Conan der Cimmerier Bd.7 – Aus den Katakomben (Régis Hautière, Olivier Vatine, Diedier Cassegrain)

Verlag: Splitter-Verlag; (Februar 2020)
Gebundene Ausgabe: 64 Seiten; 16 €
ISBN-13: 978-3962192082

Genre: Abenteuer/ Fantasy


Klappentext

„Ich sagte, dass man Dämonen töten kann.
Was nicht heißt, dass man sie nicht fürchten muss.“


Rezension

In Darfar an der Grenze zu Stygien trifft Conan auf die Kriegerin Valeria. Er hat der freien Bruderschaft den Rücken gekehrt und ist nun wieder alleine unterwegs. Valeria wird von Zarallos Männern aus Stygien verfolgt, aber Conan sieht keinen Grund, sie ihm auszuliefern, um an etwas Geld zu kommen. So ziehen sie gemeinsam weiter durch das Land, welches die Legenden der Stygier als verflucht bezeichnen. Bald erklärt sich dieser Umstand. Conan und Valeria treffen auf einen Drachen. Auf der Flucht vor ihm kommen sie auf der sich dem Wald anschließenden Ebene zu einer scheinbaren Geisterstadt. Als sie sie betreten, machen sie eine merkwürdige Entdeckung. Die komplette Stadt besteht aus unzähligen Hallen. Es gibt keine Straßen und Plätze und die einzigen Öffnungen nach außen sind die Stadttore. Bald erfahren sie mehr über das Schicksal der Stadt, als sie auf einen ihrer Einwohner treffen. Techotl, den sie vor einem Angriff von einem verfeindeten Volk retten, erzählt ihnen die Geschichte der Stadt.

Mit Aus den Katakomben wurde der neueste Band von Conan der Cimmerier von einem Team umgesetzt, dass bereits reichlich Erfahrung im Phantastischen hat. Olivier Vatine zeichnete z.B. Aquablue und Die lebende Tote, während Régis Hautière unter anderem Aquablue – New Era verfasste und Diedier Cassegrain Die Stunde der steinernen Drachen von Troy. Es kann also viel von ihnen erwartet werden und dies lösen sie auch ein.
Régis Hautière beweist sich nach Der Krieg der Knirpse als meisterhafter Erzähler. Er nimmt Robert E. Howards Geschichte und adaptiert sie perfekt für das Comicformat. Die Einführung der Figuren gerät kurz und knapp und dennoch bekommt der Leser alle Informationen, die er braucht, um mit Valeria und Conan gemeinsam dieses Abenteuer zu erleben, welches in eine wahrhaft düstere Welt führt.
Auf den ersten Blick ist diese Conan-Geschichte simpel. Er kommt in die Stadt einer vergehenden Hochkultur und erlebt ihr Ende mit und trägt sogar seinen Teil bei. Aber unter der Oberfläche ist mehr zu entdecken. Howard schildert die Dekadenz und Ignoranz einer Gesellschaft, die dabei ist, sich selbst zu zerstören. Conan und Valeria sind hierbei eigentlich nur Beobachter, die durch die Umstände handelnd eingreifen, aber nicht entscheidend sind. Diese Grundthematik mischt Howard mit viel Blut, Sex, Gewalt und etwas Horror, der durch das Motiv des Vampirismus in einer Sonderform hineinkommt. Damit erweist sich die zunächst simple Geschichte als ziemlich komplex.
Mit Valeria ist sogar eine starke Frauenfigur enthalten. Sie weiß, wer sie ist und was sie will. Dementsprechend führt sie ein selbstbestimmtes Leben, in dem sie sich von niemanden etwas vorschreiben lässt. Auch ein Conan hat da nichts zu sagen und er respektiert es. Wer die anderen bisherigen Geschichten gelesen hat, dürfte davon kaum überrascht sein, denn Conan respektiert unabhängig vom Geschlecht, selbstbewusste und starke Menschen, die ihren Weg gehen. Conans Rolle als Beobachter passt im Kontext perfekt zu ihm. Er steht eigentlich außerhalb der Zivilisation und wenn sie dabei ist, sich zu zerstören, so wird er nichts dafür oder dagegen tun.
Régis Hautière bewahrt diese vielen Ideen im Comic und lässt den beiden Zeichnern viel Raum, um sie mit wenig Worten umzusetzen.

Denn Olivier Vatine und Diedier Cassegrain besitzen die Fähigkeiten, um diese Conangeschichte in genau den richtigen Bildern einzufangen. Olivier Vatine war für das Storyboard zuständig und legte somit die grundlegenden Dinge, wie das Seitenlayout fest, während Diedier Cassegrain die endgültigen Zeichnungen anfertigte. Was klingt, als würde er in einem engen Rahmen agieren, ist in Wirklichkeit nur eine Richtlinie für ihn. Den mit seinem ganz eigenen Stil, der sich beträchtlich von dem von Olivier Vatine in z.B. Die lebende Tote unterscheidet, erschafft er eine phantastische Welt, in der Riesenechsen und tote Städte genauso ihren Platz finden wie Helden und Monster. Immer wieder gestaltet er beeindruckende Bilder, die er nicht mit knalligen Farben ihrer Wirkung beraubt, sondern sie mit Pastellfarben hervorhebt. Der Moment der Ruhe zu Beginn von Aus den Katakomben ist hierfür ein sehr gutes Beispiel. Er erschafft Atmosphäre und Emotionen, durch die Wahl seiner Farben, die bei ihm genauso wichtig sind, wie die Zeichnungen an sich.

Patrice Louinet hat ein sehr informatives Nachwort geschrieben, in dem er auf die verschiedenen Deutungsmöglichkeiten der Geschichte eingeht und dabei einige interessante Dinge über Robert E. Howard zu berichten hat.


Fazit

Auf den ersten Blick ist Aus den Katakomben recht simpel gestrickt, auf dem zweiten aber eine unerwartet komplexe Geschichte mit einer starken Frauenfigur, die voller Gewalt und Horror ist.
Die Essenz einer von Howards Geschichten wurde ein weiteres Mal sehr gut eingefangen und sorgt so für neues Interesses an dem alten Krieger, der so viele Facetten besitzt, wie Feinde unter seinem Schwert sterben.


Pro & Contra

+ mehr Tiefe als erwartet
+ mit Valeria hat Conan eine gleichgestellte Frau an seiner Seite
+ bietet ein paar Überraschungen
+ Diedier Cassegrain erweist sich als sehr passender Zeichner für Conan

Bewertung:

Charaktere: 4/5
Handlung: 4/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


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