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Kühn hat Ärger (Jan Weiler)
Geschrieben von Lukas
Freitag, der 20. April 2018

kuehn hat aerger

Piper (März 2018)
Hardcover
400 Seiten, 20,00€
ISBN: 978-3492057578

Genre: Belletristik


Klappentext

im Grunde startet jeder neue Tag mit derselben Chance. So sieht Martin Kühn es jedenfalls, an guten Tagen. In letzter Zeit allerdings hatte er eher selten gute Tage, seine Frau Susanne benimmt sich seltsam, und er selbst ist dabei, einen amourösen Fehltritt zu begehen. Auch der heutige Tag beginnt wechselhaft, denn Kühn soll mit seinem Kollegen Steierer den Mörder eines jungen Mannes finden. Die Ermittlungen führen ihn, den einfachen Polizisten und Berufspendler, in die Welt der Reichen und Wohltätigen. Diese neue Erfahrung setzt ihm doch mehr zu, als Kühn es sich eingestehen will. Und während er auf der Terrasse der Verdächtigen selbstgemachte Limonade kostet, sucht Kühn die Antwort darauf, ob es überhaupt einen Ort gibt, an dem er in diesem Leben richtig ist.


Rezension

Kühn hat Ärger“ ist der zweite Roman um Martin Kühn. Der Vorgänger „Kühn hat zu tun“ ist nicht zwingend nötig, um dem Geschehen folgen zu können, erleichtert aber denn Einstig. Denn die Story spielt nur wenige Wochen nach dem erlittenen mentalen Zusammenbruch. Zu viel Blut, zu viel Unmenschlichkeit und zu viele Sorgen um seinen Sohn, der in die rechte Szene abzurutschen drohte. Nach seinem Reha-Aufenthalt fühlt sich Kühn seelisch wieder besser, dafür aber alt. Außerdem verhält sich seine Frau eigenartig und immerhin ist er Polizist und merkt, wenn man ihn anlügt. Richtig auf Konfrontation gehen möchte er aber auch nicht und schleppt seine finsteren Gedanken mit sich, als er mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum nächsten Tatort fährt, um eine furchtbar zugerichtete Leiche zu untersuchen.
Wenn man die Inhaltsbeschreibung liest, könnte man meinen, mit „Kühn hat Ärger“ einen Krimi vor sich zu haben. Das ist zwar nicht ganz falsch, wer aber einen spannenden und undurchschaubaren Kriminalfall erwartet, wird sehr enttäuscht werden, zumal die Auflösung mehr oder minder schon auf dem Buchrücken steht, weshalb man den am besten gar nicht liest. Die Krimielemente dienen aber auch eher als Rahmenhandlung für eine sehr intelligente und satirische Gesellschaftskritik.

Jan Weiler hat mit Martin Kühn eine beeindruckende Figur erschaffen. Kühn ist ein Jedermann. Ein Mann der Mitte, der sein Bestes versucht, ein guter Mensch, guter Vater und Ehemann zu sein. Der seiner Familie Sicherheit und ein Zuhause bieten möchte, der aber an der Last manchmal zu ersticken droht. Dabei ist er aus der vermeintlich gutsituierten Mittelschicht, von seinem Gehalt bleibt aber auch nicht wirklich etwas übrig. Außerdem breitet sich in seinem Keller ein übelriechender Fleck aus. Vergifteter Grundboden. Und niemand will etwas gewusst haben und niemand will für den Schaden am Haus aufkommen.
Martin Kühn ist aber auch überdurchschnittlich intelligent und empathisch. Was ihn zu einem sehr guten Ermittler macht. Er hat ein Gespür für Körpersprache und weiß, wo er wie anzusetzen hat, um an Informationen zu gelangen. Gleichzeitig ist es auch jene Feinfühligkeit, die es ihm schwer macht, seine Arbeit nicht seelisch an sich heranzulassen. Wie ein echter Mensch hat er aber auch sehr unterhaltsame Macken. Er hasst es zum Arzt zu gehen, er kann nur schwer an sich halten, wenn er mit widerlichen Menschen konfrontiert wird, und über seine Gefühle spricht er nicht mit seiner Frau. Wie hin und hergerissen er sein kein, bekommt man durch seine inneren Monolog präsentiert. „Kühn hat Ärger“ ist eine perfekte One-Man-Show.
Was nicht bedeutet, dass die Nebenfiguren unter Vernachlässigung leiden würden. Egal ob Kühns Partner Steierer, der gerne in der Firma aufsteigen und somit Kühn überspringen würde, der Staatsanwalt, der Arzt, Kühns Frau, die Mutter des Opfers, selbst der Obernazi und Nachbar von Kühn erscheint wie aus dem wahren Leben herausgerissen.

Der erste Roman war ähnlich in seiner Art der Schilderungen und Figuren, dennoch ist „Kühn hat Ärger“ ein viel besserer Roman geworden, denn es befasst sich viel stärker mit den gesellschaftlichen Strukturen und unerfreulichen Alltäglichkeiten in Deutschland. Der Mord bringt Kühn von der untersten Sozialstufe zu der höchsten. Glaubhaft und unverblümt schildert Weiler das Leben in der verarmten Randgesellschaft. Egal ob z.B. Ausländer, Alleinerziehende oder Alte, jeden kann es schlecht erwischen egal, ob man es verschuldet hat oder nicht. Wie Häme erscheint es dann, dass nur wenige Haltestellen weiter die Dekadenz der Münchner Reichen herrscht, die wegen ihres Vermögens aber auch nicht schlechte Menschen sein müssen. Das wäre zu einfach und entspricht auch kaum der Realität. Und mitten drin in unmoderner Kleidung steht Kühn, die Mittelschicht, der keines der beiden Extreme lebt. Sowie Kühn richtet auch Weiler nicht über die Menschen in schlichtem Schwarz-Weiß. Die Schwierigkeit eine untere Klasse zu verlassen und eine höhere zu wechseln wird hier aber thematisiert. Und hier sind es beide Seiten, die es einem erschweren.
Der clevere Schachzug von Weiler hierbei ist, dass er dem Leser den Hintergrund des Opfers gleich zu Beginn offenbart. Seine Protagonisten hingegen kennen ihn nicht und müssen sich mit den eigenen und anderer Vorurteilen herumschlagen. So kann man als Leser vom hohen Ross herabschauen und urteilen, in dem Wissen, dass man ohne die richtigen Informationen, dieselben Annahmen getroffen hätte.

Auch wenn der Mordfall eben nur ein Grundgerüst ist für einen überaus lesenswerten Roman ist, ist der Weg zum Täter durchaus spannend und man kann sich einiges vorstellen, was passiert sein könnte, gerade weil Jan Weiler mit den Vorurteilen spielt. Umso bedauerlicher ist, dass die Auflösung dann dennoch etwas enttäuscht. In erster Linie ist „Kühn hat Ärger“ aber ein überaus lustiger Roman der Gegenwartsliteratur und eben kein „richtiger“ Krimi. Die klugen gesellschaftlichen Beobachtungen und philosophischen Gedanken, werden in sehr trocknen, humorvollen Dialogen verpackt. Und damit auch der Letzte versteht, dass es im Leben aber auch nicht zu ernst gehen muss, liefert Jan Weiler eine der eigenwilligsten Sexszenen der Literaturgeschichte ab. Schön.


Fazit

Jan Weiler schickt seinen lakonischen Hauptkommissar zu seinem zweiten Fall los und übertrifft seinen ersten Roman mit Leichtigkeit. Kühns inneren Monologe und trocknen Dialoge allein sind es wert, das Buch zu lesen. Aber „Kühn hat Ärger“ ist auch ein kluges und humorvolles Buch, das einen kritischen Blick auf die deutsche Klassengesellschaft wirft.


Pro und Contra

+ Martin Kühn
+ viel zu lachen
+ gesellschaftskritischer Blick
+ Spiel mit Vorurteilen
+ sehr nachvollziehbare Charaktere
+ die Sexszene

- Auflösung des Falls dann doch etwas fad

Wertung:sterne4.5

Handlung: 4/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Freitag, der 20. April 2018
 

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