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Sehr interessant
Ich habe eine frage zu dem Buch die sabrina hat die eigendlich denn max von der strasse geschupst ...

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Ich bin begeistert von Ihren Arbeiten als Kabarettists und Autor. Immer weiter so.
Hallo Jeronimus :) Ich habe die dunkle Edition gehört. Ich meine zu wissen, dass sich die zwei Editionen ...

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Hey Sniffu, ich gebe dir absolut recht. Vielleicht hätte ich die Hörbuchfassung erwähnen sollen. ABER ...

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Die Töchter von Ilian (Jenny-Mai Nuyen)
Geschrieben von Swantje
Sonntag, der 28. April 2019

FISCHER Tor (April 2019)
Klappenbroschur
652 Seiten, 16,99 EUR
ISBN: 978-3-596-29997-3

Genre: High Fantasy


Klappentext

Vier magische Artefakte bestimmen das Schicksal der Welt:

Ein Becher, um die Vergangenheit zu bewahren.

Eine Flöte, um mit Tieren zu sprechen.

Ein Spiegel, um sich selbst zu erkennen.

Eine Sternenscheibe, um die Zukunft zu sehen.

Doch die magischen Artefakte sind verschollen. Die Weisen Frauen, die einst friedvoll mit ihnen regierten, sind in die Wälder geflohen, und Kriegsfürsten herrschen über Menschen, Zwerge und Elfen. Die Zeit ist gekommen, dass die Töchter aller Völker sich erheben, um die Macht zurückzugewinnen.


Rezension

In ihrem von der Kupferzeit inspirierten neuen Fantasy-Roman interpretiert Jenny-Mai Nuyen die klassischen Fantasyvölker, über die sie bereits mehrfach geschrieben hat, ein weiteres Mal neu: Die Zwerge sind eine matriarchale Kultur. Hier basiert Macht auf dem Prestige, das diejenigen erhalten, die großzügig ihren Besitz verschenken. Charismatische Herrscherinnen stehen hier mächtigen Familien vor und knüpfen kalkulierend Netzwerke. Im Verborgenen schürfen Sklav*innen das kostbare Kupfer. Im von Nebeldrachen beschützten Reich Ilian leben die Waldelfen als Jäger und Sammler, wie sie es seit Jahrhunderten getan haben. Die Menschen des Mittenlandes betreiben Ackerbau, und seit neuestem erschüttert die Ankunft einer neuen Gruppe das politische Gleichgewicht: Das Reiter- und Hirtenvolk der Urier beansprucht zunehmend Territorien für sich. Die einst mächtigen Weisen Frauen sind zu bloßen Beobachterinnen des Geschehens geworden, angesehen, aber passiv.

Auf den ersten Blick scheinen die Rollen in dieser Welt klar verteilt, aber sehr viele Figuren verweigern sich den Schubladen, in die sie zunächst zu passen scheinen. Im Verlauf der Handlung lernen wir kriegerische Weise Frauen und Urier, die trotz ihrer patriarchalen Kultur Frauen respektieren, kennen. Eine weitere Figur, die sich weigert, ihre zugewiesene Rolle zu spielen, ist der elfische trans Mann Fayanú, der sich von seinem Volk abgewendet hat, das in ihm immer noch „die Auserwählte“ sieht. Das ist nicht überraschend, denn die Elfen Ilians haben ihn im vollen Bewusstsein dessen, was ihn erwartet, einem Leben voller (sexueller) Misshandlungen und Zurückweisungen ausgeliefert, im Vertrauen darauf, dass er ihnen ihre verlorenen Schätze zurückbringt. Seine Versuche, irgendwie einen eigenen Weg zu finden, führen ihn immer wieder in Situationen, die für eine maximal traumatisierende Wirkung maßgeschneidert scheinen.

Als Fayanú der adligen Zwergin Walgreta begegnet, die daran gescheitert ist, eine Weise Frau zu werden, verlieben sich die beiden ineinander. Die ehrgeizige, idealistische Walgreta, und Fayanú entscheiden, dass sie den Machtspielen ihrer Angehörigen den Rücken kehren werden. Stattdessen wollen sie die Iliaden, die mächtigen magischen Artefakte, die Menschen, Zwergen und Elfen als Mittel zur Herrschaft dienen, sammeln und wieder den Weisen Frauen übergeben. Sie hoffen, damit ein neues Zeitalter des Friedens einzuleiten. Dieser Plan, der in seiner Naivität eigentlich nicht so richtig zu den beiden passen will, klingt auf den ersten Blick gut, doch Walgreta und Fayanú sind nur zwei Individuen in einer Welt, in der unzählige Spieler*innen ihre Ränke spinnen.

Zum Beispiel will Ganwalen, der Mann der designierten Zwergenkönigin, die Herrschaft der Matriarchinnen brechen. Mauskin, der seine Familie an einen Urier verloren hat, plant einen Rachefeldzug, der die Leben unzähliger anderer beeinflussen wird. Und der junge urische Fürst Rianon, dessen Vorgeschichte ein eigenes Buch wert gewesen wäre, weigert sich, das Machtgefüge unter den urischen Stämmen so zu akzeptieren, wie es ist. Manipulationen, Missverständnisse, schmerzhafte Erfahrungen, unerwartet aufkeimende Gefühle und schlichtes Pech sorgen dafür, dass einstige Verbündete sich auf verschiedenen Seiten wiederfinden. Figuren entwickeln sich auf unerwartete Weise und verlieren ihre ursprünglichen Ziele aus den Augen. Sie treffen weltbewegende Entscheidungen und werden von zerstörerischen Konsequenzen überrascht, von denen sie keine Ahnung hatten, sodass trotz ihres teilweise sehr großen Einflusses oft hilflos erscheinen.

Jenny-Mai Nuyen scheut keineswegs davor zurück, ihre Figuren mit Scheitern, Schuld und tragischen Verwicklungen zu konfrontieren, sodass die Atmosphäre des Buches überwiegend melancholisch ist und ihm ein gewisser Pessimismus zugrunde zu liegen scheint. Die Handlung mäandert oft ziellos vor sich hin und gleicht damit den Charakteren, von denen nur wenige wirklich durchgängig konsequent an einem Ziel festhalten. Gelegentlich kommt es zu Explosionen von schonungslos beschriebener Gewalt. Das gesamte Buch ist in einer schönen Sprache geschrieben, welche die geschilderte Welt und die Charaktere zum Leben erwachen lässt. Obwohl sich der Roman angenehm liest, weckt er eher eine Mischung aus Interesse und distanziertem Bedauern als wirklich große Identifikation mit den Figuren, von denen viele bewusst als zutiefst makelbehaftet geschrieben zu sein scheinen.

Es überrascht übrigens ein wenig, dass das "Die Töchter von Ilian" als feministische Fantasy vermarktet wird. Zwar geht es um Gender-Themen wie z.B. männliche und weibliche Herrschaftsstrategien oder Queerness, aber es wird der Niedergang einer frauendominierten Kultur geschildert und es kommen viele Tropes vor, die aus feministischer Perspektive häufig kritisiert werden, wie z.B. bemerkenswert beiläufig geschilderte sexuelle Gewalt oder eine trans Figur, die keine Chance auf ein glückliches Leben hat. Leser*innen auf der Suche nach ermutigender Repräsentation werden hier nicht fündig. 


Fazit

„Die Töchter von Ilian“ ist ein Buch mit einer originellen, atmosphärisch geschilderten Welt, einer etwas ziellosen Handlung und Figuren, deren Träume immer wieder an einer komplexen, gnadenlosen Welt zerbrechen.


Pro und Contra

+ originelle, komplexe Welt
+ gut gewählte Details erwecken Fantasywelt zum Leben
+ ungewöhnliche Figuren mit eigenen, einprägsamen Motiven und Entwicklungen

o Tragik, sehr dick aufgetragenes Trauma bei Fayanú
o Buchmarketing ist irreführend

- Handlung fühlt sich oft eher ziellos an
- Fayanús und Walgretas Plan klingt ein wenig zu naiv, um wirklich zu ihnen zu passen

Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3,5/5


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Zuletzt aktualisiert: Montag, der 10. Juni 2019
 

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