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Bürgerkrieg – Vom Wesen innerstaatlicher Konflikte (David Armitage)
Geschrieben von Swantje
Dienstag, der 04. Dezember 2018

Klett-Cotta (2018)
Originaltitel: Civil Wars. A History in Ideas
Übersetzer: Sebastian Vogel
Hardcover
391 Seiten, 25,00 EUR
ISBN: 978-3-608-96216-1

Genre: Sachbuch


Klappentext

Vom Balkan über Afghanistan, den Irak oder Südsudan bis hin zu den aktuellen Ereignissen in Syrien und der Ukraine: Der Bürgerkrieg ist zur vorherrschenden Form politischer Gewalt in unserer modernen Welt geworden. Was genau meinen wir aber, wenn wir von Bürgerkrieg sprechen? Und wer entscheidet darüber, wann eine Auseinandersetzung zum Bürgerkrieg wird? Innerstaatliche Konflikte, asymmetrische Kriegsführung, Rebellion und Revolution bezeichnen gewaltsame Ausbrüche im Inneren eines Landes – doch die begrifflichen und faktischen Grenzen verschwimmen. Armitage zeigt anhand historischer Beispiele auf, dass der Bürgerkrieg in unserer Gegenwart seine Blütezeit erfährt. Seine einzigartige Perspektive auf die Ursprünge und spezifischen Dynamiken des Phänomens verdeutlicht, dass allein die Benennung eines Konflikts als Bürgerkrieg dessen Ausgang beeinflussen kann.


Rezension

In David Armitages „Bürgerkrieg“ geht es weniger um die Menschen, die sich in solchen Konflikten gegenüberstehen, als vielmehr jene, die versuchen, Konflikte innerhalb eines Landes zu definieren, zu erklären und zu deuten. Vor allem der Definition kommt hierbei eine wichtige Rolle zu. Armitage bewegt sich mit großen Schritten durch die Geschichte. Zuerst konzentriert er sich aufs antike Rom, wo der Begriff des Bürgerkriegs, der so in zahlreiche Sprachen übernommen wurde, seinen Ursprung hat, und erklärt, wie Historiker wie Thukydides, Cicero oder Lucan die Bezeichnung Bürgerkrieg nutzten (oder bewusst vermieden) und welche Erklärungen sie für diese fanden.

Das vergleichsweise ausführliche Verweilen bei der römischen Geschichte erklärt sich auch daraus, dass die Staatsphilosophen und Juristen, die sich in der Neuzeit mit dem Phänomen des Bürgerkriegs beschäftigen, mit den klassischen Autoren vertraut waren und auf deren Terminologien zurückgriffen, aber auch unter dem Eindruck der spezifischen Kämpfe ihrer Zeit neue Aspekte hinzufügten. Sowohl Thomas Hobbes, der in der unangefochtenen Herrschaft eines „Leviathan“ (eines klaren Herrscher(gremiums) mit Gewaltmonopol) den einzigen Ausweg aus dem Krieg aller gegen alle sah, als auch Algernon Sidney, der überzeugt war, dass nicht monarchisch regierte Gemeinwesen besser gegen innere Kriege gewappnet seien, konnten sich auf antike Autoren berufen, die ihre Meinung teilten. Im achtzehnten Jahrhundert kam das optimistische Narrativ der Revolution hinzu, dessen Vertreter deren Gemeinsamkeiten mit Bürgerkriegen nach Möglichkeit unter den Teppich kehrten.

Doch Autor*innen aller Zeiten, einschließlich der Gegenwart, rangen damit, eine verbindliche Definition für einen Bürgerkrieg zu finden und diesen von Rebellion, Revolution, Sezessionskrieg, Bundesgenossenkrieg, etc. abzugrenzen. Oft war die Frage nach der Unterscheidung eine zutiefst politische, so wollten z.B. einige Vertreter der Südstaaten ihren Kampf gegen die US-Regierung nicht als „Bürgerkrieg“ bezeichnet sehen, weil ihr Anspruch ja gerade der war, nicht länger Bürger der USA zu sein.

Und genau diese politische und später vor allem legale Aufladung des Begriffs Bürgerkrieg ist der Grund, wieso die Frage nach seiner Definition so heiß diskutiert und relevant ist, denn die Bezeichnung entscheidet darüber, ob andere Staaten zur Intervention berechtigt sind. Dennoch dürfte genau dieser Fokus auf Problemen der legalen Definition und Geschichtsschreibung Leser*innen, die eher an greifbarerer Geschichte von Personen und Nationen interessiert sind, womöglich enttäuschen. Die Konflikte, vor deren Hintergrund die Definitionsbemühungen der verschiedenen vorgestellten Autor*innen stattfanden, werden nur grob umrissen und manchmal nicht einmal das. Auch die aktuellen Bezüge, die im Klappentext angedeutet werden, kommen sehr kurz. Mit etwa 270 Seiten reinem Text (der Rest sind Anmerkungen und Quellenangaben) ist „Bürgerkrieg“ eine recht kurze Übersicht über einen langen Zeitraum, die auch Einblick in den Wandel von Kulturen, Rechtsvorstellungen und der Natur von Staaten gibt. Ein paar englische Ausdrücke scheinen etwas zu wörtlich übersetzt worden sein, aber eine schnelle, mühelose Lektüre ist trotzdem möglich.


Fazit

David Armitage schreibt über das manchmal etwas hilflose Bemühen von Menschen in zwei Jahrtausenden, das „Wesen innerstaatlicher Konflikte“ zu beschreiben – und über die politischen und legalen Konsequenzen ihrer Definitionen und Erklärungsmodelle. „Bürgerkrieg“ ist ein leicht zu lesender Überblick mit einigen interessanten Aspekten, der mich jedoch mit der Frage zurückgelassen hat, ob eine andere Schwerpunktsetzung oder eine genauere Betrachtung einer bestimmten Zeit, vielleicht sogar der Gegenwart, nicht ergiebiger gewesen wäre.


Pro und Contra

+ für Laien verständlich
+ Überblick
+ Stichwortverzeichnis am Ende

o nahezu komplette Beschränkung auf Rechts- und Ideengeschichte
o „Vogelperspektive“, deckt viele Zeiträume nicht sehr ausführlich ab

- im Klappentext angedeuteter Bezug auf aktuelle Konflikte fällt eher spärlich aus
- teilweise wären ein paar mehr Details zu konkreten historischen Ereignissen nett gewesen
- eine ganze Reihe interessanter Fragen wird nicht gestellt

Wertung:

Lesespaß: 3,5/5
Informationsgehalt: 3,5/5
Aktualität: 3,5/5
Verständlichkeit: 4/5
Preis/Leistung: 3,5/5

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 04. Dezember 2018
 

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