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Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten (Alice Hasters)
Geschrieben von Swantje
Montag, der 02. Dezember 2019

hanserblau (2019)
Klappenbroschur
224 Seiten, 17,00 EUR
ISBN: 978-3-446-26425-0

Genre: Sachbuch mit autobiografischen Elementen


Klappentext

„Darf ich mal deine Haare anfassen?“
„Kannst du Sonnenbrand bekommen?“
„Wo kommst du her?“
Wer solche Fragen stellt, meint es meist nicht böse. Aber dennoch: Sie sind rassistisch. Warum, das wollen weiße Menschen oft nicht hören.

Alice Hasters erzählt es trotzdem. Eindringlich und geduldig beschreibt sie, wie Rassismus ihren Alltag als Schwarze Frau in Deutschland prägt. Dabei wird klar: Rassismus ist nicht nur ein Problem am rechten Rand unserer Gesellschaft. Und sich mit dem eigenen Rassismus zu konfrontieren, ist im ersten Moment schmerzhaft, aber der einzige Weg, ihn zu überwinden.


Rezension

In „Was weiße Menschen …“ erklärt Alice Hasters geduldig und anschaulich die Hintergründe und Erscheinungsformen von Rassismus und dessen mal subtilen, mal unübersehbaren Einfluss auf ihre eigene Biografie. Das Buch ist, was der Titel verspricht: eine Einführung in das Thema für weiße Personen. Menschen, die sich bereits mit Rassismus in Deutschland auseinandergesetzt haben oder selbst damit konfrontiert sind, werden darin wahrscheinlich wenig Neues finden. Dafür werden verschiedene Aspekte des Themas hier sehr kompakt und verständlich erklärt, und ich vermute, dass das Buch sich entsprechend gut als Einstieg in eine Auseinandersetzung damit eignet.

Hasters kommt weißen (sie schreibt „weiß“ kursiv und „Schwarz“ groß, um auf die soziale Konstruiertheit dieser Begriffe zu verweisen) Menschen entgegen, indem sie wenig Vorwissen voraussetzt und in einem ruhigen, sachlichen Ton erklärt. Sie schönt jedoch auch nichts, und scheut sich vor allem nicht, rassistische Verhaltensweisen auch als solche zu benennen – trotz der heftigen Abwehrreaktionen, die normalerweise auf so etwas folgen.

Sie berichtet, wie es war, als Schwarze Frau in Deutschland aufzuwachsen. Sie erzählt von den „Wo kommst du her?“-Fragen von Leuten, für die sie immer nur eine halbe Deutsche sein konnte, von der unterschiedlichen Wahrnehmung Schwarzer Menschen in Deutschland und den USA, von Fremden, die ihr in die Haare greifen, von dem Entindividualisierenden Blick rassistischer Restaurantgäste, der Sexualisierung Schwarzer Frauen, von Afrikanern karikierenden Karnevalskostümen, White-Saviour-Narrativen, Vorurteilen bei Mediziner*innen und vielem mehr …

Ihre Erlebnisse und konkrete Beispiele aus den Erfahrungen anderer dienen als Stichworte für die überblicksartige Erläuterungen großer kultureller und historischer Kontexte. Bei letzteren geht sie auch auf die Vernachlässigung des deutschen Kolonialismus im Geschichtsunterricht ein, und auf die gerne vergessene Seite der Aufklärung, dass Philosophen, die im einen Moment über Freiheit, Vernunft und Menschenrechte sprachen, im nächsten die Unterlegenheit Schwarzer Menschen verkünden konnten. Sie spricht von verbreiteten Vorurteilen bei Lehrenden, die PoC unbewusst unterstellen, weniger intelligent zu sein und sie entsprechend bewerten, und der Schwierigkeit, negative Erwartungen der Umwelt nicht zu internalisieren.

Das alles geschieht auf vergleichsweise wenigen Seiten. Hasters versteht sich darauf, komplexe Sachverhalte und Empfindungen in wenige, klare Worte zu fassen. Am Ende gibt es noch ein Glossar, in welchem wichtige Begriffe und historische Persönlichkeiten erläutert werden, und ein Literaturverzeichnis, auf dessen Basis sich weiter recherchieren lässt. Sehr angenehm ist die durchgehend geschlechtergerechte Sprache und der Fakt, dass mit sämtlichen Minderheiten diskriminierenden Begriffen sensibel umgegangen wird – so wurde z.B. auch die Fremdbezeichnung „I*dianer“ zensiert.


Fazit

Alice Hasters „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ erklärt anschaulich (Alltags)Rassismus in Deutschland, dessen Kontexte und Auswirkungen auf Betroffene. Es handelt sich meiner Meinung nach um einen guten Einstieg in die Thematik, und ein Buch, das gerne noch ein wenig länger hätte sein können.


Pro und Contra

+ verständlich und anschaulich, zielt auf ein breites Publikum
+ behandelt viele Aspekte des Themas
+ wichtige Grundbegriffe der Diskussion um Rassismus werden erklärt
+ wichtiges, hochaktuelles Thema

o vor allem für Menschen geschrieben, die sich bisher wenig mit dem Thema auseinandergesetzt haben, daher evtl. wenig neue Informationen für so einige Lesende

Wertung:

Lesespaß: 4/5
Informationsgehalt: 4/5
Aktualität: 5/5
Verständlichkeit: 5/5
Preis/Leistung: 3/5

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 02. Dezember 2019
 

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