Freitag, 06. Dezember 2019

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Tochter des Meeres. Die Frauen von Troja, Band 2 (Emily Hauser)
Geschrieben von Almut
Montag, der 11. März 2019

hauser tochterdesmeeres

Goldmann 2019
Originaltitel: For the Winner (2017)
Übersetzung von Sonja Hauser
Broschiert, 432 Seiten
€ 12,00 [D] | € 12,40 [A] | CHF 17,90
ISBN 978-3-442-48503-1

Genre: Historischer Roman


Rezension

Zwei griechische antike Mythen bilden den Ausgangspunkt für Emily Hausers Roman Tochter des Meeres, den zweiten Band der Trilogie Die Frauen von Troja. Der erste Mythos, der populärere von beiden, erzählt von Jason und den Argonauten. Es existieren viele Fassungen, aus der vorchristlichen Zeit bis in die Moderne, hinzu kommen Bearbeitungen für das Theater und den Film. Die bekannteste Erzählung der Geschichte, zugleich die älteste geschlossen existierende, stammt aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., die Argonautika des Apollonios von Rhodos. Jason muss im Zuge des Machtkampfes um das Königreich Thessalien in Griechenland das Goldene Vlies des Widders Chrysomallos aus Kolchis beschaffen, eine Art Höllenfahrtkommando. Jason lädt berühmte Helden ein, ihn auf der abenteuerlichen Unternehmung zu begleiten.

Der zweite Mythos ist der von Atalante. König Iasos, der enttäuscht ist, keinen männlichen Erben zu haben, lässt die neugeborene Tochter in den Bergen Kalydons aussetzen, wo sie sterben soll. Artemis lässt sie jedoch von einer Bärin retten. Atalante wächst heran zu einer hervorragenden Jägerin und der schnellsten Läuferin Griechenlands. Sie gelangt zu Ruhm, als sie mit griechischen Helden den kalydonischen Eber erlegt, ein monströses Tier, dass von Artemis zur Bestrafung des Königs Oineus von Kalydon geschickt wurde. Ihr Vater Iasos erkennt sie als Tochter an und will sie verheiraten. Da sie dauerhafte Jungfräulichkeit geschworen hat, fordert sie zur Rettung vor der Ehe, ihr künftiger Gatte müsse sie in einem Wettlauf besiegen.

Hauser erzählt die zwei Mythen in Tochter des Meeres auf moderne Weise und sehr frei nach. Sie hat die beiden Geschichten zu einer umgeschrieben und dieser einen anderen Schluss verpasst. Manches findet sich in einem anderen Zusammenhang wieder, darunter die Eberjagd und der Versuch Atalante zu vergewaltigen. Die Handlung ist auf zwei Ebenen angelegt. Ich-Erzählerin ist Atalante, die die Ereignisse in der Vergangenheitsform vorträgt, während Einschübe aus dem Götterhimmel in der Gegenwartsform und der dritten Person gehalten sind.

Bei Hauser wird Atalante als Baby während des Winters in den Bergen Pelions ausgesetzt und von Bauern aus Kaladrosos gerettet, die sie mit den eigenen Kindern aufziehen. Kaladrosos ist einer von Hausers erfundenen Orten ohne Entsprechung im Mythos. Die Handlung setzt ein, als Atalante 18 Jahre alt ist und von ihren Zieheltern erfährt, dass ihre Herkunft unbekannt ist. Atalante macht sich auf nach Pagasä, wo König Iasos herrscht. Dort erfährt sie, dass sie dessen Tochter ist und muss erneut um ihr Leben fürchten. Sie will ihrem Vater beweisen, dass sie seiner würdig ist. Um dieses Ziel zu erreichen, schließt sie sich zwölf Helden unter Führung des Königsneffen Jason an, die mit der Argo nach Kolchis reisen wollen, auf der Suche nach dem legendären Goldenen Vlies. Jasons Preis für das Vlies soll die Nachfolge von Iasos sein.

Atalante beansprucht insgeheim das Königreich für sich – als legitime Erbin. Sie will das Vlies vor Jason finden. Damit sie überhaupt mitfahren kann, muss sie sich als Mann verkleiden. Sie gibt sich als kretischer Adliger Telamon aus. Die Erzählung ist mit einigen Wendungen versehen, mit Romantik, Abenteuern und Kämpfen. Hauser lotet aus, ob es Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt, wenn es um das Bestehen und sich Bewähren in abenteuerlichen Situationen geht. Sie nimmt einen Vergleich männlicher und weiblicher Führung bis hin zur Konfliktbewältigung vor, fragt, ob Frauen auf andere Weise als Männer Herrschaft ausüben, Handlungen steuern.

Den Kulminationspunkt dabei bildet eine direkte Auseinandersetzung zwischen Jason und Atalante. Jason befindet sich mit Atalante in einer dynamischen Konkurrenzbeziehung. Diesen Vergleich erleichtert sich Hauser, indem sie aus Jason einen unsympathischen Mann macht, arrogant und grausam. Atalante unterscheidet sich von Jason insbesondere, wenn es um Mitgefühl geht. Einmal rettet sie gegen den Befehl Jasons während eines Sturms einem Mann das Leben, der ins Meer fällt. Schon früh wird deutlich, dass ein wichtiges Thema des Romans der freie Wille, die Handlungsmöglichkeiten und die Restriktionen sind, die beiden Grenzen setzen.

Die Götter und Göttinnen lassen es sich natürlich nicht nehmen, von oben die Fahrt der Argonauten zu begleiten und zu kommentieren, Partei zu ergreifen und Einfluss zu nehmen. Dies einerseits aus Langeweile, andererseits als Instrument in der zwischengöttlichen Auseinandersetzung. Zeus begibt sich schnell auf Atalantes Seite, Hera auf Jasons – auch eine Weise, Ehekonflikte auszutragen. Die Göttin des Regenbogens und Götterbotin Heras, Iris, die seinerzeit das Baby ausgesetzt hatte, hat Motive, die nicht ganz klar sind.

Während sich der erste Band der Trilogie wie ein Jugendbuch liest, ist Tochter des Meeres komplexer. Atalante wirkt nicht wie ein Teenager, im Gegensatz zu einigen Figuren aus Tochter des Sturms. Sprachlich ist der Roman anspruchsvoller, wenngleich die Sätze kurz sind, der verwendete Wortschatz relativ gering und die Handlung sehr übersichtlich ist. Auch sind die Götter nicht mehr so kindisch-närrisch, wie dies oftmals im ersten Buch zu beobachten ist.


Fazit

Emily Hauser kombiniert in Tochter des Meeres zwei Mythen aus der griechischen Antike und erzählt sie auf zeitgemäße Weise neu. Die Erzählung ist als Abenteuergeschichte so aufbereitet, dass die Autorin Gender-Fragen zielführend behandeln kann.


Pro und Kontra

+ einfallsreiche Variation der beiden zugrundeliegenden Mythen
+ unterhaltsame Lektüre

Wertung:sterne4

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


Rezension zu Tochter des Sturms

Rezension zu Tochter des Himmels

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 29. April 2019
 

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