Sonntag, 12. Juli 2020

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martinez alice

Marvel Knights: Black Widow – Tödliche Schwestern (Greg Rucka, Scott Hampton u.a.)
Geschrieben von Markus
Samstag, der 16. Mai 2020

Verlag: Panini (April 2020)
Softcover: 228 Seiten; 23 €
ISBN-13: 978-3741616358

Gerne: Thriller/ Superhelden


Klappentext

Wer ist Black Widow?

Als die frühere KGB-Spionin Black Widow Natasha Romanoff von den Avengers für die US-Regierung im Nahen Osten eine gefährliche Biowaffe sicherstellen soll, ahnt Daredevils Freundin nicht, dass Russland ebenfalls eine Agentin entsendet: eine neue Black Widow, die Anspruch auf Natashas Titel erhebt! Es kommt zum Duell der schwarzen Witwen – denn es ist eine Frage der Ehre und der Identität …

Die komplette Saga über die Black Widows als Sammelband, in Szene gesetzt von Devin Grayson (GHOST RIDER), Greg Rucka (WOLVERINE), J.G. Jones (WANTED), Igor Kordey (X-MEN) und Scott Hampton (Lucifer).


Rezension

Ende der 90er ging es den US-Comicverlagen nicht gerade gut. Eine Folge davon war, dass diese experimentierfreudiger wurden, um zu sehen, ob auf diese Weise Leser gewonnen werden konnten. Das führte bei Marvel dazu, dass das neue Marvel Knights Imprint geschaffen wurde. Unter diesem Namen wurden fortan härtere und erwachsenere Comics geschrieben und Superhelden reaktiviert, die bis dahin vergessen waren oder in der zweiten Reihe gestanden hatte. Black Widow war eine dieser Superhelden. Mit dem Marvel Knights Label erhielt sie ihre erste Soloserie. Anbetracht dessen, dass sie heute eine der beliebtesten Figuren des MCU ist, ist das schon erstaunlich, lag ihr erster Auftritt zu diesem Zeitpunkt bereits fast vierzig Jahre zurück. Die dritte enthaltene Soloserie in diesem Band ist unter dem Marvel MAX Label erschienen, dass für noch härtere und freizügigere Comics stand. Die drei Geschichten beweisen definitiv, dass Marvel zu diesem Zeitpunkt seiner Geschichte deutlich mutiger war und auch mal etwas riskierte.

Tödlicher Wahnsinn

Black Widow wird von der US-Regierung beauftragt, eine Biowaffe in Rhapastan sicherzustellen. Ihr Name lautet Der Unsterbliche Wahn und ihr Schöpfer ist Dr. Didier Ines. Der Auftrag an sich ist bereits gefährlich, dann kommt Natasha aber noch die junge russische Agentin Yelena Belova in die Quere. Sie will unbedingt den Platz von Natasha einnehmen. So muss Natsha an zwei Fronten kämpfen und letztlich sogar an drei, denn anstatt Dr. Didier Ines zu töten, zwingt sie ihn, ein Gegenmittel herzustellen. Derweil tritt Yelena in der Wüste Rhapastans gegen einen grausamen General an, der bald von US- und russischen Truppen angegriffen wird. Aber ohne die Hilfe von Natasca kann sie es nicht schaffen, verheerende Todeszahlen unter den Soldaten zu verhindern.
Tödlicher Wahnsinn präsentiert eine an sich zweifelnde Black Widow. Devin Grayson legt einen furiosen Start mit Black Widows erster eigener Soloserie hin und erschafft ein Spionageabenteuer mit einem großen Anteil Drama und Emotionen, die zusammen mit der Action und den Thrilleranteilen eine explosive Mischung ergeben und erzählt eine Geschichte mit Hochspannung. J. G. Jones liefert die passenden Bilder und hat eine Qualität in seinen Bildern, die vielen Marvelcomics heutzutage leider fehlt.

Identität

Nach der ersten Begegnung mit Yelena Belova entschließt sich Natasha Romanoff zu einem riskanten Plan, bei dem sie von SHIELD und Daredevil unterstützt wird. In einer Operation bekommen sie und Yelena das Gesicht der jeweils anderen, nur das Yelena nichts davon weiß und so völlig überrascht ist als Natasha in deren Arpartment aufzuwachen. Aber das Spiel, welches SHIELD und Natasha spielen ist noch viel grausamer. Sie bringen Yelena dazu, Natasha als Yelena scheinbar zu töten und zwingen sie zur Flucht. In der Zwischenzeit tritt Natasha als Yelena bei den Russen auf, um zu erfahren, was diese im Hudson River Valley suchen
Identität ist vielleicht eine der härtesten Geschichten, die je in Marvelcomics erzählt wurde und dies nicht aufgrund des Gewaltgrades, der relativ niedrig ist. Was hier mit Yelena gemacht wird, ist auf seine Weise äußerst grausam und sadistisch, und auch wenn Natasha einen guten Grund dafür hat und Yelena retten will, so bleibt es doch eine fast unverzeihliche Tat. Greg Rucka & Devin Grayson stellen die Frage nach Identität und wie sie eigentlich definiert ist und wie sie manipuliert werden kann und zeigen ihr ganzes Können, indem sie sich eben nicht nur auf Action konzentrieren, sondern sich für das Innenleben der Charaktere interessieren.
Scott Hampton illustriert die Geschichte in seinem unverwechselbaren Stil und erschafft mehrere ikonische Bilder.

Blasse kleine Spinne

Colonel Starkovsky vom Geheimdienst GRU wird tot unter einem Sexclub aufgefunden, gefesselt an einem Kreuz mit Maske auf und Kugel im Kopf. Seine Schülerin Yelena Belova soll im Auftrag von General Tischenko herausfinden, wer ihn getötet hat und welche Geheimnisse er hatte. Yelena Belova, die baldige Black Widow ermittelt im Sexclub Fabrika und trifft auf Nikki, die sie herumführt und ihr die sexuellen Abgründe der Menschen zeigt. Starkovsky besuchte das Fabrika regelmäßig und Petra, eine der Angestellten, gab sich für ihn als Yelena aus. Die Ermittlungen führen Yelena an ihre Grenzen.
Düster und verstörend ist der abschließende Dreiteiler von Greg Rucka, in dem er erzählt, wie Yelena Belova akzeptiert, dass sie den Namen Black Widow zurecht trägt. Dabei wird erneut ein perfides Spiel mit ihr gespielt. Die Geschichte ist gut, die Zeichnungen von Igor Kordey leider nicht. Zu grob und unförmig sind seine Zeichnungen und die Charaktere wirken teilweise geradezu grotesk.

An Bonusmaterial gibt es wie üblich die Cover und zwei Seiten des Sketchbooks von J. G. Jones und eine Zeichnung von Scott Hampton.


Fazit

Tödliche Schwestern ist düster, brutal und verstörend und dennoch gleichzeitig emotional und mit einer tiefgehenden Geschichte und einem Interesse an den Charakteren, welches nur selten zu finden ist. Dieser Black Widow-Band ist zwar nichts für zartbesaitete, aber definitiv ein Pflichtkauf für Black Widow-Fans.


Pro & Contra

+ alle drei Geschichten sind hervorragend geschrieben
+ sehr gute Zeichnungen von J.G. Jones und Scott Hampton

- Igor Kordeys Zeichnungen können kaum überzeugen

Bewertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4,5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln mit Black Widow:

Rezension zu Black Widow Bd.2
Rezension zu Black Widow Bd.3
Rezension zu Black Widow Bd.2 (2016)
Rezension zu Black Widow – Dunkle Rache
Rezension zu Black Widow – Anthologie

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 13. Juni 2020
 

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