Donnerstag, 17. Oktober 2019

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Unter uns die Nacht (Becky Chambers)
Geschrieben von Judith C. Vogt
Mittwoch, der 17. April 2019

Fischer TOR (April 2019)
Übersetzt von: Karin Will
Taschenbuch, 461 Seiten, 9,99 EUR
ISBN: 978-3-596-70262-6

Genre: Space Opera / Science Fiction


Klappentext

Seit Jahrzehnten lebt die Menschheit im Exil: Die Siedlerschiffe der Exodus-Flotte kreisen um eine neue Sonne, und das Leben mit begrenzten Ressourcen ist der neuen Generation längst zur Gewohnheit geworden.

Doch nicht jedem gefällt ein Dasein unter künstlichen Bedingungen, und je weiter sich die Exodaner der Galaktischen Union öffnen, desto mehr geraten die alten Traditionen unter Druck. Und so stehen auch Kip, Tessa, Sawyer, Isabel und Eyas vor der Frage: Ist ihr Alltag auf der Asteria alles, was das Leben für sie bereithält?


Rezension

Wenn deutsche Titel so weit vom Originaltitel abweichen, finde ich das im Normalfall ja etwas ärgerlich – und „Record of a Spaceborn Few“ ist auch wirklich ein schöner englischer Titel, der, ich gebe es zu, einen unfassbar sperrigen deutschen Titel ergeben würde.

Fischer TORs Alternativtitel ist aber wirklich nicht schlecht – denn in einem Weltraum-Habitat, das als Zentrifuge Schwerkraft erzeugt, zieht die Schwerkraft Richtung Außenhülle. Und wenn man dann auf den Aussichtsfenstern steht, erstreckt sich der Nachthimmel des Alls unter einem. Also finde ich den Titel durchaus gelungen. „Unter uns die Nacht“ ist der frisch Hugo-nominierte dritte Teil der Wayfarer-Reihe von Becky Chambers, deren drei Romane alle unabhängig voneinander gelesen werden können, aber im gleichen Universum spielen, teils Figuren aus den anderen Romanen erwähnen und vor allen Dingen alle mit der gleichen charakterzentrierten Gemütsruhe geschrieben sind.

Das Wayfarer-Universum hat keine atemberaubenden Schlachten zu bieten, keine planetaren Konflikte, keine speziesbedrohenden Katastrophen. Es hat sie natürlich gegeben, aber auf diesem wackligen Untergrund wurde das stabile Gerüst der GU, der Galaktischen Union, errichtet. Die Menschen kamen zu dieser GU erst später dazu: Als die Exodusflotte von einer sterbenden Erde aufbrach, in der Hoffnung, Leben zwischen den Sternen zu finden, konnte sie nicht ahnen, dass sie das jüngste, das unterentwickeltste Mitglied einer Allianz vieler Planeten und Alienspezies werden würde.

Und auch das liegt im Roman bereits in der Vergangenheit – der Aufbruch, das Gefunden-Werden. Die Exodanerflotte kreist bereits seit Generationen um eine fremde Sonne. Viele Menschen haben die rein menschliche Gemeinschaft der Flotte verlassen, um wieder auf Planeten zu leben. Die sich selbst genügende Flotte wird kleiner und kleiner, denn welchen Sinn hat es, dort zu leben nur um des Dort-Lebens willen? Nichts wird exportiert und wenig importiert, und die Flotte selbst scheint wenig Perspektive zu bieten außer Geborgenheit unter Gleichen.

„Unter uns die Nacht“ folgt mehreren Charakteren bei der Identitätsfindung. Dem jugendlichen Kip, der alten Archivarin Isabel, der Bestatterin Eyas, dem Planetarier Swayer, der nach einer neuen Heimat in der Flotte sucht, und Tessa, die einen Job macht, der auch von KIs erledigt werden könnte.

Isabel ist dabei der Knotenpunkt: Sie wird von Ghuh’loloan besucht, die einer Alien-Spezies angehört und das Leben in der Flotte als Beobachterin dokumentieren will. Doch wie bei Heisenbergs Unschärferelation verändert die Messung bereits das Ergebnis: Durch die Dokumentation greift die Außenwelt in das beinahe geschlossene System der Exodaner ein – spendet Technik und will dem ärmlich scheinenden Lebensstil mit Hilfsgütern auf die Sprünge helfen … Gleichzeitig entwickelt Tessas kleine Tochter nach einem Unfall, der ein Schiff aufriss und Menschenleben kostete, Angst vor dem Leben in der Flotte und eine Sehnsucht nach festem Boden. Und die Bestatterin Eyas wird ebenso wie der Junge Kip mit einem Toten konfrontiert, den beide nicht vergessen können.


Fazit

Wenig passiert in Becky Chambers drittem Roman – auf den ersten Blick. Wie bei ihren beiden Vorgängerbänden erzählt sie mit fanfictionesker Klarheit vom Innenleben ihrer Charaktere, ist dabei erfreulich menschenfreundlich, erfreulich queer und erfreulich unapokalyptisch. Ihr Entwurf der Exodanerflotte ist eine kleine Utopie mit Macken, gleichzeitig stellt sie Fragen nach kultureller und persönlicher Identität, nach Migration und dem Spannungsfeld von Integration, Assimilation und Inklusion. Sie entwirft eine wünschenswerte Zukunft und erzählt dabei so persönliche Metaphern auf die Gegenwart, dass ich besonders zum Ende hin auf jeder Seite Tränen in den Augen hatte.

Sowohl ungewöhnliche Science-Fiction als auch ungewöhnlich für das übliche, actionreiche Lesefutter, das ich sonst so vertilge – trotzdem gibt’s hier wie für die beiden Vorgängerbände eine absolute Empfehlung.


Pro und Contra

+ die Innensicht und die Beziehungen der Charaktere
+ die Vision einer nicht durchweg, aber überwiegend positiven Zukunft im All
+ die Freundschaft zwischen Bestatterin Eyas und Sexworker Sunny
+ die behutsame Metapher auf menschliche Identität und Kultur
+ auch ohne Teil 1 und 2 gut lesbar

- es passiert nicht wirklich viel
- es gibt kein Wiedersehen mit Charakteren aus Teil 1 und 2

Wertung: sterne4.5

Handlung: 3/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


Rezension zu "Zwischen zwei Sternen"

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 17. April 2019
 

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