Mittwoch, 18. September 2019

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Der Atem einer anderen Welt (Seanan McGuire)
Geschrieben von Swantje
Donnerstag, der 24. Januar 2019

Fischer Tor (Februar 2019)
Originaltitel: Every Heart a Doorway, Down among the Sticks and Bones, Beneath the Sugar Sky
Übersetzerin: Ilse Layer
Hardcover
462 Seiten, 19,99 EUR
ISBN: 978-3-596-29884-6

Genre: Urban Fantasy


Klappentext

„Eleanor Wests Haus für Kinder auf Abwegen“ ist ein ganz besonderes Internat. Hier werden Jungen und Mädchen unterrichtet, die einmal in einem Kleiderschrank oder hinter einem Gebüsch im Garten das Tor zu anderen Welten entdeckt haben: Welten voller Magie, voller Nonsens und Poesie. Aber egal, ob sie die stillen Hallen der Toten besucht haben oder eines der bunten chaotischen Zauberländer, in denen man auf einem Regenbogen Schlittschuh laufen konnte: Sie alle mussten ihre Heimat irgendwann verlassen. Und sie alle sehnen sich nach jener anderen, besseren Welt und fragen sich. Gibt es einen Weg zurück?


Rezension

„Der Atem einer anderen Welt“ ist ein Sammelband, der drei Novellen umfasst. Sie alle kreisen um Jugendliche, die sich nach einer anderen Welt sehnen, die sie gefunden und verloren haben. In dem Internat „Eleanor Wests Haus für Kinder auf Abwegen“ sie einen Ort, wo sie offen über ihre Erfahrungen sprechen können, denn die Schulleiterin hat das Gleiche erlebt.

In der ersten Novelle, „Der Atem einer anderen Welt“ steht Nancy im Zentrum. Das stille, intelligente Mädchen konnte in dieser hektischen Welt nie heimisch zu werden und hat in den Hallen der Toten ein Zuhause gefunden, in dem auch niemand von ihr erwartete, sich für ihre Asexualität zu rechtfertigen. Sie ist nicht die einzige, die eine Außenseiterin war, schon bevor sie durch eine Erfahrung, die ihr niemand glaubt, isoliert wurde: In Eleanors Internat trifft sie auf den geschickten, verantwortungsvollen Kade, dessen Eltern immer noch ihre Tochter in ihm sehen und seine Geschlechtsidentität nicht akzeptieren können.

Auch Jack und Jill, die von frühester Kindheit an Rollen erfüllen mussten, die ihnen nicht entsprachen, Cora, die wegen ihres Gewichts gemobbt wurde, oder Christopher, dessen Mitschüler*innen sich über seine mexikanische Herkunft lustig machten, hatten guten Grund, sich nach einer Welt zu sehen, in der sie sein konnten, wie sie waren. Insgesamt transportieren die drei Novellen eine starke Botschaft gegen Diskriminierung und den Versuch, Menschen zu etwas umzuformen, das sie nicht sind.

Nancy findet sich allmählich an der Schule zurecht. Nach und nach erfährt man mehr über den Weltentwurf und aus Andeutungen und Erinnerungen der Figuren auch einiges über die Welten, die parallel zu unserer existieren – fantastische kleine Universen, die mal starren Regeln gehorchen, mal fröhlich-chaotisch sind. Sie alle haben ihre dunklen und gefährlichen Seiten, aber das ändert nichts an der Sehnsucht, mit der Eleanor Wests Schüler*innen an sie zurückdenken. Und einige von ihnen haben etwas von der geheimnisvollen Magie mitgebracht, als sie zurückgekehrt sind, wie Christopher, der mit seiner Knochenflöte Skelette tanzen lassen kann.

Nancy lernt auch ihre Mitschüler*innen besser kennen und lässt sich von ihnen ihre Geschichten erzählen. So waren Jack und Jill zum Beispiel in einer Welt, die an einen klassischen Horrorfilm erinnert, mit Vampiren, Werwölfen und einem verrückten Wissenschaftler, die die mal sehr kaltblütige, mal verblüffend aufmerksame und hilfsbereite Jack unter seine Fittiche genommen hat. Als eine Mordserie die Schule erschüttert, ist Jack wegen ihrer Affinität zu Skalpellen und unheimlichen Experimenten die erste Verdächtige, doch Nancy, Kade und Christopher wissen, dass der oder die wahre Schuldige noch nicht gefunden ist.

Die zweite Novelle, „Unter einem roten Mond“ kreist ganz um Jack und Jill, ihre unglückliche Kindheit im Schatten der Erwartungen ihrer Eltern, und darum, wie sie in einer düsteren Fantasywelt unerwartete Stärken und Schwächen in sich entdecken. Obwohl immer noch eine gute Geschichte, reicht „Unter einem roten Mond“ nicht an „Der Atem einer anderen Welt“ heran. Jacks faszinierende Andeutungen über die Welt, in der sie war, waren in mancher Hinsicht geheimnis- und kraftvoller, als eine Geschichte, deren Ende man bereits kennt, noch einmal erzählt zu sehen. Es werden jedoch auch neue Aspekte beleuchtet.

Das letzte Drittel des Buches wird von „Süßer Unsinn“ ausgemacht. Hier ist Cora die zentrale Figur, aber auch Christopher und Kade spielen eine große Rolle. Meist jedoch schmiegt sich die allwissende Erzählerin, die in „Unter einem rotem Mond“ noch mit mehr Distanz zum Geschehen erzählt hat, eng an Coras Perspektive. Diesmal durchreisen die Figuren mehrere Welten und auch hier werden wieder Vorurteile und ihre Konsequenzen thematisiert. Obwohl die Geschichte wieder durch originelle Details und sensibel geschilderte Interaktionen zwischen den Figuren glänzt, ist sie auch sie meiner Meinung nach nicht ganz so gut wie „Der Atem einer anderen Welt“. Dadurch, dass die Novellen immer mehr von den anderen Welten und der „Logik“, der sie folgen, zeigen, verlieren sie ein wenig von ihrer geheimnisvollen Aura.

Die Novellen überzeugen durch eine dichte Atmosphäre und schöne Sprache, die von Ilse Layer weitgehend sehr gekonnt übersetzt wurde. Es irritieren nur Übersetzungen wie „Geschlechtsidentitätsstörung“ oder „Ich-Identität“. Hier und da sind Illustrationen von Rovina Cai eingebunden, die einzelne Szenen einfangen, ohne der Vorstellungskraft von Leser*innen durch zu viele Details zu klare Vorgaben zu machen


Fazit

Auch wenn mich nicht alle drei Novellen gleichermaßen überzeugen konnten, ist „Der Atem einer anderen Welt“ dennoch ein sehr empfehlenswertes Buch, mit einer ganz besonderen Atmosphäre und einfühlsam gezeichneten Charakteren, die sich einem ins Gedächtnis schreiben.


Pro und Contra

+ dichte Atmosphäre
+ poetische Sprache
+ sensibel gezeichnete, einprägsame Figuren
+ spannender Umgang mit bekanntem Portal-Motiv
+ gerade in „Der Atem einer anderen Welt“ faszinierende Andeutungen über die anderen Welten
+ alles in allem sehr gute Übersetzung
+ schön gestaltete Hardcoverausgabe mit Illustrationen

o Novellen in Atmosphäre, Tempo und Thematik sehr verschieden

- Leser von „Der Atem einer anderen Welt“ werden in „Unter einem roten Mond“ nicht so viel Neues finden
- ein paar Wörter sind irritierend übersetzt

Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5


Rezension zu "Winterfluch" (October Daye, Bd. 1)

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Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 24. Januar 2019
 

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