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Nicht weg und nicht da (Anne Freytag)
Geschrieben von Saskia
Montag, der 02. April 2018

Heyne fliegt (März 2018)
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
480 Seiten, 16,00 EUR
ISBN: 978-3-453-27159-3

Genre: Jugendbuch


Klappentext

Nach dem Tod ihres Bruders macht Luis einen radikalen Schnitt: Sie trennt sich von ihrem mausgrauen Ich und ihren Haaren. Übrig bleiben drei Millimeter und eine Mauer, hinter die niemand zu blicken vermag. Als Jacob und sie sich begegnen, ist er sofort fasziniert von ihr. Doch Luise hält Abstand. Bis sie an ihrem sechzehnten Geburtstag eine E-Mail von ihrem toten Bruder bekommt- die erste von vielen. Mit diesen Nachrichten aus der Zwischenwelt und Jacob an ihrer Seite gelingt es Luise, inmitten dieser so aufwühlenden wie traurigen Zeit das Glitzern des Lebens wiederzufinden.


Rezension

Schon das Cover zaubert ein Lächeln auf die Lippen. Schlägt man dann das Buch auf, findet man im Einband sehr viele Wörter, die einfach aufgekritzelt zu sein scheinen. Später erfährt man, dass dieses Sammeln von Wörtern ein Hobby des verstorbenen Bruders der Hauptfigur gewesen war. Doch im ersten Moment gibt dies schon eine persönliche Note, die dem Leser eine unsichtbare Tür in Anne Freytags Welt eröffnet.

Aufgrund einer angeborenen psychischen Erkrankung ihres älteren Bruders Kristian musste die fünfzehnjährige Luise schon seit frühester Kindheit viel zurückstecken. Dennoch haben die Geschwister eine sehr enge Bindung. Mit Kristians Suizid nimmt auch Luises Leben eine dramatische Wendung. Die Eltern trennen sich und die beste Freundin zieht in eine andere Stadt, während Luise sich hinter einer emotionalen Mauer verschanzt. Auch die Beziehung zur Mutter leidet darunter. In dieser schweren Zeit begegnet sie Jacob, der sofort von dem zerbrechlichen Mädchen fasziniert ist. Nach und nach freunden die beiden sich miteinander an, nicht zuletzt wegen eMails, die Kristian dank moderner Technik aus dem Jenseits schickt.

Die Beziehung zwischen Jacob wächst im Laufe der Geschichte, da der junge Mann aufgrund seiner schwierigen Kindheit mit viel Verständnis auf Luises Gefühlschaos reagiert und ihr in diesem Sturm immer wieder einen sicheren Hafen bietet. So wird aus einer zarten Pflanze ein starker Baum. So einfühlsam wie sie ihren Charakter Jacob geschaffen hat, beschreibt die Autorin, ohne in Kitsch zu verfallen, die Schwierigkeiten, die den Übertritt von der Kindheit zum Erwachsenenwerden mit sich bringen. Im Hintergrund der tragische Verlust des Bruders, der ein enger Vertrauter der Hauptfigur war und nun weg ist.

Aber ist er wirklich weg? Die Frage kann sich jeder Leser selbst beantworten. An ihrem sechzehnten Geburtstag erhält Luise eine von vielen eMails, die ihr Bruder vor seinem Tod vorbereitet hat und in denen er ihr verschiedene Aufgaben stellt. Steine, mit denen er ihr eine Brücke zurück ins Leben baut, gestützt von Jacob, der ihr unerschütterlich zur Seite steht. Luise lernt den Verlust des Bruders zu akzeptieren und ihren Alltag ohne ihn zu bewältigen. Er ist vielleicht nicht mehr körperlich an ihrer Seite, doch weg ist er auf keinen Fall, denn in ihren Erinnerungen wird er immer weiterleben. Die Idee ähnelt der von Cecilia Aherns "P.S. Ich liebe Dich", ist hier aber jugendgerecht und wunderschön umgesetzt.

"Nicht weg und nicht da" liest man mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Zum einen trauert man mit der Hauptfigur und hat das Bedürfnis, dieses zarte Mädchen ganz fest in den Arm zu nehmen. Man fiebert mit ihr mit und atmet erleichtert auf, dass sich alles zum Guten wendet. Einfühlsam lässt die Autorin die Figuren eine Wandlung durchmachen und nimmt dabei den Leser mit auf eine spannende Reise von der Kindheit zum Erwachsenen. Auch wenn man als Teenager kein einschneidendes Erlebnis hatte, sowie Luise, kann sich jeder wieder ein Stück weit in Luise und Jacob, vielleicht sogar in Luises Mutter wiedererkennen. Ein Grund dafür ist auch, dass jeweils in der Ich-Form einmal aus Luises und einmal als Jacobs Sicht erzählt wird und so dem Leser beide Sichtweisen vermittelt werden.

Einzig ein wenig störend, aber das macht das Werk nicht unbedingt schlechter, ist die schwierige Kindheit von Jacob. Zuerst wird diese nur angedeutet, später geht Anne Freytag auf etwa einer halben Seite ins Detail. Dabei hätten die Andeutungen völlig genügt und Jacob hätte sich seine geheimnisvolle Aura bewahrt. Denn diese macht nachvollziehbar, warum ausgerechnet er der Einzige ist, der Zugang zu Luises verschlossener Welt erhält und sie aus ihrem emotionalen Grab befreien kann.


Fazit

"Nicht weg und nicht da" ist ein Roman für Jugendliche und Erwachsene, die im Herzen jung geblieben sind. Auch wenn man den Roman zu Ende gelesen hat (ein Leichtes, denn man will ihn nicht aus der Hand geben), hallt er einige Zeit nach und beschäftigt den Leser nicht nur während er das Buch in Händen hält. Er macht deutlich, dass nur derjenige wirklich  tot ist, der vergessen wird. Kurz gesagt: "Nicht weg und nicht da" ist Schokolade zum Lesen.


Pro und Contra

+ lockerer, flüssiger Erzählstil
+ Leser fühlt mit
+ nachvollziehbare Wandlung der Hauptfiguren

o ähnliche Idee wie in "P.S. Ich liebe Dich", allerings jugendgerecht aufgearbeitet

- leichtes Klischee vom Jungen mit der schweren Kindheit

Wertung: sterne5

Handlung: 5/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespass: 5/5
Preis/ Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 02. April 2018
 

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