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Ungleichheit – Was wir dagegen tun können (Anthony B. Atkinson)
Geschrieben von Swantje
Donnerstag, der 29. März 2018

Klett-Cotta (2017)
Originaltitel: Inequality. What can be done?
Übersetzerin: Heiner Kober
Hardcover
474 Seiten, 26,95 EUR
ISBN: 978-3-608-94905-6

Genre: Sachbuch


Klappentext

Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt über 50 Prozent des Weltvermögens – Tendenz steigend. 99 Prozent der Weltbevölkerung diskutieren und verzweifeln, handeln aber nicht. Soziale Ungleichheit ist für Anthony Atkinson, den weltweit führenden Experten, ganz oben auf der »Agenda der Weltprobleme«. Man kann fast alle tagespolitischen Konflikte, die Flüchtlings- und Eurokrise, den Terrorismus und die Kriege im Nahen Osten auf sie zurückführen. Gegen die lähmende Untätigkeit legt der britische Ökonom ein Programm für den Wandel vor und empfiehlt 15 konkrete Maßnahmen für die Bereiche Technologie, Arbeit, soziale Sicherheit sowie Kapital und Steuern. Ein Meisterwerk, das Analyse, Aufklärung, Appell und Handlungsanleitung miteinander verwebt.


Rezension

Anthony B. Atkinsons „Ungleichheit“ ist dreigeteilt. Der erste Teil ist der Analyse der Gegenwart und der Geschichte gewidmet. Atkinson darin analysiert die Entwicklung von Ungleichheit und die Faktoren, die einen Einfluss darauf hatten. Er beschäftigt sich dabei auch intensiv mit der Frage, wie Ungleichheit eigentlich gemessen werden kann und welche Probleme es bei der Erhebung und Auswertung der Daten gibt. Teil zwei ist ein Katalog von Maßnahmen, in denen Atkinson das Potenzial sieht, die Ungleichheit zu verringern. In Teil drei beantwortet Atkinson die unvermeidliche Frage nach deren Realisierbarkeit. Sein Fokus liegt vor allem auf England und sein Maßnahmenkatalog ist teils auf die Situation dort zugeschnitten, aber er spricht auch über Entwicklungen in anderen Länder und in vielen Fällen lassen sich seine Argumente und Vorschläge auch übertragen.

Obwohl „Ungleichheit“ für die breitere Öffentlichkeit geschrieben ist, handelt es sich dennoch um anspruchsvolle Lektüre für Menschen, die bisher nicht viel Berührung mit Wirtschaftswissenschaften und deren Methoden hatten. Atkinson legt gerade im ersten Teil gewissenhaft offen, wie die Werte, mit denen er im weiteren Verlauf des Buches argumentiert, errechnet wurden. Diesen Erklärungen zu folgen ist möglich, erfordert aber konzentriertes Lesen. Im letzten Teil des Buches gibt es neben umfangreichen Quellenangaben auch ein hilfreiches Glossar. Atkinsons Analyse der Vergangenheit ist interessant, weil die Entwicklung der Ungleichheit – sowohl in als auch zwischen Ländern – nicht ganz so verlaufen ist, wie ich es erwartet hätte (z.B. gab es eine Phase verblüffend ausgeprägter Gleichheit, bevor viele dahingehende Entwicklungen in den 80ern ins Gegenteil umschlugen), und weil sie zeigt, dass er sich der Komplexität seines Untersuchungsgegenstands nur zu bewusst ist.

Teil zwei und drei lassen sich weitaus leichter und flüssiger lesen als der erste Teil. Sie enthalten konkrete Ideen, was Regierungen gegen Ungleichheit unternehmen können. Hier geht es um neue Ansätze bei der Besteuerung von Einkommen und Vermögen, um Ideen zu Mindestlohn und Arbeitsplatzgarantien, die den veränderten Arbeitsstrukturen unserer Zeit gerecht werden können. Atkinson schlägt z.B. vor, dass jeder das Anrecht haben sollte, 35 Stunden pro Woche in einem sinnvollen Job zu arbeiten, der gegebenenfalls von der Regierung gestellt werden solle, und sieht ein „Partizipationseinkommen“ als ein möglicherweise effektives Mittel der sozialen Sicherung an. Dabei handelt es sich um ein Grundeinkommen, das an die Verrichtung gesellschaftlich bedeutsamer Arbeit geknüpft ist, welche jedoch auch im Ehrenamt oder durch die Pflege von Familienangehörigen geleistet werden kann. Ein weiteres großes Thema sind Transferleistungen, die Kindern und jungen Erwachsenen den Start ins Leben erleichtern können, verbesserte Möglichkeiten, für die Rente vorzusorgen, und der Vorschlag, gezielt diejenigen Technologien zu fördern, die das Leben von Menschen verbessern, ohne menschliche Arbeitskräfte e zu verdrängen. Bei der Besteuerung schlägt Atkinson hohe Spitzeneinkommen und eine Form der Besteuerung niedriger Einkommen vor, die gewährleistet, dass Arbeit eine attraktive Option bleibt, weil der Mehrverdienst den Haushalten nicht sofort durch höhere Steuern wieder entzogen werde.

In Teil drei bekennt Atkinson, dass die Auswirkungen seiner Maßnahmen nicht wirklich vorhersagen kann, da einfach zu viele Faktoren darauf einwirken. Jedoch argumentiert er entschieden gegen diejenigen, die sie von vornherein als zu teuer, nicht umsetzbar, oder effizienzhemmend abtun. Ebenso spricht er das oft genannte Argument an, dass Globalisierung und internationale Konkurrenz nationalen Maßnahmen zur Reduktion von Ungleichheit einen engen Rahmen setzten, da Staaten konkurrenzfähig bleiben müssten. Er fragt auch, inwiefern Staatenbünde wie die EU gemeinsam agieren könnten und erwägt z.B. eine international verbindliche Minimalsteuer für Unternehmen, damit diese ihre Steuern nicht einfach in einem anderen Land zahlen. Atkinson kann nicht mit letzter Gewissheit sagen, dass seine Maßnahmen finanzierbar sind und die gewünschten Effekte erzielen würden, doch er hat plausible Argumente dafür parat, dass sie nicht notwendigerweise in einem Rückgang der Wirtschaftsleistung eines Landes resultieren müssen. Für einige Punkte hat er sogar Modelle parat, die eine vorsichtige Prognose ihrer Kosten und ihrer Auswirkungen erlauben, bei welcher seine Ideen ziemlich gut wegkommen.

Atkinson nimmt sich eines wichtigen und hochkomplexen Themas an. Sein Stil ist flüssig und gut lesbar, auch wenn er hier und da mit Konzepten und Berechnungen arbeitet, die für fachfremde Leser nicht unbedingt mühelos verständlich sind. Dafür jedoch arbeitet er auch mit Zusammenfassungen und Ausblicken, die eine Orientierung im Text erleichtern und dem Buch einen sehr strukturierten Charakter geben. Weniger glücklich jedoch ist die Wahl des Layouts: Halb am Rand, halb im Text sind immer wieder Kästen mit fettgedruckter Schrift. Ihre Gestaltung erinnert an Anmerkungen oder Zusammenfassungen der betreffenden Absätze und macht es leicht, sie zunächst zu überlesen. Allerdings handelt es sich dabei um hervorgehobene Teile des Textes, die für dessen Verständnis wichtig sind. Es wäre meiner Meinung nach besser für die Lesbarkeit gewesen, sie einfach im Text zu lassen und auf andere Weise hervorzuheben.


Fazit

Anthony B. Atkinson hat mit „Ungleichheit – Was wir dagegen tun können“ ein Buch zu einem hochrelevanten Thema geschrieben und liefert interessante Vorschläge für eine Politik, die mehr Gleichheit gewährleisten soll. Der Großteil seiner Analysen und Ideen sind mit empirischen Daten unterfüttert und die Offenlegung von Methoden und deren möglichen Schwächen nimmt viel Raum ein. Atkinson schreibt angenehm flüssig, aber stellt Leser ohne wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse dennoch vor gewisse Herausforderungen.


Pro und Contra

+ wichtiges Thema
+ Offenlegung und kritische Betrachtung von Methoden
+ mutige Ideen zur Bekämpfung von Ungleichheit
+ Prüfung der Umsetzbarkeit
+ Betrachtung von vielen verschiedenen Aspekten des Problems und seiner möglichen Lösungen

o teilweise ziemlich anspruchsvoll für fachfremde Leser

- irritierende Gestaltung hervorgehobener Textteile

Wertung:

Lesespaß: 4/5
Informationsgehalt: 5/5
Aktualität: 5/5
Verständlichkeit: 3,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5

Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 29. März 2018
 

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