7 Detektive Bd.1: Miss Crumble – Das gestiefelte Monster (Herik Hanna, Sylvain Guinebaud, Lou)

Verlag: Splitter-Verlag; (Juni 2020)
Gebundene Ausgabe: 64 Seiten; 16 €
ISBN-13: 978-3962194819

Genre: Krimi


Klappentext

Miss Crumble

England, 1918. Ah, Sweet Cove, du schönstes aller englischen Dörfer, mit deinen gepflegten Gärten und deinen heimeligen Teestuben. Selbst der lange Schatten des Ersten Weltkriegs konnte deinen Charme kaum trüben. Zumindest bis zu dem Tag, an dem der totgeglaubte Graf Crackersmith aus dem Krieg zurückkehrt. Denn der Tod folgt ihm auf dem Fuße: Ein gestiefelter Mörder macht die Runde in Sweet Cove! Ein Glück, dass die pensionierte Dorflehrerin über einen ausgeprägten Spürsinn verfügt und sich des Falls annimmt. Denn Mord ist ihr Hobby! Und für uns Leser entspinnt sich ein im besten Sinne klassisches „Wer war´s?“ zum Miträtseln.


Rezension

Sweet Cove ist eigentlich ein verschlafenes Nest in dem nichts passiert, außer das vielleicht Adelaide Crumble, ehemalige Lehrerin, Kinder aus ihren Beeten vertreiben muss und dies mit recht deutlichen Worten. Denn Miss Crumble nimmt kein Blatt vor den Mund und fürchtet sich nicht davor, sich die Finger schmutzig zu machen. Sie lebt zusammen mit ihrer ehemaligen Schülerin und danach Stellvertreterin Miss Pumcake zusammen. Die kommt eines Tages aufgeregt zu Miss Crumble. Der totgeglaubte Graf ist zurückgekehrt und ihm zu Ehren richtet seine Frau ein großes Fest aus. Bevor es dazu kommen kann, wird Miss Pumcake angegriffen und verletzt und Lieutenant Harlow, der immer treu zu den Crackersmiths stand, tot aufgefunden. Und das Töten geht weiter. Miss Crumble muss ihre detektivischen Fähigkeiten einsetzen, um Täter und Motiv zu finden, ganz zur Freude von Officer Pym, der jede Hilfe zu schätzen weiß.

Der Splitter-Verlag hat nach Elfen, Zwergen und anderen Reihen, die aus Einzelbänden bestehen und abgeschlossene Geschichten erzählen, eine weitere in das Programm aufgenommen, die diesem Prinzip folgt. Das Genre ist jedoch ungewöhnlich, denn nicht Fantasy steht im Zentrum, sondern 7 Detektive präsentiert sieben Krimis, jeweils mit einem Ermittler und einem Fall, den es zu lösen gilt. Dabei werden verschiedene Genre aus allen Bereichen der Krimiliteratur abgedeckt.
Den Beginn machen Herik Hanna und Sylvain Guinebaud, unterstützt von Lou, mit einem ganz klassischen Krimi im Stile einer Agatha Christie oder eines G.K. Chesterton.
Ihr Fall spielt entsprechend am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, während der Erste Weltkrieg kurz vor seinem Ende steht. Ihre Hauptfigur ist Miss Crumble, eine alleinstehende Lehrerin im Ruhestand, die ansonsten aber nur wenig mit einer Miss Marple gemein hat. Miss Crumble ist forsch, scheut nicht davor zurück sich einer deftigen Ausdrucksweise zu bedienen, aufmerksam, hochintelligent und mitfühlend. Diese Eigenschaften machen sie zu einer hervorragenden Hobbyermittlerin, die bald gebraucht wird. Hanna hat mit ihr einen Charakter gestaltet, mit dem der Leser sich sofort verbunden fühlen kann. Die erste Seite dürfte eine der besten Charaktereinführungen in einem Comic sein. Hanna umgibt Miss Crumble mit einem zu ihr passenden Figurenensemble, bei dem jede für die Handlung wichtig ist.
Bei einem Krimi stehen meist aber nicht die Figuren im Mittelpunkt, sondern der Fall und den hat Hanna sehr clever konstruiert und durchdacht. Es gibt immer wieder eine neue Überraschung, eine unerwartete Begebenheit und mehr als nur einen Verdächtigen. Die Rätsel werden mehr und mehr, bis zum gelungenen Ende. Wer mitraten will, kann dies tun, wird sich aber vermutlich nicht alles erschließen können, da der letzte Beweis, erst ganz am Schluss enthüllt wird. Dies passt zu den Vorbildern und klassischen „Wer war´s?“, denn in diesen enthalten die Autoren ebenfalls bis kurz vorm Ende wichtige Informationen vor, um überraschen zu können. Miss Crumble steht hier also in guter Tradition.

Sylvain Guinebaud entwirft hier das Bild der perfekten englischen Kleinstadt, hinter dessen Mauern Geheimnisse verborgen sind. Die Figuren sind teilweise sehr skurril und grotesk in ihrem Aussehen, passen jedoch ideal nach Sweet Cove. Er generiert zusätzlich Spannung und genau die Atmosphäre, die ein solcher Krimi im Sinne der Klassiker braucht.


Fazit

Eine unkonventionelle Ermittlerin, die sagt, was sie denkt, ein teuflischer Plan und ein Verwirrspiel par excellence, dies sind die Zutaten für einen spannenden Krimi aus der Feder von Herik Hanna und gezeichnet von Sylvain Guinebaud, der dafür die passenden Bilder in petto hat.


Pro & Contra

+ sehr gut konstruierter Fall
+ spannend und überraschend
+ skurrile Charaktere

Bewertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


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