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Bernd Perplies (09.11.2019)
Geschrieben von Judith
Samstag, der 09. November 2019

Interview mit Bernd Perplies

bernd perplies5Literatopia: Hallo, Bernd! Im Oktober ist endlich Dein neuer SF-Roman „Am Abgrund der Unendlichkeit“ erschienen. Wie sieht dieser Abgrund aus? Und was erwartet die Leser dort?

Bernd Perplies: Schauen wir in einer klaren Nacht von der Erde nach oben, dann sehen wir, obwohl da vor allem eine Menge Leere ist, einen Himmel voller Sterne. Es wirkt, als wäre das All trotz der Schwärze ein Ort des Lichts und des Lebens. Das Domenaion, jenes Sternenreich, in dem meine Geschichte angesiedelt ist, liegt dagegen ganz weit draußen, sozusagen am Rand des Universums. Wenn man hier in eine bestimmte Richtung blickt, schaut man tatsächlich in die absolute Schwärze. Dort glüht kein einziger Stern mehr. Es ist, als blicke man in einen lichtlosen Abgrund – tatsächlich nennen die dort ansässigen Spezies diese Leere auch „Abgrund“ – und niemand kann ergründen, wie tief er ist. Daher rührt der Titel. Und aus diesem erhebt sich in meinem Roman eine beängstigende Finsternis, die ganze Sternensysteme zu verschlingen beginnt. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Literatopia: Was ist Dein Protagonist Bendis Kahain für ein Typ? Und würdest Du uns seine „fragwürdige“ Truppe Raumretter kurz vorstellen?

Bernd Perplies: Bendis Kahain ist jemand, der anpacken und helfen will. Der etwas zum Positiven bewirken möchte, und dafür auch schon mal die Regeln bricht. Darum arbeitet er als Captain eines Rettungskreuzers bei der Raumrettung – so etwas, wie der irdischen Seenotrettung, nur eben im All. Seine fragwürdige Truppe rekrutiert sich aus allen Spezies dieser Raumregion. Dabei interessiert Kahain weder Geschlecht, noch Religion, noch persönliche Macke oder körperliche Beeinträchtigung. Ihn interessiert nur, ob jemand seinen Job gut macht.

Und so hat er neben seiner No-Nonsense-Ersten Offizierin Neena Costa unter anderem den Gauner Venk Hobric als Raumretter an Bord, einen insektoiden Silphi im Exil namens Katiktak, der als Pilot dient, eine schwergewichtige Rhinoa mit Namen Umbra fürs „heavy lifting“ und einen nervösen jungen Sensorspezialisten, Shem Randon. Des Weiteren zählen die atherische Ärztin Doktor Rahla zu seinem Team, die semibiologische Kunstlebensform eL’Ha, die als Drohnenführerin arbeitet, und der reptiloide Sleen-Bordingenieur Sariss, ein, trotz seines furchteinflößenden Äußeren, humorvoller Kumpeltyp.

Literatopia: Du lässt Dich bei Deinen Charakteren gerne von Schauspielern inspirieren, um ein Bild im Kopf zu haben. Wer waren denn diesmal die Vorbilder?

Bernd Perplies: Ich möchte den Lesern eigentlich ihre eigenen Bilder der Figuren nicht kaputtmachen, indem ich das verrate. Was ich sagen kann: Ich habe mich diesmal quer durch die TV- und Film-Science-Fiction bei zahlreichen Werken bedient, die mit persönlich gut gefallen, von „Star Trek“ über „Aliens“ bis „seaQuest DSV“. Darüber hinaus habe ich im Internet nach möglichst exotischen Aliens gesucht, um ein breites und buntes Spektrum an Völkern in meinem Domenaion ansiedeln zu können.

Literatopia: Wie können wir uns das galaktische Domenaion vorstellen? Wie viele verschiedene Spezies leben dort? Über welche Technologien verfügen sie?

Bernd Perplies: Das Domenaion ist ein Weltenbund, der – neben ökonomischen Gründen – vor allem als Schutzbündnis gegründet wurde. Denn die Völker dieser Raumregion fürchten den Abgrund und es gibt viele Mythen, das von dort etwas aus der Tiefe aufsteigen könnte. (Sie sollen sich als wahr erweisen.) Gegenwärtig sind sechs Mitgliedsvölker Teil des Domenaions: die Menschen, die halbaquatischen Atherier, die pflanzlichen Floryll, die reptiloiden Sleen, die Mensch-Maschinen der eN’iX und die ruppigen, „zwergenartigen“ Barakkaraner.

Die Technologie ist eher Low-SF. Es gibt keine Beamapparate, keine Replikatoren und keine Formenergie. Selbst Deflektorschilde bei Schiffen sind unbekannt. Ich würde die Technik mit jener der TV-Serie „Battlestar Galactica“ vergleichen (der Neuausgabe). Sehr robust, sehr im Industrial-Style. Überlichtschneller Flug funktioniert, indem Schiffe mit ihren Nullraumprojektoren Transittore – Risse im Normalraum – öffnen und dann durch eine Art Hyperraum, den Nullraum, binnen Sekunden an ihren Zielort transportiert werden. Man kann sich das ein wenig wie das Wurmloch bei „Deep Space Nine“ vorstellen, allerdings kann man den Transit nicht bei Bewusstsein vollziehen, weil alles, was das Transittor passiert, in seine Quanten zerlegt und dann am Ziel wieder zusammengesetzt wird. Mein Vorbild war hier ein Faxgerät. Wenn normaler Weltraumflug der Briefpost ähnelt, wird man beim Nullraumtransit sozusagen von der physischen Form in Daten zerlegt, ans Ziel „gefaxt“ und dort wieder in physische Form gebracht. Der Unterschied ist nur, dass eben keine Kopie dabei entsteht, sondern das „Blatt Papier“ auf der Senderseite verschwindet.

Literatopia: Mit den Floryll hast Du eine non-binäre Pflanzenspezies in Deinem Roman, die – wie die meisten der irdischen Pflanzen – gleichzeitig männlich und weiblich sind. Wie können wir uns eine raumfahrende Pflanzenspezies vorstellen? Und benutzt Du für sie non-binäre Pronomen wie „they“ oder „xier“?

Bernd Perplies: Pflanzenabkömmlinge bereisen genauso den Weltraum wie Tierabkömmlinge auch. Bloß haben sie – im Fall der Floryll – vier (astartige) Arme statt zwei. Und einen blütenförmigen Kopf, dessen Blätter willentlich manipuliert und so zur Kommunikation verwendet werden können. Ebenso kommunizieren Floryll mithilfe von Duftstoffen. Außerdem haben sie beispielsweise keinen Verdauungstrakt wie Menschen, um feste Nahrung zu zerlegen und für den Körper nutzbar zu machen. Stattdessen nehmen sie flüssige Nährstoffe über ihre Finger- und Fußwurzeln auf.

Die Zweigeschlechtlichkeit der Floryll – im Pflanzenreich ist Hermaphroditismus weit verbreitet, gerade bei Blütenpflanzen – stellte mich beim Schreiben durchaus vor ein Problem. Die Floryll sind seit Jahrhunderten Teil des Domenaions, die Sprachen aller Spezies sind daher daran angepasst, ihre non-binäre Sexualität zu berücksichtigen. Bei uns gibt es dazu auch Ansätze, wie „they“ oder „xier“, die du ja oben erwähnst. Leider erschöpft sich das aktuell existierende Vokabular meist in diesen einzelnen Pronomen und bestimmten Artikeln. Mir zumindest ist keine komplette Grammatik für non-binäre Personen untergekommen. (Was völlig meine Schuld sein kann, das ist mir klar.) Jedenfalls bin ich dann einfach selbst aktiv geworden. Herausgekommen ist ein mehrseitiges Dokument, das alle möglichen Artikel, Possesivpronomen, Relativpronomen, Demonstrativpronomen usw. enthält. Und das habe ich dann konsequent im Text angewandt.

Wer mehr darüber wissen möchte, dem empfehle ich den Making-of-Artikel „Das Pronomen-Problem mit den Floryll“ in meinem Blog. Dort kann man auch das Grammatik-PDF herunterladen. Es ist frei zur Verwendung, ich bitte nur um namentliche Nennung (und eine kurze Info-Mail), sollte es jemand für seine Texte verwenden.

8bernd perplies fbm19Literatopia: Auf Deinem Autorenblog schreibst Du, dass „Am Abgrund der Unendlichkeit“ aus zwei Romanideen entstanden ist – eine davon war ein Fantasyroman. Wie hast Du aus Fantasy letztlich eine Space Opera gemacht?

Bernd Perplies: Fantasy oder Science-Fiction, das ist ja im Wesentlichen ein Setting. Man kann fast jede „epische“ Handlung aus einem Quasi-Mittelalter auch ins All versetzen. „Warhammer 40.000“ und „Star Wars“ haben es vorgemacht. Klar, es gibt Themen, da fällt das schwerer, aber grundsätzlich gibt es zumindest weniger Probleme aus Fantasy Science-Fiction zu machen als umgekehrt.

Im vorliegenden Fall habe ich einfach den Konflikt vergrößert. Aus Ländern wurden Planeten. Aus einer Katastrophe, die einen Kontinent bedroht, wurde eine, die eine Raumregion ins Chaos stürzt. Die Spezies habe ich natürlich komplett geändert. Magie wurde gestrichen, dafür Technologie eingeführt. Abgesehen davon existierte von der Fantasy-Idee noch nicht so viel Detailmaterial, dass ich bei der Konvertierung schmerzliche Verluste erlebt hätte.

Literatopia: Von Deinem Debüt „Tarean“ erscheinen aktuell schmucke Hardcover-Ausgaben beim Mantikore-Verlag: überarbeitet, illustriert und mit Bonusmaterial. Auf was können sich die Leser da beispielsweise freuen? Von wem stammen die Illustrationen? Und wie viel hast Du im Vergleich zur damaligen Erstausgabe geändert?

Bernd Perplies: Grundsätzlich sind die „Tarean“-Romane natürlich noch immer die „Tarean“-Romane, wie man sie kennt. Ich habe jetzt beispielsweise keinen Handlungsstrang gestrichen und kein Ende umgeschrieben. Im Wesentlichen wurde nochmal am Stil geschliffen, denn man entwickelt sich im Laufe von zehn Jahren ja durchaus weiter. Wir haben in der erneuten Lektoratsrunde noch eine ganze Reihe kleinerer Logikfehler ausgebügelt, und ich habe Namen von Schauplätzen ausgetauscht, die in der Ursprungsfassung unbeabsichtigt an Orte aus „Der Herr der Ringe“ beziehungsweise die Rollenspielwelt Aventurien aus „Das Schwarze Auge“ angelehnt waren. Das betraf vier oder fünf Punkte.

Der größte Eingriff war vielleicht, dass ich das Volk der Alben, dem die Protagonistin Auril angehört, in Vasthari umgetauft habe. Das geschah aus zwei Gründen. Zum einen wollte ich damit die familiäre Nähe der sogenannten Grauelfen mit den Sidhari, den Wüstenelfen, aus meinen „Wolkenmeer“-Romanen („Der Drachenjäger“ und „Der Weltenfinder“) betonen. Zum anderen hat sich mein Bild von den Alben einfach geändert, seit ich mich näher mit der Nibelungensage beschäftigt habe. Ich habe bei Alben mittlerweile das Bild zwergenähnlicher Unterweltbewohner vor Augen, das passte einfach gar nicht mehr zu den grauhäutigen Elfen der „Tarean“-Welt.

Ansonsten dürfen sich die Leser, wie von dir schon erwähnt, auf sehr schicke Illustrationen von Hauke Kock freuen, der Tarean und seine Freunde wirklich toll eingefangen hat. Im Bonusmaterialbereich erzähle ich derweil, ganz wie auf den typischen „Special Edition DVDs“, über die Entstehung der Romane, ich führe Interviews mit den „Darstellern“, präsentiere etwa eine „Deleted Scene“ oder weise im „Audiokommentar“ auf Easter Eggs hin. Es sind wirklich schöne Ausgaben geworden, die ich jedem, der All-Age-Fantasy mag, nur ans Herz legen kann.

black leviathanLiteratopia: Dein Roman „Der Drachenjäger“ erscheint 2020 in englischer Übersetzung als „Black Leviathan“. Wie fühlt es sich an, wenn der eigene Roman ins Englische übersetzt und damit einer viel größeren Leserschaft zugänglich gemacht wird? Und sollten Verlage wie Tor Books öfter einen Blick auf den deutschen Markt werfen?

Bernd Perplies: Großartig. Und: unbedingt.

Nein, ernsthaft: Ich habe keine Ahnung, wie erfolgreich der Roman in der englischsprachigen Welt werden wird. Vielleicht geht er in der Schwemme der Konkurrenz einfach unter. Aber dass ein Werk von mir durch eine Übersetzung ins Englische einem weltweiten Publikum zugänglich gemacht wird, ist schon ein tolles Gefühl. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass das geschieht – 2017 und 2018 kam ja schon die „Star Trek: Prometheus“-Trilogie von Christian Humberg und mir auf Englisch heraus –, aber bei „Star Trek: Prometheus“ war das Franchise das Zugpferd und die Romane stammten nur zur Hälfte von mir. Richtig beweisen muss ich mich also erstmals mit „Black Leviathan“.

Natürlich würde ich mir wünschen, dass gerade Verlage aus dem englischsprachigen Raum häufiger den Blick nach Deutschland richten würden. Wir haben spannende Geschichten anzubieten. Aber das hat man dort eben leider nicht nötig. Die Amerikaner und Briten agieren hier sehr selbstbewusst. Ihre eigene Unterhaltungskunst (von der Literatur über die Musik bis zum Bewegtbildunterhaltung) genügt ihnen nicht nur, sie exportieren sie auch ziemlich aggressiv in die ganze Welt. Für die Künstler dort ist das natürlich toll. Für uns hierzulande weniger, denn wir als Autoren (ich bleibe jetzt mal bei Büchern) sind mit unseren deutschen Werken nicht nur an einen vergleichsweise kleinen Markt gebunden, wir stehen auch ständig in Konkurrenz mit einer Flut an Importunterhaltung. Aber gut, das ist historisch so gewachsen, damit muss man wohl leben. Umso schöner ist das Gefühl, wenn sich mal ein paar Geschichten transatlantisch in die andere Richtung bewegen.

Literatopia: Unser letztes Interview hat inzwischen über fünf Jahre auf dem Buckel und schon damals meintest Du, dass die Luft für die deutsche Phantastik dünner wird. Wie hat sich der Markt aus Deiner Sicht in den letzten Jahren entwickelt?

Bernd Perplies: Grundsätzlich wird das Leben für Phantastik-Autoren nicht leichter, das denke ich nach wie vor. Seit Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime uns mit Genre-Unterhaltung überschwemmen (da wären wir schon wieder bei US-Importen), lässt meinem Empfinden die Leselust gerade in diesem Bereich durchaus nach. Wer sich vor ein paar Jahren in andere Welten entführen lassen wollte, musste quasi zum Buch greifen – oder er hat eine Wiederholung von „Deep Space Nine“ oder „Hercules“ bei einem Privatsender geschaut. (Die aber eher ungünstig nachmittags als zur Primetime liefen.) Heute kann man jederzeit den Smart-TV einschalten und aus einer erschlagenden Fülle an interessantem Genre-Material wählen. Da ist die Verführung groß, abends mal schnell ein bis zwei Folgen „Stranger Things“ oder „Doom Patrol“ zu schauen, statt ein Buch hervorzuholen.

Hinzu kommt, dass gleichzeitig die Menge an Textangeboten geradezu explodiert ist, seit Selfpublishing jedem das Veröffentlichen von Büchern ermöglicht. Das will ich jetzt nicht grundsätzlich verdammen. Es ist eigentlich sehr schön, dass sich alle Kreativen austoben können, selbst wenn ihnen vielleicht eine Verlagspublikation verwehrt wurde. Dabei entsteht ja auch guter Stoff. Nicht ohne Grund kommen mehr als nur ein paar neue Sterne am Phantastik-Himmel aus der Selbstverlagsszene.

Allerdings hat das schon zur Folge, dass die Stücke vom Kuchen namens Leserschaft dadurch für jeden kleiner werden. Es gibt nicht mehr Leser mit mehr Freizeit, nur weil es mehr Bücher gibt. Das heißt, es wird immer schwerer, wirtschaftlich Phantastik zu produzieren, gerade für traditionelle Verlage und ihre Autoren. Das spürt man dann in Momenten wie dem, als ich hörte, dass Bastei Lübbe sein Phantastik-Programm einstellt und nur noch ausgewählte Werke in der Allgemeinen Reihe veröffentlichen will. Das war schon eine Zäsur, wie ich finde.

Ich bedaure diese Entwicklungen, aber mir ist klar, dass man die Uhr nicht zurückdrehen kann. Von ein paar Ausnahmen abgesehen, kann man als Phantastik-Schaffender in Deutschland einfach keine großen Sprünge mehr machen. Schreiben wird mehr denn je wieder zum Hobby neben dem Brotberuf werden müssen. Oder zum Teil einer Mischkalkulation, neben dem Übersetzen oder journalistischer Arbeit. So verfahre ich selbst ja schon seit Jahren.

Unterm Strich also: Wir sind so frei wie nie, kreativ Phantastik zu schaffen. Und dass es viele Kreative gibt, erlebe ich täglich bei PAN, dem Phantastik-Autoren-Netzwerk, dem ich angehöre. Aber ordentlich Geld verdienen kann man damit heute schlechter denn je. (Auch das erlebe ich bei PAN, denn die Zahl der Werke, die Nischenprodukte bleiben, übersteigt die der Erfolgstitel deutlich.)

Literatopia: Während die Fantasy noch auf den neuen Trend wartet, scheint die Science Fiction wieder beliebter zu werden – zumindest erscheinen wieder deutlich mehr SF-Titel. Nimmst Du das auch wahr?

tarean kristalldracheBernd Perplies: Ehrlich gesagt: nein. Es gab ein kurzes Aufflackern deutscher SF in Publikumsverlagen. Aber das ist meines Erachtens schon wieder vorbei. Ich habe mir vor ein paar Tagen erst die Programme von Bastei Lübbe, Piper, Knaur, Fischer TOR und Heyne angeschaut. Da war nicht viel für das nächste halbe Jahr angekündigt. Ein Andreas-Brandhorst-Roman bei Piper. Einmal Madeleine Puljic bei Knaur. Ein Thariot bei Fischer TOR (eindeutig ein Experiment, denn Thariot ist ja eigentlich erfolgreicher Selfpublisher). Zwei Cyberpunk-Bände von Marie Graßhoff bei Bastei Lübbe. Das ist zugegeben mehr als nichts, aber es fühlt sich auch nicht nach viel an.

Die bekannteren Phantastik-Namen (Kai Meyer, Andreas Eschbach, Robert Corvus, T. S. Orgel), die kurzzeitig alle gleichzeitig klassische Science-Fiction geschrieben haben (also nicht bloß Wissenschaftsthriller mit Zukunftstouch), sind alle wieder aus dem Genre verschwunden. Ja, es gibt deutsche SF in Publikumsverlagen. Aber ich sehe da, Brandhorst ausgenommen, keine Konstanz. Niemanden, der in dem Bereich regelmäßig veröffentlichen würde. (Wie immer: In der Kleinverlagsszene sieht das völlig anders aus! Aber das war schon immer so. Gleiches gilt für den Selfpublishing-Bereich.)

Literatopia: Hast Du neben Schreiben und Familie noch Zeit zum Lesen? Welcher Roman hat Dich zuletzt so richtig begeistert?

Bernd Perplies: Ich komme weniger zum Lesen, als ich möchte. Die Jungs sind gerade etwas anstrengend. Aber Kinder sind nur einmal klein, und ich lasse lieber ein paar Bücher im Regal stehen als diese Phase ihres Lebens zu verpassen. (Nicht, dass das überhaupt gehen würde. Sie sind ziemlich besitzergreifend. Wenn Papa liest, hat er offenbar Zeit – und dann kann er doch auch spielen. ;-) )

Vor ein paar Monaten habe ich „Die Amtrak-Kriege“ von Patrick A. Tilley begonnen, ein Sechsteiler in einem postapokalyptischen Amerika. Deren Worldbuilding hat mir echt gefallen. Es gibt Menschen, die in Bunkeranlagen überlebt haben und die sich jetzt mit riesigen Wagenzügen die Oberwelt neu erschließen. Und es gibt Strahlenmutanten in der Wildnis, die in Clans organisiert sind und zum Teil echt seltsame Traditionen pflegen, etwa weil ihre Vorfahren aus der Autostadt Detroit stammten. Tilley hat hier wirklich eine spannende Welt erschaffen, mit vielen, vielen Details, die das Gesamtbild bereichern. Wie es der Zufall will, beginnt Heyne aktuell gerade, die Reihe neu aufzulegen. Ein Blick hinein lohnt sich auf jeden Fall.

Literatopia: Würdest Du uns zum Abschluss noch einen kleinen Vorgeschmack auf kommende Bücher von Dir geben? Wird der nächste Roman Fantasy oder Science-Fiction?

Bernd Perplies: Das mag jetzt verwundern, aber da muss ich diesmal passen. Ich bin jahrelang meinem eigenen Zeitplan hinterhergehechelt, weswegen ich Anfang 2019 entschieden habe, keine neuen Projekte zu planen, bevor nicht die Altlasten vom Tisch sind. Das hat zur Folge, dass ich erst jetzt gerade dabei bin, neue Werke zu entwickeln und zu verhandeln. Nichts davon ist allerdings in einer Phase, in der es mir erlaubt wäre, darüber viel zu sagen. Was ich verraten kann, ist, dass sowohl neue Fantasy als auch neue Science-Fiction auf meinem Computer liegen. Mein Portfolio bleibt also vielfältig. Und bevor jemand in Sorge ist: Auch 2020 wird Lesestoff von mir erscheinen. ;-)

Literatopia: Herzlichen Dank für das Interview!


Autorenfoto: Copyright by Bernd Perplies (oben) / Judith Madera (unten)

Autorenhomepage: www.bernd-perplies.de

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Zum Interview im PHANTAST #6 "Apokalypsen" (ab Seite 63)

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Dieses Interview wurde von Judith Madera für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 09. November 2019
 

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