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The Children of Men (P.D. James)
Geschrieben von Almut
Montag, der 18. März 2019

james children

Faber & Faber, 2018
Taschenbuch, 352 Seiten
ISBN 978-0-571-34221-1

Genre: Dystopie, Science Fiction

Die Originalfassung erschien zuerst 1992 bei Faber & Faber, die deutsche Übertragung als Im Land der leeren Häuser in 1993 bei Droemer Knaur. Die deutsche Fassung ist derzeit nur antiquarisch erhältlich.


Rezension

P.D. James (3.8.1920-27.11.2014) war eine britische Schriftstellerin und zählte zu den Queens of Crime des englischsprachigen Kriminalromans. Bekannt wurde sie mit Cover Her Face (1962; dt. Ein Spiel zuviel, 1980), dem Beginn ihrer Mystery-Serie mit Commander Adam Dalgliesh von Scotland Yard, der die Hauptfigur in 14 Romanen ist. Sie hat darüber hinaus einige Romane, Short Storys und nicht-fiktionale Werke geschrieben, darunter ihren einzigen Beitrag zur Science Fiction, die langsam und ruhig erzählte Dystopie The Children of Men.

Am 1. Januar 2021 beginnt der fünfzigjährige Theodore Faron, genannt Theo, Doktor der Philosophie und Dozent für viktorianische Geschichte am Merton College der Universität Oxford, mit dem Schreiben eines Tagebuchs. Im Jahr 1995, dem Jahr Omega, wurde die gesamte Menschheit unfruchtbar. Die Kinder der letzten Generation, die 1995 geboren wurde, werden Omegas genannt. Mit Beginn des Tagebuchs sind 26 Jahre vergangen, seit das letzte Kind geboren wurde. Die Menschen haben die Hoffnung längst aufgegeben, dieses existenzielle Problem jemals überwinden zu können.

Theo ist die Hauptfigur des Romans. Die Erzählung wechselt zwischen der dritten und der ersten Person, die sich in Theos Tagebuch äußert, über dessen Einträge ein Teil der Geschehnisse vermittelt wird. Durch das Tagebuch erfahren wir, wie Theo mit seinem Cousin Xan Lyppiatt aufgewachsen ist, dem Diktator und Staatschef, der sich Warden of England nennt. Beide sind hochintelligent und haben sich emotional von der Welt um sie herum verabschiedet. Theos selbstgewählte Isolation ist auch Folge seiner Kindheitserlebnisse, des Todes seines Vaters. Später heiratete Theo Helena. Sie bekamen eine Tochter, Natalie, die durch Theos Schuld versehentlich zu Tode kam. Theo hat weder Frau noch Kind geliebt. Er kann die Vorstellung nicht ertragen, jemand könne von ihm abhängig sein.

Xan wurde durch demokratische Wahlen als Warden eingesetzt. Er hat seitdem keine neuen Wahlen durchgeführt, wobei ihm das auf Null gesunkene Interesse der Menschen an Politik entgegenkommt. Er besitzt die Fähigkeit, Menschen für sich einzunehmen und zu manipulieren. Xan war Colonel in der Armee, bevor er in die Politik ging. Er versprach den Menschen Sicherheit im Chaos und ein angenehmes Leben, weshalb sie ihn wählten. Obwohl er sich zum Despoten entwickelte, genießt er immer noch hohes Ansehen. Er erzählt Theo, er sei der Macht überdrüssig, würde sie aber weiterhin notwendig ausüben. Er tut alles, um sie zu erhalten.

Julian ist ein Mitglied der Widerstandsgruppe Five Fishes (in der deutschen Fassung: Fish), die dafür kämpft, Demokratie und Menschenrechte wiedereinzuführen. Julian ist der einzige Mensch, der Theo erreichen kann. Sie ist mit dem Anführer der Gruppe, Rolf, verheiratet. Anders als ihr Mann, ist sie Idealistin und sieht das Schöne in der Welt. Als Theo erfährt, dass sie schwanger ist, unterstützt er sie, auch gegen Xan. Er hält ihre Ansichten für naiv, überhöht sie aber zugleich. Er öffnet sich ihr langsam, als er sich in sie verliebt.

Das Streben nach Macht, Formen ihrer Ausübung und ihr Erhalt sind ein wichtiger Themenkomplex. Am offensichtlichsten ist dies bei Xan und bei Rolf, der neuer Herrscher in England werden will. Theo, der anfänglich mit Macht nichts zu tun haben will, sogar eine einflussreiche Position an Xans Berater übergibt, entwickelt mit dem Fortschreiten der Erzählung Machtinteresse.

Die Unterbrechung des natürlichen Kreislaufes von Geburt und Tod, die zum Untergang der Menschheit führen könnte, ist ein weiteres wichtiges Thema. Durch die Umkehrung des biblischen Motivs von Alpha und Omega wird dies besonders betont: die beiden Teile des Romans sind mit Omega und Alpha überschrieben. Omega bezeichnet den Beginn des Endes durch die Massenunfruchtbarkeit, Alpha die später einsetzende Möglichkeit eines neuen Anfangs. Auch der Buchtitel, entnommen aus Psalm 90:3 in der King James Bibel (Thou turnest man to destruction; and sayest, Return, ye children of men), spielt hierauf an.

James bildet eine Gesellschaft ab, die obsessiv mit Leben und Tod beschäftigt ist und zeigt, dass Menschen, die dieser Obsession anheimfallen, über die biologische Seite ihres Seins hinausgehend nicht wirklich leben. Die Menschen haben überwiegend die Hoffnung aufgegeben und werden so bestenfalls zu Zynikern, sind an nichts mehr interessiert. Wer noch Hoffnung hat, zieht diese oft aus dem Glauben an Gott. James gelingen einige kraftvolle Bilder: Frauen, frustriert, weil sie keine Kinder bekommen können, taufen Katzenjunge, das Abspielen der Stimmen von Jungen in einer Kapelle führt zum kollektiven Tränenfluss.

Die Regierung sondert Geisteskranke räumlich ab und überlässt sie sich selbst. Heime für ältere Menschen können sich nur Reiche leisten. Von den anderen Alten wird erwartet, dass sie beizeiten Suizid begehen, in regelmäßigen Abständen veranstaltet die Regierung den Quietus, einen Massensuizid als Zwangsveranstaltung für die uneinsichtigen Alten, der für etwas Ablenkung von der Langeweile sorgt und die Belastung in der Sorge um die Älteren verringert. Gerichte existieren noch, es gibt aber keine Geschworenen mehr.

Ausländische Arbeitskräfte werden in das Land geholt und ausgebeutet. Mit spätestens 60 Jahren werden sie ausgewiesen. Investitionen in die Zukunft bleiben sowohl auf kollektiver wie auch individueller Ebene aus. Zweimal im Jahr müssen Frauen unter 45 Jahren sich einer gynäkologischen Zwangsuntersuchung unterziehen, Männer müssen ihr Sperma testen lassen. Da Julian schwanger ist, besteht die Hoffnung, dass die Natur einen Weg findet und nicht alles durch Menschen beherrschbar ist.


Fazit

Die Queen of Crime P.D. James hat mit The Children of Men ihren einzigen Zukunftsroman veröffentlicht. Trotz offensichtlicher kleinerer Mängel, wie gelegentlicher honigsüßer Bilder, ein lesenswertes Buch mit einer düsteren Prämisse und einer ebensolchen Story.


Pro und Kontra

+ gut geschriebene Dystopie
+ intelligente Behandlung des Stoffes

- gelegentlich unpassend melodramatisch
- gegen Ende Abgleiten in die Trivialität

Wertung:sterne3.5

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 18. März 2019
 

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