Mythen der Antike - Die Ilias (Clotilde Bruneau, Pierre Taranzano, Luc Ferry)

Verlag: Splitter-Verlag; (Dezember 2019)
Gebundene Ausgabe: 168 Seiten; 35 €
ISBN-13: 978-3962194178

Genre: Sagen und Legenden


Klappentext

Die Ilias. Gegenüber der uneinnehmbaren Festung von Troja hat das Heer der griechischen Stämme sein Lager aufgeschlagen. Seit zehn Jahren schon tobt ein furchtbarer Krieg. Für Menelaos, den König von Sparta, ist es eine Frage der Ehre, hat doch Paris, ein trojanischer Prinz, seine Frau Helena entführt. Agamemnon, der Bruder des Menelaos, sieht darin den idealen Vorwand, um die mythische Stadt zu erobern und sein Reich auszuweiten. Achill wiederum, der kühnste der Krieger, will die Gelegenheit nutzen, um in die Legende einzugehen. Aber all diese Männer, so mächtig sie auch sein mögen, ahnen nicht, dass sie bloß Spielfiguren sind. Und dass Troja nichts anderes ist als das Schachbrett für eine verhängnisvolle Partie der Götter, die am Ende als Einzige siegreich daraus hervorgehen werden...


Rezension

Die drei Göttinnen Hera, Aphrodite und Athene streiten sich, welche von ihnen die Schönste ist. Der Hirte Paris soll entscheiden. Da Aphrodite ihm die schönste Frau verspricht, gibt er ihr den Preis in Form eines goldenen Apfels. Kurz darauf entführt Paris Helena, die Frau des Menelaos, König von Sparta, und bringt sie nach Troja. Der trojanische Krieg bricht aus und zieht sich über zehn Jahre hin. Viele Männer sterben. Helden treten ins Rampenlicht und erleiden ein tragisches Schicksal. Keine der beiden Seiten scheint gewinnen zu können, trotz des wiederholten Eingreifens der Götter. Bis Odysseus eine Idee hat.

Die Ilias ist neben der Odyssee und den Abenteuern des Herakles wohl die bekannteste griechische Sage. Die Helden, die an dem Krieg um Troja teilnahmen sind heute immer noch den meisten bekannt und die Ilias selbst gehört immer noch zum Unterrichtskanon von Universitäten und auch Schulen. Homer hat mit der Ilias ein Epos erschaffen, dass all das beinhaltet, das eine gute Geschichte in sich vereinen muss und noch viel mehr. Seine Erzählung ist tragisch, ruhmreich und zutiefst menschlich und stellt doch ebenso philosophische Fragen. Dabei bezieht er nicht nur die Welt der Menschen, sondern auch die der Götter mit ein, die aktiv in den Kampf eingreifen und jeweils einer Seite helfen. Der Kern der Sage lässt sich unter anderem darauf zurückführen, dass die handelnden Personen aus Rache, Ruhmsucht, Zorn und einem Ehrgefühl heraus handeln, welches heute glücklicherweise nicht mehr so existiert.
Die Ilias beinhaltet allerdings weniger als allgemein angenommen. Weder der Beginn des Krieges wird groß präsentiert, noch die schlussendliche Eroberung Trojas. Homer konzentriert sich auf wenige Tage kurz vor der Eroberung, in denen sich viele Heldenschicksale erfüllen und die eine mitreißende Sage ergeben.
Bei der vorliegenden Comicumsetzung von Luc Ferry, Clotilde Bruneau und Pierre Taranzano mussten sich also die Autoren entscheiden, ob sie sich rein an die Ilias halten, oder die anderen bekannten Teile mitnehmen, um so die Geschichte im Ganzen zu erzählen. Letztere Option haben sie gewählt und dies hilft natürlich beim Verständnis der Geschichte. Die zweite zu treffende Entscheidung war, ob sie die Götterwelt ins Spiel bringen. Im Sinne einer Sagenumsetzung sind bei dieser Comicumsetzung die Götter ein wichtiger Teil der Handlung. Homers Ideen und Anliegen sind auf diese Weise leichter zu transportieren und die Dramatik der Handlung nimmt zu. Insgesamt halten sie sich eng an ihre antike Vorlage und bringen viele Teile der Sage aufs Papier. Sicher gibt es auch Auslassungen, bei gerade einmal 144 Seiten ist dies nicht zu vermeiden, aber der Kern der Erzählung wird erfasst und nach der Lektüre dürfte jeder Leser eine gute Vorstellung vom Trojanischen Krieges haben. Die Umsetzung ist also sehr gut gelungen und der Inhalt wird nahezu perfekt präsentiert.

Pierre Taranzano fiel die schwere Aufgabe zu, die Zeichnungen für diese Adaption zu erstellen. Dies gelingt ihm größtenteils sehr gut. Die Kämpfe sind packend. Die Designs der Rüstungen sind vielleicht nicht historisch akkurat, aber sehenswert und so wie man sie sich allgemein vorstellt und das Wirken der Götter auf dem Schlachtfeld wird gut dargestellt. Die übernatürlichen Elemente fügen sich sehr gut ein. Taranzano hat ein gutes Gespür dafür, was er zeigen muss und was nicht und wie er den Rhythmus verändern muss, um Atmosphäre und Geschwindigkeit der Handlung anzupassen.

Der Bonusteil ist aber der heimliche Höhepunkt des Bandes. Luc Ferry, ehemaliger Bildungsminister Frankreichs und Initiator der Reihe Mythen der Antike, hat einen umfangreichen Artikel zur Ilias beigesteuert, indem er auf die Leitmotive, Homer und die Helden zu sprechen kommt. Dieser Artikel ist hochinformativ und interessant und hilft dem Leser tiefer in die Sagenwelt Homers einzutauchen.


Fazit

Autoren und Zeichner gelingt eine hervorragende Umsetzung von Homers Ilias, die modernen Ansprüchen voll genügt und mit Sicherheit neue Leser für Homer begeistern kann. Luc Ferry hat dazu sehr interessantes Bonusmaterial verfasst.


Pro & Contra

Bewertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 5/5


Literatopia-Links zu weiteren Sagen und Legenden:

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Rezension zu Siegfried Bd.2
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Rezension zu Die Odyssee
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