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Die Ermordung des Commendatore II - Eine Metapher wandelt sich (Haruki Murakami)
Geschrieben von Lukas
Mittwoch, der 04. Juli 2018

murakami2

DuMont (April 2018)
Hardcover
496 Seiten, 26,00€
ISBN: 978-3-8321-9892-3

Genre: Belletristik / Phantastik


Klappentext

Mit dem Porträt der 13-jährigen Marie wächst allmählich das Selbstvertrauen des jungen Malers in seinen eigenen Stil. Die wiedergewonnene Sicherheit hilft ihm, das Ende seiner Ehe zu verarbeiten. Während der Sitzungen freunden sich das Mädchen und der Maler an. Er ist beeindruckt und erschrocken zugleich von Maries Klugheit und Scharfsinn. Mit ihr kehrt die Erinnerung an seine kleine Schwester zurück, deren Tod er nie überwunden und nach der er in jeder Frau gesucht hat. Auch in seiner eigenen, die, wie er erfährt, schwanger ist. Als Marie verschwindet, ist er fest davon überzeugt, dass dies im Zusammenhang mit dem Gemälde ›Die Ermordung des Commendatore‹ steht und dass nur das Gemälde und sein Maler ihm den Weg weisen können, um Marie zu finden. Ein Weg, der durch eine Luke in eine andere Welt führt.


Rezension

Ein Rückblick: Der Namenlose und unscheinbare Porträtmaler wird von seiner Ehefrau verlassen, woraufhin er seine Utensilien einpackt, in sein Auto steigt, seinen Beruf auf Eis legt und durch Japan herumreist. Nach einer befremdlichen, sexuellen Begegnung mit einer Frau und dem bedrohlich wirkenden „Mann im weißen Subaru Forester“ zieht er sich zurück in ein altes, einsames Haus in einem Tal. Einst wohnte dort der berühmte Nihonga-Maler, Tomohiko Amada, der seine letzten Tage mit Demenz in einem Altenheim verbringt. Durch einen Zufall entdeckt der junge Maler, und neue Bewohner des Hauses, ein Bild von dem berühmten Mann. Gut verpackt und versteckt auf dem Dachboden, fristet es sein unbekanntes Dasein. Das Bildnis trägt den Titel „Die Ermordung des Commendatore“ und ist so intensiv in seiner Wirkung, dass es eine Reihe von Ereignissen in Gang setzt. Nachts läuten Glocken in der Ferne und sie scheinen aus einer Grube hinter einem Schrein zu kommen. Zur selben Zeit tritt der weißhaarige Menshiki in das Leben des Malers, sein direkter Nachbar, und beauftragt ihn, ein Porträt von ihm zu malen. Während die Männer sich kennenlernen und ihr Vertrauen zueinander zunimmt, kommen sie auf das Läuten und die Grube zu sprechen. Gemeinsam lassen sie die Grube öffnen, sie ist leer, bis auf ein altertümliches Instrument. Daraufhin erscheint dem Maler eine „Idee“ im Körper eines sechzig Zentimeter großen Mannes, der ein Ebenbild des Commendatore ist. Während der Maler sich versucht einen Reim auf die Geschehnisse zu machen, offenbart ihm Menshiki den wahren Grund dafür, dass er ihn aufgesucht hatte: Auf der anderen Seite des Tals lebt die 13jährige Marie Akikawa, die seine Tochter sein könnte. Er solle ein Porträt von ihr malen und er, Menshiki, könne ihn besuchen, um seiner vermeintlichen Tochter nah sein zu können.

So abrupt wie Band 1 endete, so schnell nimmt Band 2 „Eine Metapher wandelt sich“ den Faden wieder auf und beginnt entsprechend mit Kapitel 33. Wer sich nach dem fehlenden Cliffhanger im Vorgänger jetzt wenigstens eine Wendung im Storyverlauf erhofft, wird enttäuscht sein. Es geht exakt auf dieselbe Art weiter wie zuvor. Im ersten Moment erscheint das positiv zu sein, setzt sich doch die hochgelobte Art der Erzählung Murakamis fort. Allerdings sind knapp 500 Seiten mystisch angehauchte Ereignislosigkeit bei weitem weniger anstrengend als knapp 1000 Seiten. Außerdem zieht sich der Protagonist ein wenig zurück. Somit tauchen Menshiki und später auch Marie weniger auf, was unmittelbar zur Folge hat, dass die wunderbaren Dialoge stark abnehmen. Drögere Passagen, die durch die geistreichen Wortgefechte aufgelockert wurden, sind dadurch merkbar schwerer zu überwinden. Besonders wenn man diese bereits so häufig gelesen hat. Denn auch inhaltlich geschieht erstmal nichts Neues. Der Protagonist malt oder malt nicht. Er hört klassische Musik und trinkt dazu Whiskey.

Irgendwann geschieht dann doch etwas. Marie ist nicht mehr aufzufinden. Es ist nicht zu erwarten, dass Murakami mit einem Mal in ein anderes Genre umschwenkt und plötzlich die Spannungsschraube anzieht, die apathische Erzählweise des Protagonisten (und Ich-Erzählers) lässt aber absolut keine Form der Spannung zu, was dann doch schade ist. Wenn ihm der Commendatore erscheint ist das eine Sache, bei realeren, dramatischeren Ereignissen ist das störender. In der Machtlosigkeit etwas an Maries Verschwinden zu ändern, geht der Künstler seinem Ursprünglichen Plan nach, den an Demenz leidenden, alten Nihonga-Maler zu besuchen. Ohne etwas zu verraten, kann man sagen, dass die daraufhin folgenden Seiten an metaphorischen Ereignissen kaum zu überbieten sind. Murakami hat seine eigene Messlatte der bizarren Ereignisse damit noch einmal höher gesetzt.

Aber wozu das Ganze? Sinnbildlich kann man einiges vermuten, womöglich sogar verstehen, aber wie hängt das mit den direkten Ereignissen im Buch zusammen? Die Puzzleteile sollen angeblich passen. Der Protagonist muss etwas tun, um die verschwundene Marie zu finden, allerdings führt Murakami die zwei Stränge nicht zusammen. Zumindest nicht direkt. Am Ende schwenkt Murakami sogar seinen Blickwinkel und offenbart, wo Marie war, als sie als verschwunden galt. Auch hier wird die direkte Verbindung ihrer Ereignisse mit denen des Malers nicht richtig klar. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Seiten sich einfach nicht schön lesen. Zum einen unterbricht der Maler die Erzählung Maries und reißt einen immer wieder aus den ohnehin mäßig spannenden Geschehnissen heraus. Zum anderen nimmt Maries Obsession – und offenbar auch die Murakamis – mit ihren nicht wachsenden Brüsten und den Brustwarzen anderer überhand. Letztlich, als hätte Murakami selber auch keine richtige Lust mehr weiterzuschreiben, kommt das Ende abrupt und mäßig glaubwürdig daher.

Der erste Band ließ sich schwer bewerten ohne den zweiten zu kennen, hat aber trotz einiger Längen absolut überzeugt. Band 2 lässt sich wiederrum schwer bewerten ohne den Vorgänger ins Gewicht zu bringen.
Die Ermordung des Commendatore II – Eine Metapher wandelt sich“ hat dieselben Qualitäten des Vorgängers. Dieselbe Sprache, die einfach aber prägnant ist, und dieselbe mystische Atmosphäre, die vor Phantastik strotzt und dennoch beinahe normal erscheint. Für sich selbst genommen schwächelt Band 2 gegenüber dem Vorgänger nur durch die reduzierten Dialoge, die teilweise nicht zusammenlaufenden Erzählstränge und dem abrupten Ende. Bleibt aber weiterhin ein sehr gutes, lesenswertes Buch.
Als Gesamtwerk genommen – was es zweifelsfrei ist – ist es durchaus anstrengend das Ende zu erreichen, was aber auch nicht ganz untypisch für Murakamis Werke ist. Einige inhaltliche Wiederholungen weniger hätten für eine angenehmere Straffheit gesorgt und ein Protagonist, der nicht gänzlich gefühlslos gegenüber seinem Umfeld ist, hätte ebenso gutgetan. Bei all der unerklärlichen Mystik, wären einige Offenbarungen nett gewesen. Besonders Menshiki bleibt eine undurchschaubare Figur, die am Ende mit einigen Anspielungen noch mystifiziert wird, letztlich aber nie erklärt werden soll.


Fazit

Die Ermordung des Commendatore II – Eine Metapher wandelt sich“ setzt sie Geschichte in identischer Qualität fort, lässt aber einige Dialoge oder inhaltliche Wendungen vermissen, die das Lesen ein wenig aufgelockert hätten. Wer mit dem ersten Band bereits zu kämpfen hatte, wird es nicht leichter haben. Die schiere Menge an Metaphern und das abrupte Ende, das nicht alle Stränge zufriedenstellend zusammenführt, sind klassisch für einen Murakami, aber auch nicht jedermanns Sache.


Pro und Contra

+ einmalige Art zu erzählen
+ wunderbar lebendige Figuren
+ viele mysteriöse Geschehnisse
+ Buchgestaltung
+ ein echter Murakami

- teures Vergnügen
- nicht alles schlüssig zusammengeführt
- manch eine Länge mehr als im Vorgänger
- abruptes Ende

Wertung:sterne4

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3,5/5


Rezension zu Die Ermordung des Commendatore I - Eine Idee erscheint (1)

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Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 04. Juli 2018
 

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