Sonntag, 23. Februar 2020

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Sehr interessant
Ich habe eine frage zu dem Buch die sabrina hat die eigendlich denn max von der strasse geschupst ...

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Ich bin begeistert von Ihren Arbeiten als Kabarettists und Autor. Immer weiter so.
Food of the Gods (Cassandra Khaw)
Geschrieben von Swantje
Sonntag, der 19. Januar 2020

Abbadon (Mai 2017)
e-book (Taschenbuch vergriffen)
238 Seiten, 4,89 EUR
ISBN: 9781781085196

Genre: Urban Fantasy


Klappentext

By day, Rupert Wong—sorcerer, chef, former triad—prepares delicious meals of human flesh for a dynasty of ghouls in Kuala Lumpur; by night, he’s an administrator for the Ten Chinese Hells. It’s a living, of sorts. When the Dragon of the South demands that Rupert investigate the murders of his daughter and her mortal husband, Rupert is caught in a war between gods that’s as bewildering as it is bloody. If he’s going to survive, he’ll need to stay sharp, stay lucky, and always read the fine print…


Rezension

Der Beginn von „Food of the Gods” ist eine gute Vorbereitung auf das, was folgt: Gleich auf den ersten Seiten lernen Leser*innen Rupert Wongs ungewöhnliche Küchenhelfer kennen. Es handelt sich hierbei um kwee kia, sind vampirische Föten aus der malaysischen Mythologie. Und sie sind fest entschlossen, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Das ist aber nur das geringste von Ruperts Problemen, denn ein chinesischer Drachenkaiser fordert ihn auf, den Tod seiner Tochter aufzuklären. Rupert gerät im Kampf verfeindeter Götter zwischen die Fronten. Die Handlung spielt teils in Kuala Lumpur, teils in London. In beiden Städten treffen die Pantheons verschiedenster Religionen aufeinander: Ghule fordern halal zubereitetes Menschenfleisch, Rupert erstattet seinem Vorgesetzen in einer chinesischen Hölle Bericht, die Furien der griechischen Mythologie haben ein schwunghaftes Franchisegeschäft mit ihren Federn und diversen Fanartikeln aufgebaut, und neue Götter – Gestalten aus der Geschichte und diversen Medien, die zu modernen Mythen geworden sind – treten auf den Plan.

Die Neugier darauf, welche Überraschungen hinter der nächsten Ecke lauern und die Faszination angesichts der teilweise auch recht unbekannten mythologischen Gestalten schaffen zusammen mit dem großen Tempo der Handlung und der Häufung (teilweise sehr brutaler) Actionszenen viel Spannung. In „Food of the Gods“ folgen die Geschehnisse so schnell aufeinander, dass man als Leser*in wenig darüber nachdenkt, dass die Handlung teilweise recht chaotisch wirkt – neue Figuren und Konflikte tauchen oft wie aus dem Nichts auf – und dass der Weltentwurf bei aller Originalität und Faszination auch ziemlich deprimierend ist. Immerhin sind miese Arbeitsbedingungen, ewige Verdamnis, rücksichtslose Götter und Menschen, die auf unappetitliche Weise ums Leben kommen, um dann appetitlich angerichtet zu werden, fester Bestandteil von Ruperts Arbeit. Er verbringt viel Zeit damit, verlassen, unglücklich, schwer verletzt oder in Panik aufgelöst zu sein oder sich aus blutigen Trümmern zu wühlen.

Rupert Wong versucht einfach nur, zu überleben und den Menschen zu helfen, die ihm am Herzen liegen. Er hat sich an seine fragwürdige Arbeit für die Ghule gewöhnt und legt einen gewissen Pragmatismus an den Tag, aber ist ein besserer Mensch, als er sich selbst eingestehen will. Sein innerer Monolog ist von Distanz, Sarkasmus und schwarzem, teilweise auch etwas albernem Humor geprägt, seine respektlosen, unüberlegten Kommentare bringen ihn im Umgang mit reizbaren Gottheiten oft in Schwierigkeiten. Er erzählt das Geschehen im Präsens und spricht ein imaginiertes Publikum häufig direkt an, z.B. um dessen Aufmerksamkeit auf ein Wortspiel zu lenken oder einen Aspekt der Welt zu erklären. Diese Erklärungen sind meist kurz und gut eingeflochten. Die Charaktere um ihn herum sind weitaus weniger dynamisch und eher dadurch interessant, dass sie entweder neue Interpretationen bekannter mythologischer Gestalten oder aber Figuren aus weniger bekannten Pantheons sind. Sie sind beeindruckend, aber man bekommt relativ wenig von ihrer Persönlichkeit mit.

Cassandra Khaw setzt auf eine rasant fortschreitende Handlung, viel Action, unappetitliche Details in Hülle und Fülle, Rupert Wongs Humor und ausgeprägte eigene Erzählstimme und eine Menge makabre Situationskomik. Eher gehobene Vokabeln schaffen eine gewisse Distanz zum Geschehen (was gut passt, schließlich ist es gut nachvollziehbar, dass Rupert Wong versucht, etwas mentalen Abstand zwischen sich und die geschilderten Erlebnisse zu bringen), aber die eindrucksvollen und originellen Schilderungen von Göttern und Gemetzeln lassen lebendige Bilder entstehen.


Fazit

Malaysische, chinesische, arabische, slawische und griechische Mythologie vermischen sich in diesem rasanten, blutigen Urban-Fantasy-Abenteuer zu einem unterhaltsamen Chaos, das sich von Hauptfigur und Leser*innen gleichermaßen nicht so schnell durchschauen lässt. Rupert Wong, Experte für die Zubereitung von Menschenfleisch und unfreiwilliger Spielball verfeindeter Götter, navigiert in „Food of the Gods“ mit viel schwarzem Humor durch eine ebenso originelle wie gnadenlose Welt


Pro und Contra

+ Mischung vielfältiger mythologischer Einflüsse, spannende Interpretation moderner Mythen
+ markante Erzählstimme und Humor des Protagonisten
+ ungewöhnliche Schauplätze

o Splatter

Wertung: 

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 27. Januar 2020
 

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