eine der Stärken des Buches. Später ergibt sich dann auch ein differenzierteres Bild der Nebenfiguren. Zwar ordnen sich einige Figuren sehr nahe an den Polen von extrem konservativ und extrem fortschrittlich ein (teilweise ohne dass erklärt wird, wie sie zu Einstellungen gelangt sind, die ihnen nur in sehr zaghaften Ansätzen vorgelebt wurden, wenn überhaupt), aber es betreten auch vielschichtige Figuren die Bühne oder von Anfang an bekannte Charaktere offenbaren überraschende Facetten ihrer Persönlichkeit. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass Animant erwachsener und in ihrer Wahrnehmung anderer Menschen sensibler wird.

Obwohl das Cover etwas anderes vermuten lässt, sind Bücher zwar einerseits allgegenwärtig, aber geraten zugleich oft zur bloßen Kulisse. Ein paar mehr Anspielungen auf die Literatur aus Animants Zeit hätten sich als nette Ostereier für Literaturgeeks angeboten. Ebenso hätten auch ein paar atmosphärische Schilderungen des alten London und historische Details nicht geschadet, um die Geschichte noch etwas mehr in ihrem historischen Setting zu verankern.

Ein wenig erinnert „Animant Crums Staubchronik“ an Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ – eine willensstarke, unkonventionelle Frau findet auf einem ungewöhnlichen Weg ihre wahre Liebe, während Missverständnisse und Vorurteile drohen, nicht nur ihre Chance auf eine glückliche Ehe zu zerstören. Allerdings kommt der Schreibstil des Buches nicht an Austens subtile Ironie heran. Lin Rina schreibt aus Animants Sicht in der ersten Person in einer mühelos und flüssig lesbaren Sprache, die jedoch nicht durch außergewöhnliche Formulierungen oder besondere Präzision glänzt.

„Animant Crumbs Staubchronik“ wirft Fragen auf, die die Neugier des Lesers wachhalten, liefert Stoff für Konflikte, Charakterentwicklung und die eine oder andere überraschende Wendung, aber nicht unbedingt eine steile Spannungskurve. Eher bietet die Lektüre ein angenehmes, entspanntes Leseerlebnis, das einem ein gutes Gefühl vermittelt.


Fazit

Mit „Animant Crumbs Staubchronik“ hat Lin Rina einen angenehm zu lesenden historischen Liebesroman mit einer sympathischen, sich entwickelnden Hauptfigur geschrieben, der jedoch noch etwas mehr aus seinem Setting hätte machen können.


Pro und Contra

+ sympathische Hauptfigur mit Charakterentwicklung
+ Nebenfiguren werden mit der Zeit immer differenzierter
+ überraschende Wendungen
+ kleine Rätsel und Konflikte schaffen Spannung und ergänzen Haupthandlung
+ wunderschönes Cover

o eher ruhiger Roman
o Fokus liegt sehr auf Animants Liebesleben

- historisches Setting bleibt sehr blass
- Anfang wirkt etwas klischeehaft
- der Lesefluss wird nicht gestört, aber die Sprache ist auch keine Stärke des Buchs

Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3,5/5

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 22. Januar 2018
 

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