James Bond - Der Spion, der mich liebte (Ian Fleming)

Verlag: Cross Cult; (September 2013)
Taschenbuch: 220 Seiten; 12,80 €
ISBN-13: 978-3864250880

Genre: Thriller


Klappentext

Die klassischen JAMES BOND 007 – Romane von Ian Fleming – erstmals in ungekürzter und originalgetreuer Übersetzung.

JAMES BOND 007

Vivienne Michel ist in Schwierigkeiten. Auf der Flucht vor ihrer verstrickten Vergangenheit in die amerikanische Provinz, landet sie im Dreamy Pines Autohof. Weit entfernt von der privilegierten Umgebung, in der sie aufgewachsen ist, ist das Motel auch die Haltestation zweier abgebrühter Killer – des perversen Sol Horror und des tödlichen Sluggsy Morant. Als ein cool-charismatischer Engländer auftaucht, schöpft Viv, die in tödlicher Gefahr schwebt, nicht nur Hoffnung, sondern spürt eine fesselnde Faszination. Denn es ist James Bond 007 – der Mann, von dem sie hofft, gerettet zu werden; der Spion, von dem sie hofft, geliebt zu werden.


Rezension

Vivienne Michels Leben verlief bislang nicht gerade glücklich. Ihre Eltern starben, die Tante bei der sie aufwuchs, verstand sie nicht und ihre ersten beiden großen Lieben im Leben enttäuschten sie zutiefst. Nach einer Abtreibung beschließt sie sich und ihr Leben zu ändern. Ihr erstes Vorhaben ist, von Kanada aus die USA bis nach Florida zu durchqueren. Ihr Weg führt sie ins Dreamy Pines Motel. Das wird von den Phanceys geleitet. Das recht unsympathische Ehepaar macht Vivianne den Vorschlag an der Rezeption zu arbeiten. Anscheinend scheint Vivienne mal etwas Glück zu haben, braucht sie das Geld doch dringend. Dann aber kommt der Tag, an dem das Motel für den Winter geschlossen werden soll. Das Ehepaar bittet Vivienne, die letzte Nacht dort alleine zu verbringen und die Arbeiter, die am nächsten Tag alles winterfest machen, zu empfangen.
Die Nacht wird für Vivienne nicht nur durch ein Unwetter ungemütlich, sondern regelrecht gefährlich, als das Gangsterpärchen Sluggsy Morant und Sol Horror auftaucht. Sie ist ihnen ausgeliefert. - Bis James Bond auftaucht.

Der Spion, der mich liebte ist ein mehr als ungewöhnlicher James Bond-Roman. Nicht nur, dass Bond erst im letzten Drittel auftaucht, zudem geht es in diesem Roman mal nicht primär darum, dass Bond ein Verbrechen verhindert, sondern darum, dass eine Frau endgültig zu sich selbst und ihre Stärke findet. Das Verbrechen an sich ist genau das, im Prinzip ein ganz normaler Versicherungsbetrug. Es gibt keinen Superschurken, keine Bedrohung durch Terroristen und keinen genialen Boss, der James Bond im Fadenkreuz hat. Der Roman ist mehr noch als seine Vorgänger vollkommen geerdet. Somit kann sich Ian Fleming ganz auf Vivienne Michels Lebensgeschichte konzentrieren, was er aus der Ich-Perspektive heraus tut, das ebenso ein Novum bei den Bondromanen darstellt.
Ian Fleming gelingt es, sich in eine Frau Anfang Zwanzig in den 50er/60er Jahren hineinzuversetzen, die für die Zeit rebellisch und eher unangepasst ist. Er vermittelt ihre Ängste und Nöte und schafft so eine eingehende Charakterstudie. Er entwickelt Vivienne Michels Persönlichkeit über die ganze erste Hälfte des Romans und gibt ihr damit eine Motivation für ihr Handeln, welches der Leser dann sehr leicht nachvollziehen kann. Bis zum Auftauchen der beiden Gangster ist Der Spion, der mich liebte mehr oder weniger ein Drama. Von Action oder Verbrechen fehlt hier jede Spur. Stattdessen wirft Fleming einen Blick auf die Gesellschaft und die Menschen, die in ihr leben. Das ist mit Sicherheit nichts, was ein Bondfan, egal ob Buch oder Film, von einem James Bond-Roman erwartet. Fleming unterläuft hier die Erwartungen komplett. Aber es ist ein interessanter Ansatz und vor allem auf seine eigene Weise trotzdem spannend zu lesen.
Wenn dann der zweite Teil des Romans beginnt, erfüllt er zunächst die Erwartungen, aber selbst da wagt Ian Fleming etwas mehr. James Bond hatte zwar bisher immer mal wieder Zweifel an sich und seinem Handeln, in diesem Bondroman tritt er aber deutlich zutage. Bond scheint gebrochen zu sein, sein Handwerk ihm nicht mehr zu gefallen. Er tötet zwar noch, aber er tut es zögerlicher, widerwilliger als je zuvor. Was in Feuerball zum ersten Mal begann sich abzuzeichnen, ist nun klar zu sehen. James Bond wird nicht ewig weitermachen können. Er wirkt deutlich menschlicher, selbst wenn er nach wie vor sich aufs Töten versteht und nach wie vor dabei effektiv ist. Ian Fleming entwickelt Bond weiter, so dass selbst die Liebesbeziehung, und das ist sie durchaus auch im romantischen Sinne, trotz ihrer Kürze verständlich bleibt. Für Vivienne ist der englische Agent der erste Mann, dem sie blind vertrauen kann und der sie beschützt, wenn es denn nötig ist. Gleichzeitig ist sie für Bond nicht nur eine weitere Bettgenossin, sondern er sorgt sich aufrichtig um sie. Im Zusammenspiel der beiden ist zu erkennen, dass jeder für sich stark und doch verletzlich ist. Eine Facette, die selten so stark zutage tritt.
Vielleicht ist es genau diese gezeigte weichere Seite von Bond und die Charakterstudie einer jungen Frau, die den Roman damals bei den Kritikern und Fans nicht gut wegkommen ließ. Dies ging sogar so weit, dass Ian Fleming verfügte, dass nur der Titel aber nicht der Inhalt für eine Verfilmung verwendet werden durfte.

Die beiden Gangster, die als Bonds Gegenspieler auftauchen, dürften trotz ihrer eigentlichen Bedeutungslosigkeit für die Welt der Geheimdienste, die bösartigsten Killer sein, die in einem James Bond-Roman auftauchen. Von ihrem ersten Auftauchen an jagen sie Vivienne Angst ein und dies nicht zu unrecht. Sie sind einfach brutal in ihrem Vorgehen und scheinen keine Grenzen zu kennen und stehen damit klar im Kontrast zu Ian Flemings Protagonisten und verstärken Viviennes und James Bonds Charaktere und machen ihre Liebesaffäre umso glaubwürdiger.

Wie immer bei Ian Fleming gilt auch hier, dass der Roman ein Kind seiner Zeit ist und somit der Leser über manches Vorurteil und manche Stereotypen hinwegsehen sollte. Wer das tut, bekommt einen spannenden Roman mit einem sehr verwundbaren James Bond, zwei widerlichen Gegenspielern und einer starken Frau aus deren Sicht Ian Fleming den Roman geschrieben hat, was ihm unheimlich gut gelingt.
Wer allerdings einen typischen Bond erwartet und sich nicht auf Experimente einlassen will, sollte jedoch die Finger von Der Spion, der mich liebte lassen.


Fazit

Ian Fleming liefert hier einen sehr ungewöhnlichen Roman ab, der trotz James Bonds sehr spätem Auftauchen spannend ist und zwei seiner denkwürdigsten Gegenspieler aufbietet.


Pro & Contra

+ ungewohnte Struktur
+ mehr Charakterstudie als Thriller
+ zwei in Erinnerung bleibende Gegenspieler
+ ungewöhnliche Handlung und Ort für einen Bond-Roman

Bewertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5


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