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Die Fahrten des Odysseus (Emmanuel Lepage, Sophie Michel, René Follet)
Geschrieben von Markus
Montag, der 19. August 2019

Verlag: Splitter-Verlag; (Juni 2019)
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten; 39,80 €
ISBN-13: 978-3962192990

Genre: Drama


Klappentext

Bilde dir nicht ein, dass deine Informationen Gold wert sind. Ich habe nicht die Absicht, dir eine Kreuzfahrt zu schenken...
Ein Bild pro Woche, solange du an Bord meines Schiffes bist, einverstanden?


Rezension

Ende des 19. Jahrhunderts ist der unbekannte Maler Jules auf der Suche nach seiner Muse Anna. In Istanbul trifft er auf Salome, Kapitänin des Schiffes Odysseus. Als sie erfährt, dass er mal Kontakt mit dem Maler Ammon Kasacz gehabt hat, will sie sofort von ihm wissen, wo sich dieser aufhält. Sie ist schon lange auf der Suche nach dem Mann, der großen Einfluss auf ihre Familie gehabt hat. Jules und Salome kommen überein, dass Jules jede Woche solange er an Bord der Odysseus ist, ein Bild für sie anzufertigen hat als Bezahlung für seine Reise. So sticht die Odysseus in See – mit zwei Menschen an Bord, die jeder für sich eine Reise zu absolvieren haben, an deren Ende hoffentlich ihr Ziel liegt, egal wie lange es dauert.

Emmanuel Lepage hat sein Thema offensichtlich gefunden. Seine Comicerzählungen haben meist mit den Themen Reisen und Meer zu tun und Die Fahrten des Odysseus, welches er gemeinsam mit Sophie Michel geschrieben hat, bildet dabei keine Ausnahme.
Mit einer beeindruckenden zeichnerischen und sprachlichen Wucht beginnt Lepage diesen Comic. Der erste Blick fällt auf antike Krieger und der Text entstammt Homers Odysee. Ein eindringlicher Anfang, der den Leser sogleich in den Comic hineinzieht, nur um sofort etwas zu entschleunigen. Denn es geht ruhiger mit dem Maler Jules weiter, der sich von einer Frau verabschiedet und ein Schiff sucht. Und doch ist gleich klar, worum es in diesem Comic gehen wird. Die Protagonisten Jules und Salome sind jeder für sich auf einer Irrfahrt, die Sophie Michel und Emmanuel Lepage an der Odysse orientieren. Zwar nicht im wörtlichen Sinne, aber im Kern der Erzählung. Sie nehmen die antike Sage und ihre Heldengeschichten und übertragen sie auf ihre Art und Weise auf das ausgehende 19. Jahrhundert. Natürlich tauchen keine Götter und Monster auf, aber die Leiden denen Odysseus ausgesetzt war und sein Mut, spiegeln sich vor allem in Salome, die hier die Hauptfigur ist. Sie ist auf einer Reise, die viel Zeit in Anspruch nimmt. Sie muss sich gegen viele Widerstände durchsetzen, sich emanzipieren und ihren Weg finden, wobei sie öfter einen Irrweg nimmt, um am Ende an ihrem Ziel anzukommen und dies ist das Gleiche wie bei Odysseus: Ruhe und Frieden in der Heimat, bei der Familie. Lepage und Michel stellen dabei dem aktuellen Geschehen immer wieder Szenen aus Homers Werk gegenüber. Und dabei bleibt es nicht. Homers Werk wird Gegenstand der Handlung, zu einem wichtigen Handlungspunkt, über die Bilder, die der Künstler Ammon Kasacz dazu erschafft und die eine so wichtige Bedeutung für Salome haben. Auf diese Weise verschmelzen Emmanuel Lepage und Sophie Michel, antike Sagen, wunderbare Zeichnungen und ein persönliches Drama zu einem wahren Meisterwerk der Erzählkunst. Die Geschichte ist ergreifend und birgt eine Spannung in sich, die weit entfernt von dem üblichen ist, denn es gibt keinen Fall zu lösen, keine Action, sondern nur die Geschichte der Reise einer Frau zu sich selbst und ihr Bezug zum Meer und die Odyssee.

Wo Lepage draufsteht, weiß der Leser eigentlich genau, was ihn erwartet und das bedeutet nichts anderes als grandiose Zeichnungen, die eine Augenweide sind. Seine Darstellung des Meeres, wie er dessen Wildheit, dessen Ruhe und Ungestüm einfängt ist wohl mehr oder weniger einmalig. Bei ihm ist das Meer ein Protagonist und die Sehnsucht der Menschen nach ihm ist auf jeder Seite zu spüren. Aber auch die Szenen am Land gelingen ihm ebenfalls mit einer solchen emotionalen Wucht und so wird dieser Comic zu einer einzigen Hommage an das Meer, Odysseus, die Liebe und das Leben.
Ein paar der Bilder sind nicht von Emmanuel Lepage selbst, sondern von René Follet, dessen Werke einen gänzlich anderen Stil besitzen, aber dennoch ebenso so zu packend wissen und von Lepage und Michel an genau den richtigen Stellen eingesetzt werden.


Fazit

Sophie Michels und Emmanuel Lepages Hommage an die Odyssee und das Meer ist eine großartige Liebeserklärung an ihr Thema und erzählt gleichzeitig eine emotionale, kraftvolle Geschichte über die Suche nach der Liebe und dem Finden von sich selbst.


Pro & Contra

+ perfekter Beginn
+ wunderbare Zeichnungen des Meeres
+ tiefgehende Handlung
+ ausgearbeitete und interessante Charaktere

Bewertung:

Charaktere: 4,5/5
Handlung: 5/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Emmanuel Lepage:

Rezension zu Weiß wie der Mond
Rezension zu Ar-Men

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 19. August 2019
 

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