Sonntag, 16. Juni 2019

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Des Teufels Kopfgeldjäger (Sandra Binder)
Geschrieben von Swantje
Dienstag, der 16. April 2019

Zeilengold (August 2018)
Taschenbuch
400 Seiten, 14,90 EUR
ISBN: 978-3946955139

Genre: Urban Fantasy


Klappentext

Mein Name ist Antonia Stark, ich bin Kopfgeldjägerin des Teufels und ich weiß nicht, ob ich diesen Job überlebe.

Ein paar Vertragsbrüchige in die Hölle überführen hier, ein paar Nephilim auslöschen da. Mein Job könnte so einfach sein, aber nein, neuerdings hat einer dieser verdammten Engel nichts Besseres zu tun, als sich in meinen aktuellen Auftrag einzumischen. Die ganze Zeit redet er davon, dass ich auf dem falschen Weg bin, während mein Chef mich ganz oben auf die Abschussliste gesetzt hat. Höchste Zeit also, meinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, ein paar Leute umzulegen und mich dabei nicht aus Versehen in einen meiner Gegenspieler zu verlieben. Na, wenn es weiter nichts ist …

Ich bin schließlich Antonia Stark, Kopfgeldjägerin des Teufels, und ihr werdet alle brennen!


Rezension

Antonia „Toni“ Stark arbeitet seit 10 Jahren für den Teufel: Mit einem magischen Schwert schickt sie Menschen, die ihre Verträge mit ihm zu brechen versuchen, in die Hölle. Nephilim, die Kinder von Menschen und Engeln, stehen ebenso auf ihrer Abschussliste (die Gründe dafür werden nie erläutert, und es stellt sich auch heraus, dass der Teufel hier nicht ganz konsequent ist). Als Toni den Auftrag bekommt, den Nephilim Nikolaj zu jagen, hält sie das zunächst für einen Routineauftrag. Allerdings ist Nikolaj alles andere als leichte Beute und wird obendrein von dem Engel Alek beschützt, der dem Vater des kämpferischen Nephilim einen entsprechenden Schwur geleistet hat. Als Alek Toni zum ersten Mal begegnet, kommen in den beiden jedoch Gefühle auf, mit denen niemand von ihnen gerechnet hat.

Der Teufel beginnt, an Tonis Loyalität zu zweifeln, und beauftragt den selbstbewussten, redefreudigen Kopfgeldjäger Tai damit, sie auszuschalten. Doch Tai geht es wie Alek: Er entwickelt plötzlich Gefühle für den Feind. Und nun haben es die Figuren mit einer Dreiecksgeschichte, Nephilim, die sich nicht länger einfach töten lassen, und der Drohung einer Ewigkeit in der Hölle zu tun. Leider bleiben bei der Handlung ein paar Fragen offen. Zum Beispiel: Warum werden die Nephilim, die systematisch Jagd auf Kopfgeldjäger machen, als die Bösen dargestellt? Anders als die Kopfgeldjäger, welche Nephilim in der Vergangenheit stets unterschiedslos abgeschlachtet haben, haben sie sich ihre Rolle im Leben nicht ausgesucht und es ist nur zu verständlich, dass sie zurückschlagen wollen. Doch nicht nur Toni, sondern auch Alek kritisiert sie dafür. Während einige Bücher durch glaubwürdig und sympathisch motivierte Antagonist*innen stärker werden, gibt es hier eine seltsame moralische Dissonanz dazwischen, wie die Situation durch Figuren und Narrativ bewertet wird, und wie sie für Leser*innen aussieht.

Eine weitere interessante Frage ist die, was Alek und Tai schon nach kürzester Zeit in Toni sehen. Sie soll als sarkastische, mit allen Wassern gewaschene Antiheldin erscheinen und hat angeblich einen furchteinflößenden Ruf. Gleichzeitig vertraut sie binnen kürzester Zeit einem gutaussehenden Fremden, der sie in einer Bar anspricht, und vergisst auch schon mal, dass sie unbewaffnet ist, wenn sie sich auf die Jagd begibt. Genau wie Toni, die ein bisschen wie ein junger Teenager wirkt, der vergeblich versucht, die Rolle der coolen (und mehr als nur etwas klischeehaften) Antiheldin auszufüllen, sind auch einige andere Figuren flach und unglaubwürdig. Der schwule Vampir Lestat a.k.a Ben, mit dem sich Toni eine Wohnung teilt, ist ein einziges Klischee und macht zwar eine Entwicklung durch, aber erscheint gerade am Anfang karikaturenhaft und weitestgehend nutzlos. Tai und Alek hätten in ihren Rollen funktionieren können, wenn nicht die Insta-Liebe gewesen wäre. Die verfahrene Situation, in die sich die Figuren manövriert haben, wird am Ende aufgelöst, aber nicht auf befriedigende Weise.

„Des Teufels Kopfgeldjäger“ hat auch Stärken. Zum Beispiel wird der „Bürokratie=Hölle“-Trope auf witzige Weise verwendet. Es gibt ein paar nette, lustige Worldbuilding-Details, und in manchen Szenen ist der humorvolle Hickhack zwischen den Figuren gut gelungen. Auch das Tempo der Handlung ist angenehm. Mit weniger klischeehaften, flachen Figuren und einer glaubwürdigeren Entwicklung ihrer Gefühle und Motive hätte das Buch ein vielleicht nicht ungewöhnlich innovativer, aber doch spaßiger Urban-Fantasy-Roman sein können. Die Sprache des Buches ist sehr einfach gehalten, aber es gibt so gut wie gar keine Formulierungen, die den Lesefluss stören. (Allerdings taucht die Erzählinstanz bei der Beschreibung der Figuren of Colour, z.B. Tais und seiner Schwester, die eine vietnamesische Mutter haben, mit Formulierungen wie „Mandelaugen“ und „exotisch“ ein paar Mal eine Zehe in ein Fettnäpfchen). „Des Teufels Kopfgeldjäger“ ist im Präsens und größtenteils in der dritten Person aus den Perspektiven Tonis, Aleks und Tais geschrieben.


Fazit

„Des Teufels Kopfgeldjäger“ wartet mit ein paar witzigen Weltenbau-Details und Dialogen auf, aber die Charaktere und der zentrale Konflikt können nicht überzeugen. Hinzu kommen so einige Klischees.


Pro und Contra

+ witzige Weltenbau-Details: individuelle Interpretation von Hölle, Werwölfen und Vampiren
+ gelegentlich tatsächlich schlagfertige, lustige Dialoge
+ angenehmes Handlungstempo

o im Präsens erzählt

- klischeehafte Figuren
- zentraler Konflikt überzeugt nicht
- Insta-Liebe
- nervige Hauptfigur

Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 2/5
Lesespaß: 3/5
Preis/Leistung: 3/5

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 16. April 2019
 

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