Eine Studie in Smaragdgrün ( Rafael Albuquerque, Neil Gaiman)

Verlag: Dantes Verlag (März 2020)
Gebundene Ausgabe: 92 Seiten; 22 €
ISBN-13: 978-3946952459

Genre: Krimi/ Horror


Klappentext

„Hervorragend gemacht, Mister Gaiman!
Sie haben meinen Verstand einmal komplett umgekrempelt...
und ich habe es genossen!“
- Anne M. Pillsworth auf Tor.com

Eine übernatürliche Kriminalgeschichte, angesiedelt in der Welt von Sherlock Holmes und Lovecrafts Cthulhu-Mythos, die einen brillanten Detektiv und seinen Begleiter zeigt, wie sie einen grausamen Mord aufzuklären versuchen.

Ihre komplexe Ermittlung führt das Duo aus der Baker Street von den Slums in St. Giles bis in den Palast der Königin. Nichts ist, wie es scheint. Aus einem Mord wird kosmischer Horror.

Vom von der New York Times als Bestsellerautor gelisteten Hugo-, Bram-Stoker-, Locus-, World-Fantasy- und Nebula-Preiträger Neil Gaiman (Sandman, American Gods) stammt die Vorlage zu dieser packenden Graphic Novel aus der Feder von Eisner-Preisträger Rafael Alburquerque (Batman, American Vampire).


Rezension

Franz Drago von Böhmen wird in London im verrufenen Stadtteil Shoreditch getötet. Dies ruft den Detektiv und seinen Partner, den Major, auf den Plan, die in der Baker Street leben. Sie kommen gemeinsam mit Inspector Lestrade zum Tatort und schon bald hat der Detektiv auch eine Spur. Die Asche im Kamin und andere Hinweise verraten ihm, dass ein hochgewachsener Mann und sein Partner für den Mord verantwortlich sind. Bevor sie den Spuren folgen können, erhalten sie allerdings eine Audienz bei der Königin von Albion, Queen Victoria, die dem Major einen großen Gefallen tut.
Anschließend gehen Tage ins Land, bis der Detektiv seinem Widersacher in die Augen sieht, womit das Spiel aber noch nicht vorbei ist.

2003 schrieb Neil Gaiman die Kurzgeschichte Eine Studie in Smaragdgrün, die nicht nur im Titel ganz klar eine Hommage an Sherlock Holmes darstellt, sondern auch bei den Personen und der Handlung. Allerdings vermischte er die für Holmes-Geschichten typischen Elemente mit welchen aus dem Lovecraftschen Cthulhu-Mythos. In Neil Gaimans 19. Jahrhundert wird die Menschheit von den Großen Alten beherrscht und hat sich mit den Opfern, die der so erlangte Frieden fordert, arrangiert.
Zumindest der Großteil. Eine Gruppe sogenannter Restaurationisten will die Großen Alten beseitigen und wieder dahin zurück, dass sich die Menschen selbst regieren, wie es eben vor 700 Jahren war, als die Großen Alten erwachten.
Neil Gaiman spielt in seiner Kurzgeschichte mit den Erwartungen der Leser und dem, was sie glauben zu wissen. Diese Erwartungen stellt er am Ende vollkommen auf den Kopf und dies durchaus vollkommen logisch, so dass man sich ärgert, all die ganzen Hinweise vorher übersehen zu haben. Aber das macht einen großen Erzähler eben aus. Neil Gaiman unterläuft die Erwartungen seiner Leser und dies auf eine kluge Art und Weise. Zudem versteckt Neil Gaiman viele Anspielungen auf andere literarische Werke oder reale Ereignisse in dieser Geschichte.
Rafael Albuquerque hat sich Gaimans Kurzgeschichte angenommen und sie als Comic umgesetzt und ihm gelingt es tatsächlich dies adäquat zu tun. Auch bei ihm bekommt der Leser immer wieder Hinweise, die er nicht wirklich wahrnimmt und deswegen am Ende überrascht werden kann. Da beim Comic die visuelle Komponente hinzukommt, ist dies nicht zu unterschätzen, da es ungleich schwieriger ist, etwas vor den Augen der Leser zu verstecken. Er erzählt Eine Studie in Smaragdgrün kurz und prägnant. Das Wesentliche findet seinen Weg aufs Papier und Neil Gaimans Vorlage setzt er spannend um. Glücklicherweise vergisst er nicht die ganzen Anspielungen, die er kreativ einarbeitet. Die Anzeigen für diverse Mittelchen und andere Erfindungen mögen hier beispielhaft genannt sein. Es gibt hier also nichts zu kritisieren.

Seine Zeichnungen sind richtig gut. Er hat einen mehr realistischen Ansatz, den er aber zugunsten der Atmosphäre der phantastischen Geschichte anpasst. Auf diesem Weg entsteht ein Gefühl der ständigen Bedrohung, das dem Leseerlebnis mehr als zuträglich ist.  Rafael Albuquerque nutzt effektiv Farbgebung und Bildaufbau für sich. Er weiß genau, was er zeigen muss und was er der Phantasie der Leser überlassen kann, wodurch er die Bilder nicht überfrachtet. Die Gestaltung der Werbeanzeigen passen in das Gesamtkonzept und tragen dazu bei, ein Gefühl für das viktorianische London in den Händen der Großen Alten zu erzeugen.

Beim Bonusmaterial wird nicht gegeizt. Es gibt einen Einblick in  Rafael Albuquerques Sketchbook, einen Kommentar von Anne M. Pillsworth, der unbedingt nach der Lektüre des Comics gelesen werden sollte und ein Glossar, welches dabei hilft, so manche Hommage und Anspielung zu entdecken.


Fazit

Rafael Albuquerque überträgt Neil Gaimans Kurzgeschichte unglaublich gut in das Medium Comic. Spannend und mysteriös ist Eine Studie in Smaragdgrün einer der Höhepunkte in diesem Jahr. Unbedingt lesen!


Pro & Contra

+ überraschend und spannend
+ sehr schöne Gestaltung des ganzen Bandes

Bewertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


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