Freitag, 22. November 2019

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Sehr interessant
Ich habe eine frage zu dem Buch die sabrina hat die eigendlich denn max von der strasse geschupst ...

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Ich bin begeistert von Ihren Arbeiten als Kabarettists und Autor. Immer weiter so.
Hallo Jeronimus :) Ich habe die dunkle Edition gehört. Ich meine zu wissen, dass sich die zwei Editionen ...

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Der Exorzist (William Peter Blatty)
Geschrieben von Almut
Donnerstag, der 31. Oktober 2019

der exorzist

Festa, 2019
Originaltitel: The Exorcist. 40th Anniversary Edition (2011)
Übersetzung von Patrick Baumann
Gebunden, 512 Seiten
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 31,90
ISBN 978-3-86552-772-1

Genre: Horror


Rezension

Der ältere Jesuit Pater Merrin findet während einer archäologischen Ausgrabung im Nordirak eine Statuette des assyrischen Dämons Pazuzu. In der Folge nimmt er Hinweise wahr, die, von ihm als Omen interpretiert, eine in der näheren Zukunft liegende Auseinandersetzung mit einer mächtigen bösen Kraft ankündigen.

Chris MacNeil, alleinerziehende Mutter und Schauspielerin, steht am Anfang der Dreharbeiten zu einem neuen Film in Georgetown, Washington. Das bedeutet wenig Zeit für ihre 12-jährige Tochter Regan und Chaos im Alltag. Als Regan nachts Geräusche hört und ihr Bett wackelt, nimmt Chris an, dies sei eine Möglichkeit ihrer Tochter, die Scheidung ihrer Eltern zu bewältigen. Regans Zustand verschlimmert sich, sie spricht und verhält sich obszön und blasphemisch. Chris zieht Ärzte zu Rate. Regans körperlicher und mentaler Zustand wird umfassend untersucht, die Mediziner finden nichts. Regans Zustand verschlimmert sich dramatisch, ihr Körper bewegt sich frei in der Luft. Die verzweifelte Atheistin Chris wendet sich an einen Jesuiten, den sie auf einer Dinner Party kennengelernt hat. Der empfiehlt ihr, den Psychologen und Priester Damien Karras aufzusuchen. Karras hat selbst psychische Probleme, weil er sich für den Tod seiner Mutter verantwortlich fühlt, die er in ihren letzten Lebensjahren vernachlässigt hat und die gerade an einem Hirnödem gestorben ist.

Karras vermutet anfangs psychische Probleme, hält Regan schließlich aber für besessen und bittet den Bischof um die Erlaubnis, einen Exorzismus durchzuführen. Der Bischof hält Karras für zu unerfahren und zieht den Exorzisten Pater Merrin hinzu, der gerade in die USA zurückgekommen ist. Karras und Merrin versuchen, den Dämon auszutreiben, der sich in Regan eingenistet hat. Wir erfahren, dass dieser Dämon Pazuzu ist und für Merrin kein Unbekannter, da Merrin den Dämon früher einmal in Afrika bekämpft hat. Für die MacNeils und Pater Karras ist er bis zu seiner Identifizierung der, als welcher er sich Regan vorgestellt hat: Captain Howdy. Deshalb wird er auch längere Zeit als Imagination Regans verstanden. Zur gleichen Zeit untersucht der Polizist Lieutenant William Kinderman eine Mordserie, die einhergeht mit religiösen Ritualen und der Entweihung von Kirchen. Als ein Freund der MacNeils ermordet wird, kreuzen sich die Wege der Protagonisten.

Der Exorzist erschien vor bald 50 Jahren, im Jahr 1971, und dürfte nicht mehr ohne die Verfilmung von William Friedkin aus 1973 denkbar sein, für die Blatty selbst das Drehbuch schrieb. Das Thema der Besessenheit eines jungen Mädchens verknüpft Blatty differenziert mit dem Katholizismus und Glaubensfragen. Weil Karras zugleich ein Priester und Psychologe ist, hat sich ein in ihm dauerhaft hinterfragender Diskurs ergeben, der mitverantwortlich dafür ist, dass er nicht mehr an Gott glaubt. Wenn es aber einen gotteslästerlichen Dämon gibt, gibt es dann nicht auch Gott? Die Existenz des Bösen als Gottesbeweis zu verwenden, dies entspricht eher dem Gegenteil der bei vielen Menschen vorhandenen Sicht. Aber wenn dieses Böse eine übernatürliche Seinsform ist und nicht das alltägliche Böse im Menschen?

Karras erwägt beide Möglichkeiten, Besessenheit und tieferliegende Ursachen für eine starke psychische Störung, entscheidet sich dann aber für die Besessenheit, weil er dies will, nicht, weil die besseren Argumente aus seiner Sicht dafürsprechen. Diese Frage, die der Film eindeutig beantwortet, belässt das Buch in der Schwebe, wenngleich mit leichter Tendenz in Richtung dämonischer Besessenheit. Wo Pazuzu im Film einmal sagt, er sei der Teufel, womit er ein wenig für Unklarheit sorgt, ist er im Roman eindeutig ein Dämon. Das Buch behandelt, anders als der Film, auch schwarze Messen, den Schwebezustand unterstützend.

Zum 30-jährigen Jubiläum des Romans kam 2001 eine „Director’s Cut“ genannte Filmversion in den Kinos, zwölf Minuten länger, digital überarbeitet, mit vier zuvor nicht verwendeten Szenen versehen. Zum 40-jährigen Jubiläum des Romans überarbeitete Blatty den Text, der 2011 neuveröffentlicht wurde. Diese Fassung ist die Grundlage der Übersetzung bei Festa. Blatty hat den Roman in Details sprachlich zu einem Update verfeinert und Dialoge verändert. Ferner hat er einen mysteriösen neuen Jesuiten eingeführt, der Karras in einer Traumsequenz erscheint. Ob sich der Roman dadurch verändert hat? Eher nicht. Im normalen Lesevorgang fällt über die hinzugefügte Figur des Jesuiten hinaus nichts auf, auch wenn man sich an die erste Fassung erinnert. Die sprachliche Politur, mit der das Manuskript von Blatty bearbeitet wurde, wirkt zudem nur im direkten Vergleich der beiden Originalfassungen. Schließlich, und dies scheint mir das wichtigere Argument: gleich, welche Fassung des Romans man liest, hat man einmal den Film gesehen, sieht man in den Romanfiguren nur noch die Schauspieler. Hier ergeht es einem ähnlich wie bei Stanley Kubrick und Stephen King mit The Shining.

Der Roman enthält auf die Haupthandlung eng bezogene Nebenstränge. Der gesellschaftliche Umgang mit abweichendem Verhalten wird interessant behandelt. Die Reaktionen der Menschen im Umfeld der MacNeils, der Familie und Freunde Regans, der Ärzte, die das Mädchen psychologisch und medizinisch untersuchen. Sehr gut ist auch die Figur des Detective, der auf prozeduraler Ermittlungsebene diesen vielfältigen Eindrücken ausgesetzt ist, mit denen sein als Polizist konditionierter Verstand nur bedingt etwas anfangen kann. Übergreifend handelt Der Exorzist von persönlicher Autonomie und Kontrolle. Das Extrem ist natürlich Regan, die durch die Besessenheit den totalen Kontrollverlust erlebt, ähnlich Rosemary Woodhouse in Ira Levins Klassiker Rosemaries Baby (Rosemary‘s Baby, 1967). Wobei beide Personen in einen theologischen Diskurskontext und ein vergleichbares kulturelles Umfeld mit Mittelklasse-Akteuren, Schauspielern und Ärzten verbracht werden.


Fazit

William Peter Blattys Der Exorzist ist nicht nur ein lesenswerter Horrorroman, die Geschichte eines besessenen Mädchens und der Austreibung eines Dämons. Es geht im Weiteren um Fragen des Glaubens in einer als gottlos erfahrenen Welt sowie um persönliche Autonomie und Kontrollverlust.


Pro und Kontra

+ auch heute noch eine verstörende Geschichte
+ auf einem realen Fall basierend und gut recherchiert

Wertung:sterne4

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 11. November 2019
 

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