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Klaus N. Frick (26.01.2018)
Geschrieben von Judith
Freitag, der 26. Januar 2018

Interview mit Klaus N. Frick

klausnfrickLiteratopia: Hallo, Klaus! Jüngst ist Dein düsterer Fantasyroman „Das blutende Land“ erschienen. Was erwartet die Leser im vom Krieg erschütterten Patlorien?

Klaus N. Frick: Patloren ist ein Land auf der sogenannten Inselwelt, die weitestgehend vom Imperium des Dreizack kontrolliert wird; die Eskoher haben auch in Patloren ihr Regime errichtet. Es gärt im Land, viele Einheimische träumen von der Unabhängigkeit. Als ein neuer Verwalter aus Eskoh in das unbedeutende Patloren entsandt wird, sieht er eine Chance, seinen Aufstieg in der Politik voranzutreiben: Er bringt die Bauern gegen sich auf, dann gibt's einen lokal begrenzten Aufstand, und er kann sich als Kriegsherr bestätigt fühlen. Wenn man's genau nimmt, ist das Land also nicht im Krieg, sondern kurz davor ...

Was der Verwalter aber ebensowenig weiß wie die meisten anderen: Offensichtlich gibt es im Erdreich »unterhalb« von Patloren noch Reste der alten Magie, die ansonsten überall in der Inselwelt als verschwunden gilt. Nur die Kräuterhexen glauben noch daran – und ein Zauberer, der im Gebirge forscht und experimentiert. Als er ein magisches Experiment einleitet, in dem ein Junge aus dem Volk mit einem sogenannten Geisterwolf gewissermaßen verschmolzen wird, löst er eine Katastrophe aus.

Literatopia: Fast alle deiner Hauptfiguren sind nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht - sei es Nesh-Tilan, der sich profilieren will, um so schnell wie möglich wieder nach Hause zu kommen, oder die beiden Raureiter Shorrn und Danquash, die unbedingt aufsteigen wollen und darüber sogar Freundschaften vergessen. Was hat Dich dazu bewogen, so vom Genre der selbstlosen Helden abzuweichen?

Klaus N. Frick: Meine Weltsicht ist ein wenig pessimistisch. Wenn ich eine Gesellschaft zeichnen möchte, die »frühmittelalterlich« geprägt ist, so muss ich davon ausgehen, dass vor allem Leute aus der unteren Gesellschaftsschicht nur wenige Chancen haben, sozial aufzusteigen. Danshaq ist ein Knecht, er wittert eine Chance zum Aufstieg, als er sich den Raureitern anschließt. Shorrn ist der Sohn einer sozial geächteten Prostituierten; nur bei den Raureitern ist er ein Mann von Einfluss. Und Nesh-Tilan kommt aus einer wohlhabenden Familie und hofft darauf, Karriere in den Zentralen der Macht zu machen. Ich finde, das sind alles ganz normale Charaktere – in unserer heutigen Zeit wären solche Menschen Büroangestellte, würden einen Anzug tragen und auch versuchen, »nach oben« zu kommen.

Selbstlose Helden gibt es, sie sind aber die Ausnahme. Im Nachhinein hätte ich eine positive Figur auftauchen lassen sollen. Eigentlich ist Sardevs Vater ja eine – aber er spielt praktisch keine Rolle. Er muss sogar offiziell seinen Sohn verstoßen, um größeres Unheil zu verhindern. Das aber habe ich nicht erzählt, weil es mir als Seitenstrang zu langwierig erschienen wäre.

Literatopia: Das Land Patlorien ist ungewöhnlich: weite Hügelketten, wild und ungezähmt, karg und zugleich schön. Die Landschaft erinnert an die Mongolei, während das Volk und die Siedlungen eher afrikanisch wirkten. Welche Einflüsse haben Dich inspiriert?

Klaus N. Frick: Beide Vergleiche sind nicht falsch, aber auch nicht richtig ... In meiner Vorstellung sieht Patloren ein wenig so aus wie das südliche Spanien, also Andalusien, oder das nördliche Marokko, die flacheren Ausläufer des Rif-Gebirges etwa. Als ich dort 1983 erstmals war, faszinierte mich das so, dass ich beschloss, in dieser Gegend meine Fantasy-Geschichten anzusiedeln. Dass es dann so lange dauern würde, bis ein »richtiger Roman« daraus wurde, konnte ich ja nicht wissen ...

Ernsthaft jetzt: Kulturell habe ich versucht, mich ein wenig an das anzunähern, was ich über den Mittleren Osten weiß. Die Menschen in Patloren sind vom Typus her eher ein wenig »dunkel«, also ganz sicher keine keltisch oder germanisch aussehenden Schwertschwinger. Das Land ist theoretisch sehr fruchtbar, aber man müsste sehr viel Arbeit in die Bewässerung stecken. Deshalb wird Landwirtschaft vor allem entlang der Flüsse und Bäche betrieben, während das Hügelland hauptsächlich von Viehhirten genutzt wird. Und wenn ich über Patloren schrieb, hatte ich immer die Bilder von Marokko und Algerien vor Augen, auch das Grenzgebiet im Dreiländereck zwischen Senegal, Mali und Mauretanien – ich war da 1996 – hatte ich da im Sinn.

Literatopia: Sardev wird mit einem Geisterwolf verschmolzen. Die Herkunft dieser Wölfe bleibt bis zum Ende ungeklärt. Auch tauchen Sie nur im Prolog und im Epilog auf, obwohl Sardevs Wolf offensichtlich eine Gefährtin hatte. Planst zu diesem Thema und auch der alten Schlacht, die über die schwarzen steine kurz angerissen wird, noch einen Roman, um diese Geheimnisse zu lüften?

Klaus N. Frick: Wenn der Verlag mich lässt, gibt es sicher weitere Romane zu diesem Thema. Im Prinzip verhalten sich die Menschen in Patloren eigentlich so, wie sich – so stelle ich mir das vor – viele Menschen im frühen Mittelalter verhalten haben. Sie nutzten Trümmer eines alten Reiches, um daraus ihre neuen Häuser zu bauen, interessieren sich aber nicht für Geschichte. Überall gibt es Hinterlassenschaften, die auf eine alte Kultur hindeuten, über die man nicht viel weiß. Im Roman selbst sind viele Anspielungen dazu enthalten, die ich bewusst nicht ausformuliert habe – wenn ich stur aus dem Blick der Figuren erzähle, interessiert es sie in ihrem wirklichen Leben ja nicht, was vor 1000 oder 2000 Jahre im Hügelland passiert ist.

Der Geisterwolf ist ein Mythos und soll es auch bleiben. Dazu habe ich tatsächlich keine Pläne. Wenn ich eine Fortsetzung zu Sardevs Geschichte schreiben sollte, wird es hierzu aber sicher noch etwas geben.

Literatopia: Warum hat es eigentlich so lange gedauert, bis Du mit „Das blutende Land“ Deinen ersten Fantasyroman veröffentlicht hast?

Klaus N. Frick: Leider habe ich keinen »9-to-5«-Job, sondern eher eine 60-Stunden-Woche. Ich musste erst einen Weg für mich finden, wie es zeitlich schaffen könnte, überhaupt einen ganzen Roman in einer überschaubaren Zeit zu schreiben. (Die drei Romane, die ich davor veröffentlicht hatte, wurden ja zuerst als Fortsetzungsgeschichten publiziert; das ist wesentlich einfacher.) Ich wollte das Thema schon als Selfpublisher angehen – aber als sich dann erfreulicherweise Droemer Knaur dazu bereit erklärte, das Buch zu publizieren, war das eine enorme Triebfeder. Und ein konkreter Abgabetermin kann einem sowieso zusätzlichen Elan verleihen ...

Literatopia: Aus Sicht so mancher Leser hast Du einen absoluten Traumjob: Du bist Chefredakteur von Deutschlands bekannteste SF-Serie „Perry Rhodan“ – wie bist Du damals dazu gekommen? Und was genau ist Dein Aufgabenbereich?

perry rhodan2945Klaus N. Frick: Ich hatte die Serie über viele Jahre hinweg gelesen, und man kannte mich im Verlag. Darüber hinaus hatte ich schon als freier Mitarbeiter für den Verlag gearbeitet – ich hatte Western und Krimis redigiert. Zudem arbeitete ich 1992 als Redakteur in einer Agentur, in der ich Zeitschriften betreute. Man wusste also, dass ich Termine halten konnte, dass ich die Serie sehr gut kannte und dass ich Redaktionserfahrung hatte. Also wurde ich gefragt, als mein Vorgänger im Amt die Karriereleiter hinaufstolperte ...

Was ich heute mache, ist recht vielseitig. Als Chefredakteur bin ich für die Inhalte aller Serien verantwortlich. Das heißt, dass ich intensiv mit den Autorinnen und Autoren kommuniziere, mit ihnen Ideen und Konzepte durchspreche oder ihnen ausführliches Feedback zu ihren Romanen gebe. Darüber hinaus schreibe ich irrsinnig viele Gebrauchstexte für die Serie: für die Werbung, für die Öffentlichkeitsarbeit, für unseren Internet-Auftritt. (Gelernt ist eben gelernt.) Ein großer Teil meines Jobs besteht aber auch darin, klassische »Führungskraft«-Aufgaben zu erledigen: Personalgespräche, Vertriebsgespräche, Diskussionen mit Buchhaltung und Controlling, Meetings mit dem Geschäftsführer, Lizenzverhandlungen mit Partnern und so weiter.

Ohne ein starkes Team im Rücken wäre das alles nicht zu schaffen.

Literatopia: Als früherer Fan, kritischer Leser und nun Chefredakteur – was glaubst Du, macht den Reiz von „Perry Rhodan“ aus, dass sich die Serie so lange so großer Beliebtheit erfreut?

Klaus N. Frick: Ich glaube mittlerweile tatsächlich, dass PERRY RHODAN für viele unserer Leser so etwas wie eine Heimat ist, eine literarische Heimat natürlich. Man kennt sich aus, man weiß, wo die Möbel stehen (in diesem Fall die Welten und Sonnen), man kennt die Familienmitglieder und Nachbarn (in diesem Fall die Hauptfiguren), und trotzdem passiert jeden Tag genügend um einen herum, das einem am Leben und in Bewegung hält.

Wer's ein wenig ernsthafter will: PERRY RHODAN ist ein komplexes Universum mit Tausenden von Facetten. Ein Leser kann, wenn er oder sie sich darauf einlassen möchte, viele Jahre damit verbringen, sich mit den einzelnen Facetten anzufreunden. Nicht jede wird er oder sie gut finden, nicht jede gleich faszinierend finden – aber es gibt irrsinnig viel zu entdecken, wenn man möchte.

Literatopia: Deine erste Kurzgeschichte hast Du im zarten Alter von 16 Jahren bei „Perry Rhodan“ veröffentlicht – warum ging es in dieser Geschichte? Und was siehst Du sie aus heutiger Sicht?

Klaus N. Frick: Tatsächlich habe ich meine ersten Kurzgeschichten mit zwölf Jahren in Schülerzeitungen veröffentlicht, dann kamen Fanzines. Das PERRY RHODAN-Magazin war 1980 die erste professionelle Zeitschrift, die für eine Geschichte bezahlte – das war damals richtig viel Geld. Den Text würde ich heute so nicht mehr schreiben, und er ist auch echt nicht gut. Aber mit 16 Jahren findet man es halt spannend, den Propheten Mohammed und Außerirdische in einen Text zu packen.

Literatopia: Du bist unter anderem auf Twitter sehr aktiv und bloggst fleißig über „Perry Rhodan“ und alles, was dich beschäftigt. Wie wichtig ist es heutzutage, als Autor im Netz präsent zu sein und sich selbst zu vermarkten?

Klaus N. Frick: Darüber habe ich mir – ganz ehrlich – nie auch nur einen Gedanken gemacht. Mir macht das Bloggen viel Spaß, auch das Twittern, und ich teile gern meine Ansichten und Meinungen mit anderen Leuten. Im Prinzip sehe ich meinen Blog und meinen Twitter-Account als direkte Fortsetzung für die Fanzines, die ich in den 80er- und 90er-Jahren gemacht habe. Damals musste man eben drucken lassen und sich um den Vertrieb kümmern; heute kann ich meine Themen direkt ins Netz stellen, wo sie im Idealfall mehr Leser finden. Aber ich glaube nicht, dass ich deshalb auch nur ein Buch mehr verkaufe. Wenn ja, wäre es gut. Aber das ist nicht das Ziel des Bloggens.

Literatopia: Mit der Kurzgeschichtensammlung „Für immer Punk?“ leistest du einen literarischen Beitrag als Chronist der Punkbewegung. Was ist für Dich „Punk“? Und wie hast Du die Entwicklung dieser Bewegung in den vergangenen Jahrzehnten erlebt?

fuer immer punkKlaus N. Frick: Also ... auf die Frage müsste ich mit meiner Lebensgeschichte antworten – aber das führt zu weit. Punk begleitet mich schon so lange wie PERRY RHODAN; ich habe die Musik 1977 zum ersten Mal gehört, kaufte mir irgendwann die ersten Platten, ging irgendwann zu Beginn der 80er-Jahre auf die ersten Konzerte. So ein »richtiger« Punk war ich sicher nie, immer viel zu sehr Dorfpunk ... außerdem arbeitete ich ja immer.

In den 80er-Jahren organisierte ich mit anderen zusammen die Punk-Konzerte in Freudenstadt, in den 90er-Jahren veranstalteten ein Kumpel und ich zweimal Punk-Konzerte auf dem Rheinschiff »MS Karlsruhe« in Karlsruhe. Ich war auf den Chaostagen und Punk-Treffen, bin mit Bands mitgefahren und habe – ungelogen! – Tausende von Punk-Bands gesehen. Bis heute finde ich die Musik stark, bis heute mag ich die Szene. Aber ich bin natürlich viel ruhiger als vor zwanzig oder dreißig Jahren.

»Für immer Punk?« ist tatsächlich das vierte Buch mit Punk-Hintergrund, das ich veröffentlicht habe. Es gibt die zwei Romane »Vielen Dank Peter Pank« und »Chaos en France«, die in den 80er-Jahren spielen: der erste in Süddeutschland, der andere in Südfrankreich. Vor allem der erste zeigt meiner Ansicht nach ganz gut, wie sich Punk in den 80er-Jahren anfühlte – mit allen positiven und negativen Begleiterscheinungen. Und es gibt eine Kurzgeschichtensammlung, die den schönen Namen »Zwei Whisky mit Neumann« trägt. Die ist aber vergriffen, soweit ich weiß.

Literatopia: Hast Du an dieser Stelle ein paar Musiktipps für unsere Leser? Was sind Deine all time favorites?

Klaus N. Frick: Wenn ich bei den Klassikern anfangen darf, was meinem Alter geschuldet ist, so würde ich bei den englischen Bands immer noch The Damned und The Clash bevorzugen, bei den amerikanischen Bands immer noch die Dead Kennedys und die Wipers, bei den deutschen Bands stets Razzia und die Neurotic Arseholes. Bei den neueren Bands aus Deutschland finde ich derzeit Pascow am stärksten, aber auch die schwedische Elektropunk-Band The Guilt finde ich großartig. Ganz ehrlich ... ich könnte so weitermachen, aber damit würde ich den Rahmen des Interviews sprengen.

Literatopia: Kannst Du uns abschließend vielleicht schon etwas über Dein aktuelles Schreibprojekt und die Welt Magira verraten?

Klaus N. Frick: Magira ist eine Fantasy-Welt, die gewissermaßen simuliert wird. Das heißt: Seit Ende der 60er-Jahren simulieren Menschen im Rahmen eines Vereins Figuren, die auf dieser phantastischen Welt leben. Wer Live-Rollenspiele kennt, kann sich das in etwa vorstellen – so in etwa funktioniert Magira. Ich bin seit 1979 Mitglied in dem Verein, der die Simulation betreibt, und habe über meine Figur eine Reihe von Geschichten geschrieben. Einige von denen finde ich immer noch gut, die würde ich gern zusammenfassen und als Buch herausbringen. Das wird sicher kein massentaugliches Buch werden, aber ich möchte es gern machen.

Literatopia: Vielen Dank für das Interview!


Autorenfoto: Copyright by Klaus N. Frick

Rezension zu "Das blutende Land"

ENPUNKT-Tagebuch: http://enpunkt.blogspot.de

PERRY-RHODAN-Redaktionsblog: http://perry-rhodan.blogspot.de


Dieses Interview wurde von Judith Madera für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.

Zuletzt aktualisiert: Freitag, der 26. Januar 2018
 

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