Ausblick auf den Bücherherbst 2020

Hallo zusammen,

auch wenn es momentan nicht so einfach ist mit den neuen Programmen, da pandemiebedingt vieles verschoben wurde und wird, will ich Euch einen kleinen Ausblick auf den Herbst geben - mit der Einschränkung, dass sich die Erscheinungsdaten noch ändern können. Aus meinem letzten Ausblick auf den Bücherfrühling 2020 habe ich drei der Titel gelesen und war von "Ich bin Gideon" von Tamsyn Muir extrem begeistert. Endlich mal wieder ein Buch, das meine Erwartungen übertroffen hat!  "Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland" von Christina Henry hat mich dagegen enttäuscht, da es gerne noch düsterer und wahnsinniger hätte sein dürfen und Protagonistin Alice recht schwach rüberkommt. Zu "Zweite Heimat" von Madeleine Puljic steht die Rezension noch aus, weil ich für diesen Erstkontakt-Roman noch nicht die richtigen Worte gefunden habe. Dafür kann ich Euch jedoch zwei andere SF-Leckerbissen ans Herz legen und zwar die stylische Space Opera "Ace in Space" von Judith und Christian Vogt sowie die ägyptische Dystopie "Das Tor" von Basma Abdel Aziz, die durch ihre Bezüge zu realen Ereignissen besonders bedrückend wirkt. Überhaupt haben mich 2020 insbesondere SF-Titel begeistert, daher beginne ich diesen Ausblick auch mit etwas SF:

"Quantenträume" und "Wie künstlich ist Intelligenz?" 

Im September erscheinen gleich zwei vielversprechende SF-Anthologien, die sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz beschäftigen: "Quantenträume" ist die zweite Sammlung chinesischer SF-Geschichten des Heyne-Verlags und mit Hao Jingfang ("Wandernde Himmel") und Qiufan Chen ("Die Siliziuminsel") sind zwei auch bei uns bekannte Autor*innen dabei. Bereits die Anthologie "Zerbrochene Sterne" hat mir gefallen (Rezension folgt), da die chinesische SF unserer zwar sehr ähnelt, aber in vielen Detail doch ganz anders ist. Insbesondere die Cyberpunkgeschichten von Qiufan Chen waren sehr gelungen, insofern freue ich mich, dass er wieder dabei ist, zumal mir die KI-Thematik mehr entgegenkommt. 

Ebenfalls im September erscheint beim neuen SF-Label Plan 9 die deutschsprachige Anthologie "Wie künstlich ist Intelligenz?" von Herausgeber Klaus N. Frick und ich bin sehr gespannt darauf, wo es Ähnlichkeiten und Unterschiede zur chinesischen Anthologie gibt. Die neun Autor*innen versprechen einen bunten Mix und ich freue mich insbesondere auf die Beiträge von Michael Marrak und Judith C. Vogt.

Kleines, aber sehr feines Programm bei Art Skript Phantastik

Kleinverlegerin Grit Richter ist für die liebevolle Gestaltung ihrer Bücher bekannt und bietet uns im Herbst ein kleines,  spannendes Programm mit drei Titeln. Besonders freue ich mich auf die Space-Opera-Anthologie "Bienen oder die verlorene Zukunft", die ihre Leserschaft in eine Zukunft entführen soll, in der Magie und Technik nicht allzu weit voneinander entfernt liegen. Die Novelle "Road to Ombos" von Melanie Vogltanz reizt mich wegen der ägyptischen Mythologie, mit der man mich fast immer kriegt (ich war mal ein großer "Stargate SG-1"-Fan, aber die Serie ist sehr schlecht gealtert), und bei der Anthologie "Steampunk Akte Asien" ist der Name hoffentlich Programm, denn diese Kombination ist leider selten, aber äußerst interessant. 

"Agency" von William Gibson

Wer mich und meinen Lesegeschmack ein bisschen kennt, weiß, dass ich an keinem neuen Buch von William Gibson vorbeigehen kann. "Agency" ist allerdings kein Cyberpunk, sondern ein Gegenwartsroman, der sich dem Thema Künstliche Intelligenz widmet. Inzwischen leben wir in der Zeit, die Gibson in seinen frühen Romanen beschrieb, und auch wenn es noch nicht ganz so düster aussieht und wir keine direkte Verbindung zwischen Gehirn und Internet hinbekommen, so hat er doch stets ein einzigartiges Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen bewiesen (man vergleiche beispielsweise SimStim-Stars mit heutigen Influencern). Zudem liebe ich die schrägen Charaktere Gibsons und bin gespannt darauf, welches Bild er in "Agency" von unserer heutigen Welt zeichnet (leider empfinde ich das Cover als ziemlich misslungen). 

"Diebe der Nacht" von Thilo Corzilius

Eigentlich bin ich für klassische Fantasy momentan weniger zu begeistern, allerdings habe ich eine Schwäche für Schausteller und Diebe und beides vereint Thilo Corzilius in seinem neuen Roman. Die Herbstgänger sind ein bunte Truppe, die tagsüber als Schauspieler die Menschen unterhalten und nachts als Trickbetrüger und Diebe die Stadt unsicher machen - und dabei einer magischen Verschwörung um ein Gemälde, das es nicht geben dürfte, auf die Spur kommen. Hier reizt mich vor allem das Setting in der Lagunenstadt Mosmerano, die vom schicken Cover her an Venedig erinnert - und in diesem Buch kommt vieles zusammen, was meinen persönlichen Geschmack trifft, insofern darf es im September auch mal wieder Fantasy sein. 

Worauf ich mich außerdem freue: Der Trilogieabschluss "Drúdir - Schatten und Scherben" von Swantje Niemann erscheint im Oktober und mir ist noch gut ihre Lesung auf dem BuCon 2019 in Erinnerung (Meeresdrachen und Steampunk!).  

Gerade bei den großen Verlagen fallen die Phantastik-Programme auffällig klein aus. Vieles wurde aufs nächste Jahr verschoben, wobei ich hier noch keine Titel nennen will, da momentan keiner weiß, wie es mit der Pandemie weitergeht. Es lohnt sich ohnehin immer, auch bei den kleineren Verlagen zu schauen, wobei diese ihre Vorschauen meist nicht so früh veröffentlichen und es gerade auch schwer mit der Planung haben (der Verlag ohne ohren teasert aktuell in den Social Media die "Geschichten aus dem Keller", EVT noch unbekannt). Insofern hoffe ich da auf ein paar spannende Titel im Herbst - behaltet unsere Neuerscheinungen im Blick! ;)

Viele Grüße von Eurer

Judith

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