The Gutter Prayer (Gareth Hanrahan)

Orbit (Januar 2017)
Taschenbuch
544 Seiten, 9,12 EUR
ISBN: 978-0356511528

Genre: Fantasy


Klappentext

The city of Guerdon stands eternal. A refuge from the war that rages beyond its borders. But in the ancient tunnels deep beneath its streets, a malevolent power has begun to stir.

The fate of the city rests in the hands of three thieves. They alone stand against the coming darkness. As conspiracies unfold and secrets are revealed, their friendship will be tested to the limit. If they fail, all will be lost and the streets of Guerdon will run with blood.

SET IN A WORLD OF DARK GODS AND DANGEROUS MAGIC, THE GUTTER PRAYER IS AN EPIC TALE OF SORCERERS AND THIEVES, TREACHERY AND REVENGE, FROM A REMARKABLE NEW VOICE IN FANTASY.


Rezension

“The Gutter Prayer” beginnt mit einem bemerkenswerten Prolog: Er ist in der zweiten Person geschrieben, und es wird niemand anderes angesprochen als ein altes Gebäude, das wenig später in Flammen aufgeht. Daraufhin wechselt die Erzählperspektive in eine konventionellere Form: Die folgenden Kapitel tragen uns in die Köpfe der drei Dieb*innen, deren Beutezug ein so überraschendes Ende fand, und des „Thieftakers“ Jere, der die drei verfolgt. Was jedoch erfrischend unkonventionell bleibt, ist das Worldbuilding.

Wie Robert Jackson Bennett schafft es Gareth Hanrahan, eine Welt zu schildern, in der Menschen sich zwischen unberechenbaren Göttern behaupten müssen. Guerdon ist einer der wenigen Orte, der noch vor dem Krieg verschiedener Gottheiten sicher ist. Es ist eine alte Stadt, in der Politiker*innen und Alchemist*innen und verschiedene religiöse Gemeinschaften um die Macht ringen, während unter den Straßen Ghule und „Crawling Ones“ ihren mysteriösen Geschäften nachgehen. Auf den Straßen patrouillieren durch Alchemie geschaffene „Tallow Men“, mitleidlose Wächter, in deren Köpfen Kerzenflammen brennen, und seit kurzem ist etwas Neues, Hungriges in den Straßen unterwegs. Ich musste ein wenig an China Miévilles New Crobuzon denken.

In dieser Stadt versuchen drei ungewöhnliche Gefährt*innen, zu überleben: Carillion („Cari“), Diebin und Nachkommin einer alten guerdoner Familie, die jedoch lange auf Reisen war, bevor sie an den Ort ihrer Geburt zurückkehrte. Rat, ein Ghul, der sich an seine Menschlichkeit klammert. Spar, der Sohn eines legendären, Robin-Hood-artigen Mannes, den eine Krankheit allmählich in Stein verwandelt. Die drei haben einen wackeligen Stand bei den Dieben der Stadt, die seit dem Tod von Spars Vater einen neuen Anführer haben, und als Cari anfängt, Visionen über die Geschichte der Stadt zu haben, entwickeln plötzlich eine ganze Menge Leute ein gefährliches Interesse an ihr. "The Gutter Prayer" hat mich von Anfang an gepackt und mein Interesse bis zur letzten Seite festgehalten.

Dabei dauert es eine Weile, bis die Figuren wirklich an Profil gewinnen. Gerade Cari ist eine wenig markante Figur, und Rat ist mehr oder weniger absichtlich so konzipiert, dass es eine gewisse Distanz zwischen den Lesenden und ihm gibt. Allerdings machen alle Figuren so interessante Erfahrungen, dass das Interesse an diesen Lesende bis zu den Punkten im Buch trägt, wo die Figuren schließlich selbst greifbar werden. Es gibt auch einige Nebenfiguren, deren Rollen immer bedeutender werden, darunter Caris Nichte Eladora. Diese wird zunächst eher als Kontrastfolie zur freiheitsliebenden Cari eingeführt, doch es stellt sich heraus, dass ihr Ärger auf Cari begründet ist und dass sie mehr als die stille, angepasste junge Frau ist, die sie auf den ersten Blick zu sein scheint. Spar hingegen, der zu Anfang des Buches von seiner Situation noch zu Passivität verurteilt wird, nimmt schließlich den Kampf auf – für das Erbe seines Vaters, aber auch gegen seine Antriebs- und Hoffnungslosigkeit. Er und ab der zweiten Buchhälfte auch Eladora waren für mich die Sympathieträger*innen in der Geschichte.

Die Handlung, in welche diese Figuren verwickelt werden, ist komplex und wartet mit so einigen Überraschungen und Enthüllungen auf, bis sie schließlich auf ziemlich spektakuläre Weise endet. „The Gutter Prayer“ ist ziemlich gnadenlos mit seinen Figuren – nicht einmal Hauptfiguren sind hier sicher. Es handelt sich übrigens um den ersten Band der "Black Iron Legacy"-Serie, der zwar einen befriedigenden Abschluss findet, aber auch eine interessante Ausgangssituation für die Folgebände schafft.


Fazit

„The Gutter Prayer“ bietet trotz seiner zunächst etwas blassen Figuren ein atmosphärisches, von Anfang an spannendes und immersives Leseerlebnis und entführt Lesende in eine ganz besondere Fantasymetropole.


Pro und Contra

+Atmosphäre
+originelles Worldbuilding
+wirklich unheimliche Bedrohungen
+Spars Entwicklung

-Figuren in interessanten Situationen, aber mit zunächst blassen Persönlichkeiten

Wertung:

Handlung: 4/5
Figuren: 3,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis-Leistung: 4/5

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