Freitag, 10. Juli 2020

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martinez alice

Katrin Ils (21.6.2020)
Geschrieben von Swantje
Sonntag, der 21. Juni 2020

Interview mit Katrin Ils

Literatopia: Hallo Katrin, wie geht es deinen Avocado-Pflanzen?

Katrin Ils: Hallo! Die sind leider den Trauermücken zum Opfer gefallen. Aber dafür geht es meiner Zitrone gut.

Literatopia: Wie schade. Dann kommt jetzt die erste Frage zu deinen Büchern. Du schreibst Dark Fantasy – ich habe den Begriff schon für so verschiedene Sachen wie Romantasy, Fantasy mit Horrorelementen, und brutale, pessimistische High Fantasy verwendet gesehen. Was ist deine persönliche Definition davon?

Katrin Ils: Für mich bedeutet Dark Fantasy, dass Welt, Figuren und Geschichten von Grauzonen leben. Es gibt keine strahlenden Held:innen, kaum eine Figur besitzt einen fehlerfrei funktionierenden moralischen Kompass. Es geht generell finsterer zu, mit Elementen, die du schon angesprochen hast: pessimistischere Weltansicht, Horrorelemente und auch (grafischere) Gewalt gegen jeden und alles.

Literatopia: Möchtest du ein bisschen über deine "Unstern"-Reihe und ihre Spin-Offs erzählen? Was lässt dich immer wieder nach Alat zurückkehren?

Katrin Ils: Einer der Inspirationsfunken für die "Unstern"-Reihe war die Frage, wie es wohl jemanden ergeht, der ohne Magie in einem Volk geboren wird, dass für seine Mächte bekannt ist. Das sich daraus eine fünfteilige Serie und diverse Spin-Off-Bücher entwickeln, war eigentlich nicht geplant.

Kerra verlässt mit ihren Freunden ihre Heimat, und die Fragen nach und über Loyalität, Freundschaft, und inwieweit man sich Moral "leisten" kann, sind Themen, die mich beschäftigen, und die mich auch immer wieder zurück in die Welt und nach Alat ziehen.

Alle meine Figuren bewegen sich in einer Welt, wo es um das eigene Überleben geht - nicht in Form von epischen Schlachten, sondern inwieweit sie verhindern können zu anderer Leute Spielfiguren zu werden.

UnsternLiteratopia: Mit „Splitter der Nacht“ hast du auch ein Buch in einem anderen Setting geschrieben. Worum geht es hier?

Katrin Ils: In "Splitter der Nacht" steht Jara im Mittelpunkt, die - im Gegensatz zu Kerra aus "Unstern" - eine sehr mächtige Magierin ist. Aber sie ist in einer Bandenstruktur aufgewachsen, in einer Stadt, in der sich die magischen Zirkel wie Kartelle bekriegen. Jara wird verhaftet, und soll ihren Meister verraten, um sich selbst zu retten. Da sie jede ihrer Entscheidungen teuer bezahlen wird, muss sie einen anderen Ausweg finden.

Literatopia: Was macht für dich einen guten Fantasyroman aus?

Katrin Ils: Die richtige Mischung aus einer spannenden Welt und tiefschichtigen Charakteren. Ich tauche gerne in Welten ein, die ich so noch nicht gelesen habe und in der sich Figuren mit Ecken und Kanten bewegen - sie müssen nicht sympathisch sein.

Literatopia: Was sind die besten Kniffe, um eine vergleichsweise unsympathische Figur trotzdem so interessant zu machen, dass Lesende sie gerne begleiten?

Katrin Ils: Mir fallen da zwei Wege ein: Zum einen eine Geschichte, die so spannend ist, dass man einfach wissen will, wie sie ausgeht, auch wenn der Hauptcharakter unsympathisch ist oder wird - ich denke da an "Breaking Bad", die Serie hat das grandios vorgemacht.

Das andere ist, Leser:innen die Ziele der Figur, und das, was sie zu verlieren hat, als Anknüpfungspunkt zu geben. Das bewegt sich oft auf der emotionalen Ebene, wie Liebe, Hass, Angst etc. Wir alle wissen wie es ist, Angst um eine Person zu haben, die einem nahesteht, wir kennen Gefühle von Hilflosigkeit oder wie es ist, Ungerechtigkeiten zu erfahren. Man muss sich aber mit Zielen etc. nicht unbedingt identifizieren. Oft folgt man einer Geschichte auch, weil man Einblicke in eine innere Welt bekommt, die faszinierend ist, etwa bei Hannibal.

Literatopia: Wie sieht dein Arbeitsprozess beim Schreiben aus?

Katrin Ils: Generell starte ich mit einer Idee zu einer Welt, einem bestimmten Bild, einer Szene, Figur oder Frage. in die taste ich mich mit Schreiben und Plotspielerei auf Papier vor, um zu sehen, ob sich eine Geschichte daraus ergibt, oder nicht. Ich plotte sehr grob, meistens lege ich den Start und das Ende fest, überlege mir zwei, drei Sachen, die passieren müssen und das Dazwischen ergibt sich beim Schreiben. Meine Figuren lerne ich oft erst während der Rohfassung so richtig kennen, allerdings ist es mir wichtig, die Hauptemotionen, Antriebe und Ziele der Figuren zu kennen

Literatopia: Was war das ungewöhnlichste Thema, das du je für eines deiner Bücher recherchiert hast?

Katrin Ils: Da muss ich erst einmal nachdenken. Ich glaube, die meisten Fantasy-Autor:innen verbringen sehr viel Zeit damit herauszufinden, was der menschliche Körper so aushält, und wie man Dämonen beschwört. Die letzte Recherche hat sich darum gedreht, ob man Menschen ausstopfen kann und wie viel kcal Menschenfleisch hat.

Literatopia: Was war das Ergebnis?

Katrin Ils: Menschen ausstopfen ist möglich, aber wir halten nicht gut, weil die Haut zu dünn ist und man kann Nähte schlecht verbergen, weil wir kein Fell haben. Und im Vergleich zu anderen Tieren sind wir nicht sonderlich nahrhaft.

Literatopia: Ich bin beeindruckt, dass du dazu Quellen gefunden hast und habe noch ein paar Fragen dazu, was du machst, sobald das Buch dann fertig ist: Als Selfpublisherin hast du besonders viel Kontrolle über die Gestaltung und Vermarktung deiner Bücher – wie nutzt du das aus?

Katrin Ils: Ich teile die Quellen gerne, tatsächlich haben sich Archäologen erstaunlich intensiv mit Kannibalismus und Nährwerten auseinandergesetzt. Und leider fand und findet man in manchen Museen ausgestopfte Menschen, die als "exotische Exemplare" ausgestellt wurden ... Aber das macht ein ganz anderes Fass auf.

Zu deiner Frage bezüglich der Gestaltung und Vermarktung: Vor allem die Kontrolle über das Cover - so nervenaufreibend der Designprozess auch sein kann - empfinde ich als sehr wertvoll. Ein Cover soll nicht nur die Stimmung des Romans einfangen, in meinen Augen ist es auch Teil einer Warnung, gerade in meinem Genre: Auch wenn "Mädchen in Ballkleid" mehr Leser:innen anspricht, die dann bei manchen Verlagsbüchern von zum Teil recht blutigen Inhalten überrascht werden, ist es mir wichtig, so klar wie möglich über das Cover zu kommunizieren, dass es im Inneren düster zugeht.

Beim Marketing kann man als SPler:in der Kreativität natürlich freien Lauf lassen, ob man mit Blogger:innen zusammenarbeitet, mit Tolino so tolle Aktionen wie das Blutfest startet, oder auch einfach nur mit einer Preisaktion die Verkäufe ankurbelt.

Literatopia: Du tweetest gelegentlich über Bulletjournaling, und ich bin ein wenig neugierig: Hilft es dir mehr beim Organisieren oder mehr beim Prokrastinieren? (Bei mir ist es tendenziell letzteres^^)

Katrin Ils: Beides *g* Tatsächlich hilft es mir dabei, meine Woche zu strukturieren und meine ToDo-Liste nicht mit einem Wunschzettel zu verwechseln. Manchmal halte ich mich natürlich auch unnötig lange mit der Gestaltung auf, weil ich nicht mit dem Schreiben anfangen will. Aber gerade, wenn ich mich völlig überfordert fühle und nur die Dinge sehe, die ich nicht getan habe, aber tun muss/will, hilft es mir, mich mit meinen Planern hinzusetzen, und mein Leben zu ordnen - zumindest auf dem Papier.

Literatopia: Wovon erzählst du auf deinem Youtube-Channel?

Katrin Ils: Ich teile meine Schreib- und SP-Erfahrungen, sei es wie viel Selfpublishing kostet oder wie ich meine Figuren breche. Ich rede aber auch viel über Planung - das Bulletjournal hast du ja schon angesprochen -, etwa wie ich meine Schreibzeit finde und strukturiere.

Literatopia: Welche aktuellen Trends im Fantasygenre findest du vielversprechend, welche interessieren dich weniger?

Katrin Ils: Das ist jetzt der Moment, in dem ich gestehe, dass ich Recherche über Trends sträflich vernachlässige. Was ich toll finde, ist, dass einige meiner Lieblingsautor:innen wie Benedict Jacka und Leigh Bardugo jetzt übersetzt werden bzw. wurden.

Literatopia: Welchen in Deutschland unbekannten Autor:innen würdest du noch Übersetzungen wünschen?

Katrin Ils: Es kann sein, dass sie schon übersetzt wurden, aber wenn nicht: Andrew Mayne, James Carol, Richard Morgan, Lyndsay Faye und die "Shiny Broken Pieces"-Serie von Sona Charaipotra und Dhonielle Clayton. Das war jetzt ein ziemlicher Genre-Mix aus Thriller, Fantasy und "YA" muss ich gestehen *g*

Literatopia: Zumindest bei Morgan weiß ich, dass von ihm schon einiges übersetzt wurde. Kannst du schon verraten, woran du gerade arbeitest?

Katrin Ils: Aktuell arbeite ich am vierten Buch der "Unstern"-Reihe "Mondschieber"; mein "Vampire, Märchen und Hexen"-Projekt "Das Rot der Nacht" ist gerade an meine Alphaleserin gegangen.

Literatopia: Herzlichen Dank für das Interview!


Autotenfoto: Copyright by Katrin Ils

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Dieses Interview wurde von Swantje Niemann für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 21. Juni 2020
 

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