Dienstag, 17. September 2019

Gewinnspiel

Phantast (Download)

phantast21 weltenschoepferinnen

Neueste Kommentare

Sehr interessant
Ich habe eine frage zu dem Buch die sabrina hat die eigendlich denn max von der strasse geschupst ...

Weiterlesen...

Ich bin begeistert von Ihren Arbeiten als Kabarettists und Autor. Immer weiter so.
Hallo Jeronimus :) Ich habe die dunkle Edition gehört. Ich meine zu wissen, dass sich die zwei Editionen ...

Weiterlesen...

Hey Sniffu, ich gebe dir absolut recht. Vielleicht hätte ich die Hörbuchfassung erwähnen sollen. ABER ...

Weiterlesen...

Alex Kühnert (30.12.2018)
Geschrieben von Judith
Sonntag, der 30. Dezember 2018

Interview mit Alex Kühnert

alex kuehnertLiteratopia: Hallo, Alex! Mit „Die Essenz der Magie“ erscheint 2019 der erste Band Deiner magischen Fantasyreihe „Nekkiri“. Was erwartet die Leser?

Alex Kühnert: Meine Leser dürfen sich auf eine eigenständige Fantasy-Welt freuen, mit fantastischen Wesen, vielfältigen Charakteren, wunderschönen und schaurigen Orten und mit Magie, jeder Menge Magie. Es gibt eine packende Geschichte mit vielen Geheimnissen, die gelüftet werden wollen, gewürzt mit traurigen und düsteren Momenten, aber auch mit fröhlichen und erhebenden.

Für die Titelfigur, die junge Magierin Nekkiri, geht es zunächst nur darum, ihrer Mutter zu helfen, die unter undurchsichtigen Umständen festgenommen wurde. Aber nach und nach muss Nekkiri erkennen, wie sie in etwas sehr viel Größeres hineingezogen wird, mit ungeahnten Folgen, nicht nur für ihr eigenes Leben.

Und hatte ich schon erwähnt, dass es Magie geben wird? Sehr viel Magie!

Literatopia: Was für ein Mensch ist Nekkiri?

Alex Kühnert: Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Nekkiri ist zwar menschlich, aber wenn man es ganz genau nimmt, ist sie eine Kirin. Die Kiren sind eine Fantasy-Rasse, die auf dem Kontinent Kintar lebt, der von Wüste, Savanne und Dschungel geprägt ist. Die Besonderheit der Kiren besteht darin, dass ihre Haut eine gewisse Resistenz gegen allzu große Hitze und Kälte besitzt. Dadurch machen den Kiren die heißen Tagen und kühlen Nächte in Kintar nur wenig aus. Andere Rassen, die auf den Kontinent kommen, haben es da etwas schwerer.

Nekkiri selbst ist ein 17-jähriges Mädchen, das in der großen Savannenstadt Kukamar aufgewachsen ist. Sie ist klug, einfallsreich und hartnäckig, manchmal aber auch arg eigensinnig, was ihr in der Geschichte reichlich Ärger einbringen wird. Ihre größte Angst ist, dass sie ihre Mutter verlieren könnte, nachdem ihr Vater schon vor vielen Jahren gestorben ist und ihre älteren Geschwister längst in die weite Welt hinausgezogen sind. Am Anfang der Geschichte steht Nekkiri unmittelbar vor dem Ende ihrer Ausbildung zur Beschwörungsmagierin. Alles, was sie dafür noch tun muss, ist ihre praktische Magierprüfung abzulegen. Aber die läuft nicht ganz so glatt wie erhofft.

Literatopia: Und woher stammt Nekkiris außergewöhnlicher Name?

Alex Kühnert: Auch da muss ich kurz ausholen. Meine ursprüngliche Idee war, dass ich für die Kiren eine eigene Sprache entwickle. Nicht so detailliert und komplex, wie das Tolkien für Mittelerde gemacht hat, aber detailliert genug, damit ich die Namen meiner Charaktere und Städte daraus ziehen kann. Aber nachdem ich schon mehrere Wochen in die Idee investiert hatte, war ich noch nicht mal ansatzweise so weit, wie ich mir erhofft hatte. Also habe ich die Idee mit der eigenen Sprache aufgegeben. Aber die Vorarbeit, die ich bis dahin geleistet hatte, habe ich als Sprachmuster für meine Welt benutzt und daraus eine lange Liste an möglichen Charakter- und Ortsnamen erstellt. Wichtig war mir, dass zum Beispiel die Vor- und Nachnamen meiner Charaktere dabei auch nach echten Namen klingen und man sich nicht die Zunge daran verknotet.

Nekkiris Name – vollständig heißt sie Nekkiri Mereni – hat in der Anfangsphase meines Romans mehrere Wandlungen durchgemacht, und Nekkiri ist der Name, der sich am Ende für mich richtig angefühlt hat. Die harten Ks in der Mitte bringen eine gewisse Stärke mit sich, eine Hartnäckigkeit und Ausdauer, die Nekkiri auszeichnet. Gleichzeitig hat das sanfte -kiri am Namensende etwas Unschuldiges an sich, eine Art Naivität, die für eine junge Frau, die sich erst noch der großen, weiten Welt stellen muss, in meinen Augen passend ist.

Nekkiri - Die Essenz der MagieLiteratopia: Wer unterstützt Nekkiri auf ihrem Weg? Findet sie Verbündete? Und wer sind ihre Gegenspieler?

Alex Kühnert: Nekkiri wird auf ihrem Weg auf mehrere Leute stoßen, die ihr helfen werden, aber natürlich auch einige, die sich ihr in den Weg stellen. Ein Verbündeter ist zum Beispiel Fanulu, der Lebensgefährte ihrer Mutter, der ein verständliches Interesse daran hat, Nekkiri bei der Suche nach ihrer Mutter zu helfen.

Ihr größter Gegenspieler ist Kerus, ein Vollstrecker des Hauptstadttempels. Vollstrecker sind speziell ausgebildete Kampfmagier mit Zugriff auf zusätzliche Magiearten. Sie werden eingesetzt, um für den Tempel besonders schwierige Aufträge zu erfüllen. Nekkiri und Kerus werden im Laufe der Geschichte immer wieder aneinandergeraten. Aber es wird auch die ein oder andere Person geben, bei der sich Nekkiri zunächst nicht sicher ist, ob sie ein Verbündeter oder Gegner ist. Sie muss also vorsichtig sein, wem sie vertraut und wem nicht.

Literatopia: Was hat es mit den träumenden Göttern und den heiligen Pflanzen von Kintar auf sich?

Alex Kühnert: Die Götter des Kontinents Kintar sind die sechs Träumer. Jeder der Träumer repräsentiert einen anderen Aspekt der Welt. So ist Kes zum Beispiel die Träumerin des Lebens. Sie gilt als Schöpferin aller Pflanzen und Tiere und natürlich auch der Kiren selbst. Gemeinsam schlafen die sechs Träumer den Endlosen Schlaf und träumen dabei den Ewigen Traum. Und dieser Traum ist nichts anderes als die Existenz der Welt. Solange die Träumer schlafen und von der Welt träumen, solange existiert sie. Sollte aber nur einer der Träumer aufwachen, könnte das verheerende Folgen für Kintar haben.

Die heiligen Pflanzen, auch Essenzwächter genannt, sind die Quelle der Magie in meiner Welt. Es sind riesige, denke Pflanzenwesen, die mit den Träumern in Verbindung stehen. Jeder Essenzwächter ist in seinem Aussehen und Wesen einzigartig, aber an allen wachsen die sogenannten Essenzfrüchte. Diese Früchte werden geerntet und ihr Saft – die Essenz – ausgepresst. Nimmt man die Essenz ein, kann man damit eine bestimmte Magie wirken. Genau wie die Essenzwächter einzigartig sind, ist auch ihre jeweilige Magieart einzigartig. Der Essenzwächter in Nekkiris Heimatstadt zum Beispiel nennt sich Em Kasna und die Essenz in seinen Früchten ist Beschwörungsessenz. Mit dieser Essenz lassen sich Tiere beschwören, die für ihren Meister dann Aufgaben erledigen, etwa gegen einen Feind kämpfen. Das bedeutet natürlich auch, dass derjenige, der die Essenzwächter kontrolliert, über sehr große Macht verfügt. Und da die Essenzwächter trotz langer Lebenszeit auch sterben können, während irgendwo in der Wildnis vielleicht ein neuer Wächter mit neuer Magie wächst, gibt es hin und wieder Machtkämpfe um diese Wächter.

Literatopia: „Nekkiri“ soll eine Brücke zwischen klassischer Fantasy-Literatur und moderner Schreibkultur schlagen – wie ist das gemeint? Was ist für Dich „modern“?

Alex Kühnert: Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten, ohne dabei in Tausende von Details abzugleiten, welche Aspekte der Fantasy mir persönlich gefallen und welche nicht. Jeder Leser hat hier seine eigenen Vorlieben und ich habe meinen Roman natürlich danach gestaltet, was ich gerne lesen würde. Und das ist eine epische Fantasy-Geschichte, in der es um höhere Mächte geht, die in Konflikt geraten. Und in diesen Konflikt müssen dann einfache Leute eingreifen, um ihn zu lösen. Das ist das, was ich unter klassischer, epischer Fantasy verstehe, Geschichten wie »Der Herr der Ringe«, die Shannara-Reihe und dergleichen.

Mit „modern“ meine ich, dass es – zumindest für mein Empfinden – in den letzten 20 Jahren eine stärkere Hinwendung zur kleineren, persönlicheren Geschichten gegeben hat, in denen das Schicksal der Figuren im Vordergrund steht und nicht das der Welt. Das macht sich auch in der Erzählweise bemerkbar, die von einer eher distanzierten Position des Erzählers tief in die Köpfe und Gedanken der Figuren abtaucht. Und auch das gefällt mir sehr gut, auch wenn ich dabei das Gefühl habe, dass die Welt in diesen persönlicheren Geschichten manchmal klein und beschränkt ist; dass sie kaum über die Wahrnehmung der Figuren hinausgeht, was ich etwas schade finde. Und ich wollte gern beides verbinden: eine Geschichte erzählen, wo das persönliche, private Schicksal der Figuren untrennbar mit dem größeren Schicksal der Welt verwoben ist. Wo die Charaktere merken, dass ihre eigenen, kleinen Entscheidungen weitreichende Konsequenzen für alle anderen haben werden. Und in dieser Zwickmühle müssen sie die richtige Balance zwischen ihren individuellen Bedürfnissen und dem Kampf für ein höheres Ziel finden. Was auch für mich als Autor eine Herausforderung ist, aber ich denke, es ist mir sehr gut gelungen.

Literatopia: Wie behältst Du in Deiner Fantasywelt mit all ihren Schauplätzen und Charakteren den Überblick? Hast Du umfassende Notizen angelegt oder hast Du alles im Kopf?

Alex Kühnert: Sowohl als auch. Bevor ich mit dem Schreiben begonnen habe, habe ich über mehrere Jahre hinweg handschriftliche Notizen mit Ideen gesammelt. Wie die Welt aussehen könnte, was interessante Figuren wären, welche Geschichten ich erzählen kann. Und diese Notizen habe ich dann irgendwann sortiert und nach und nach zu einem Bild zusammengefügt. Als ich an den ersten Kapiteln geschrieben habe, hatte ich noch kein klares Ziel für meine Geschichte. Da habe ich herumprobiert, welche meiner Ideen gut zusammenpassen, damit die Welt einheitlich und plausibel ist. Dafür musste ich die ersten Kapitel mehrmals überarbeiten, aber nach und nach hat sich daraus die größere Geschichte herausgeschält, die ich erzählen will, mit den Figuren, die darin die Hauptrolle spielen. Interessanterweise sind einige der Figuren, die in späteren Teilen des Romans auftauchen, erst während des Schreibens entstanden, bedingt durch die Richtung der Geschichte und den eingeschlagenen Pfad meiner Hauptfiguren.

Der Großteil an Notizen, die ich im Moment noch habe, dreht sich darum, wie die Geschichte in Band 2 weitergeht und in Band 3 endet. Was die Fakten über die Welt und die Charaktere angeht, die habe ich fast alle im Kopf. Wenn man mehrere Jahre an so einem Projekt arbeitet und zigmal mögliche Ideen in Gedanken hin und her schiebt, bis man sich für eine Variante entscheidet, brennt sich einem vieles davon zwangsläufig ins Gedächtnis. Die schwerste Hürde war, erst einmal den ersten Band zu schreiben und Welt, Figuren und Geschichte zu erschaffen. Jetzt, wo alles steht, ist der Weg für Band 2 und 3 sehr viel klarer und deutlicher, vor allem da ich genau weiß, wie die Geschichte ausgeht.

Literatopia: Vermutlich arbeitest Du schon am zweiten oder gar dritten „Nekkiri“-Band? Kannst Du uns schon etwas darüber verraten, wie sich die Reihe entwickelt?

Alex Kühnert: Da möchte ich natürlich nicht zu viel spoilern. Aber wer den ersten Band aufmerksam liest, vor allem die letzten Kapitel, wird zweifellos erkennen, wohin die Reise im nächsten Teil geht. Und wer nach dem Lesen des ersten Bandes glaubt, dass Nekkiri da schon einiges durchmachen musste, der hat keine Vorstellung, was noch auf sie zukommt.

Das Schwierigste war, den ersten Band so zu schreiben, dass er bereits den Grundstein für Band 2 und 3 mit legt. Viele Elemente und Dinge, die im ersten Band auftauchen, haben für die Trilogie eine viel größere Bedeutung, als es zunächst den Anschein hat, sowohl für die Charaktere als auch meine Leser. Etwas, das ich in Büchern liebe, sind Aha-Momente, wenn sich plötzlich vorher etablierte Dinge auf ungeahnte Weise zusammenfügen. Und ich habe versucht, solche Momente auch in meine gesamte Trilogie einzubauen. Man darf gespannt sein.

juenger der finsternisLiteratopia: Mit „Die Jünger der Finsternis“ hast Du bereits eine Story zur Reihe „Einsamer Wolf“ geschrieben. Wovon handelt Deine Geschichte? Und wie hast Du Dich in dem Setting zurechtgefunden?

Alex Kühnert: Die Welt von „Einsamer Wolf“ wurde von Joe Dever als Rollenspiel-Welt erschaffen. In dieser Welt erzählt er die Geschichte des Kriegers Einsamer Wolf, der gegen die Mächte der Finsternis kämpft. Allerdings tut Joe Dever das in Form von Solo-Spielbüchern. Hier schlüpft man selbst in die Rolle des Einsamen Wolfs und kann entscheiden, welchen Verlauf die Handlung nimmt. Ich bin mit Einsamer Wolf groß geworden und Spielbücher haben mich als Jugendlichen sehr geprägt. Daher kenne ich mich in der Welt von Einsamer Wolf sehr gut aus, was auch dazu geführt hat, dass ich für den Mantikore-Verlag federführend die Übersetzung der Neuauflage der Reihe übernommen habe.

Dabei ist auch „Die Jünger der Finsternis“ entstanden, ein Mini-Spielbuch, in dem man in die Rolle der angehenden Druidin Tessa schlüpft. Sie hat den Auftrag, den jugendlichen Sohn des Ordensobersten in die Finsteren Länder zu eskortieren, wo man das karge Land wieder fruchtbar machen will. Das läuft natürlich nicht ganz glatt und Tessa muss alles versuchen, um ihren Schützling zu retten.

Wem „Die Jünger der Finsternis“ gefällt, der kann auch einen Blick in „Die Neuen Kai-Krieger 2 – Die Piraten von Shadaki“ sowie „Greystar 2 – Die Verbotene Stadt“ werfen, wo ich ebenfalls je ein Spielbuch-Abenteuer beigesteuert habe. Auch das 2019 erscheinende „Greystar 3 – Hinter dem Schattentor“ wird ein Abenteuer von mir enthalten.

Literatopia: Du warst bereits als Kind begeistert von phantastischen Geschichten. Was hast Du damals gerne gelesen? Und was liest Du heute?

Alex Kühnert: Angefangen habe ich tatsächlich mit Spielbüchern, seit ich damals nach einem Umzug »Einsamer Wolf 4« in der Stadtbibliothek entdeckt habe. Spielbücher sind dann ein steter Begleiter in meiner Jugend gewesen, allen voran Einsamer Wolf, Fighting Fantasy und Sagaland. Letzteres habe ich unter dem Titel „Fabled Lands – Legenden von Harkuna“ übrigens auch für den Mantikore-Verlag neu übersetzt. Mein erster Fantasy-Roman war „Das Schwert von Shannara“ von Terry Brooks. Zu dem Zeitpunkt kannte ich noch keine Fantasy dieser Art. Ich habe danach alle Shannara-Romane verschlungen, bis ich Terry Brooks eingeholt hatte. Dann musste ich mich nach anderen Sachen umsehen. Das waren „Das Schwert der Wahrheit“ von Terry Goodkind, die „Forgotten Realms“-Romane von R. A. Salvatore, „Das Geheimnis der Großen Schwerter“ und „Otherland“ von Tad Williams und „Die Herren der Runen“ von David Farland, mit dem interessantesten Magiesystem, das ich bis dahin gelesen hatte. Gelegentlich mal ein Buch von Stephen King, vorwiegend aber wegen der schaurigen Filme, die ich als 16-Jähriger endlich sehen durfte. Mitte der Neunziger Jahre kamen auch die ersten Star-Wars-Romane auf, die ich begeistert gelesen habe.

Mein Geschmack hat sich dann etwas geändert, als ich den ersten »Weitseher«-Roman von Robin Hobb gelesen habe. Das war der Punkt, wo die persönlichen Sorgen und Probleme der Charaktere für mich mindestens genauso interessant wurden wie die größere Geschichte drumherum. Von da an habe ich lesetechnisch weiter gestreut und auch vermehrt Einzelromane gelesen. Dennoch sind es weiterhin Reihen wie Hobbs „Die Zauberschiffe“ oder Lynn Flewellings „Schattengilde«“gewesen, die den bleibendsten Eindruck hinterlassen haben. In den letzten Jahren habe ich auch Brandon Sandersons Werke für mich entdeckt und gleichzeitig versucht, alte Klassiker nachzuholen, etwa die „Erdsee“-Romane von Ursula Le Guin.

Interessanterweise lese ich inzwischen sehr viel weniger Fantasy als früher. Über die Jahre haben sich immer mehr Sachbücher zum Thema Schreiben in meine Regale geschlichen, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, irgendwann meinen eigenen Roman zu schreiben. Aber ich lese auch sehr viele Bücher zum Thema Psychologie und Philosophie. Dabei reizt mich weniger die Theorie, sondern vielmehr, welche Konsequenzen man daraus für das tägliche Leben und das tägliche Miteinander ziehen kann. Und natürlich hilft es auch beim Schreiben von hoffentlich glaubwürdigen Charakteren weiter.

Im Moment lese ich „The Righteous Mind“ von Jonathan Haidt, wo es darum geht, warum wir uns so sehr in ideologischen Ideen verbeißen können und so unerschütterlich daran festhalten. Gleichzeitig lese ich die Westmark-Trilogie von Lloyd Alexander: leichtfüßige Fantasy, die vom Schauplatz her an das Europa während der Aufklärung erinnert und wo es um einen Setzerjungen geht, der unfreiwillig in politische Machenschaften hineingezogen wird, mit Liebesgeschichte und allem.

Literatopia: Inwiefern haben Dir Deine Erfahrungen als Übersetzer und Lektor für Spielbücher beim Schreiben eigener Werke geholfen?

Alex Kühnert: Da gibt es viele Erkenntnisse, die man aus dem einen ins andere übernehmen kann, aber ich werde mal versuchen, ein paar interessante herauszupicken. Eine Sache, die man als Übersetzer machen muss, ist sich in die Gedankenwelt des Autors hineinzuversetzen. Warum hat er das, was er geschrieben hat, so geschrieben, wie er es geschrieben hat? Welche Bedeutung und Wirkung hat ein Satz über das Offensichtliche hinaus? Wie leitet er nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich vom vorherigen Satz zum nächsten über? Warum hat der Autor genau dieses Wort gewählt und nicht ein anderes? Das sind Dinge, über die man sich beim Übersetzen zwangsläufig Gedanken machen muss und die natürlich nicht ohne Folgen für das eigene Sprach- und Schreibempfinden bleiben. Die Bücher verschiedener Autoren zu übersetzen, nicht nur Spielbücher, sondern auch Romane, ist eine tolle Möglichkeit, sich gezielt mit solchen Überlegungen auseinanderzusetzen und bewusst sein eigenes Schreiben zu verbessern.

Ein Aspekt, wie speziell Spielbücher mein Schreiben, aber auch mein Lesen beeinflusst haben, betrifft die Erzähldynamik. Die meisten Spielbücher sind sehr damit beschäftigt, allzu distanzierte Erzählabschnitte, in denen der Leser nicht aktiv in die Handlung eingreifen kann, zu vermeiden. Was dem Charakter passiert wird relativ zügig abgehandelt, um sich auf die Handlungselemente zu konzentrieren, wo der Charakter aktiv eingreifen kann. Ich denke, dass hat einen sehr großen Einfluss auf meine Herangehensweise an meinen ersten Roman gehabt. Ich bin bestrebt, jede Szene so zu gestalten, dass die Figur, in deren Kopf wir gerade sind, so aktiv wie möglich in dieser Szene agieren kann. Es ist eine Frage, die ich mir ständig stelle: Wie kann ich diese Szene so gestalten, dass ich den Charakter aktiv zu Überlegungen und Handlungen zwingen kann, um diese Szene so dynamisch wie möglich zu machen. Das gilt sowohl für Dialoge aus auch Action-Sequenzen. Wenn man in einem Spielbuch eine Action-Szene schreibt, muss man dem Leser immer mehrere Handlungsmöglichkeiten anbieten, wie er agieren möchte. Das heißt, man muss sich als Autor den Kopf darüber zerbrechen, welche sinnvollen Dinge der Spieler hier alle versuchen könnte und was jeweils die Konsequenzen oder mögliche Folgeaktionen sein können. Das heißt, ich überlege beim Schreiben immer: Was ist der interessanteste Pfad aller möglichen Pfade, den der Charakter in dieser Szene einschlagen kann, um die Szene so unterhaltsam und spannend wie möglich zu machen, natürlich alles im Rahmen der Glaubwürdigkeit und immer mit der Persönlichkeit der Figur im Hinterkopf.

Literatopia: Im Netz findet man relativ wenige Informationen zu Dir als Autor. Woran liegt das? Bleibst Du gerne im Hintergrund?

Alex Kühnert: Das liegt vor allem daran, dass ich bisher eher im Hintergrund als Übersetzer gearbeitet habe und sich meine Autorentätigkeit auf vereinzelte Mini-Abenteuer als Bonus für andere Spielbücher beschränkt hat. Die eingefleischten Einsamer-Wolf-Fans haben mich bei der ein oder anderen Messe oder Con sicher schon getroffen, aber ansonsten findet 95% meiner Arbeit in einem einsamen Raum an einem Rechner statt, vielleicht mit etwas Musik im Hintergrund, was ich aber als sehr angenehm empfinde. Für die Veröffentlichung meines Romans werde ich mich in Zukunft natürlich etwas präsenter zeigen, mit Homepage und allem. Da hänge ich im Moment zu meiner Schande noch etwas hinterher.

Literatopia: Herzlichen Dank für das Interview!

 

alex kuehnert2

 


Autorenfotos: Copyright by Alex Kühnert


Dieses Interview wurde von Judith Madera für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 30. Dezember 2018
 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren