Zweite Heimat - Die Reise der Celeste (Madeleine Puljic)

Droemer Knaur (2020)
Taschenbuch, 304 Seiten, 14,99 EUR
ISBN: 978-3-426-52435-0

Genre: Science Fiction / Erstkontakt


Klappentext

Was, wenn wir im Universum nicht allein sind?

Alvar Lajunen wird Kommandant der ersten Marsbesiedlungsmission. Er hofft, der Menschheit in ihrer zweiten Heimat einen Neubeginn zu ermöglichen. Doch als sie den Roten Planeten erreichen, sind sie dort nicht allein. Ein Schiff der außerirdischen E’Kturi wartet bereits auf die Kolonisten, um herauszufinden, ob die Menschen eine Gefahr für das Universum darstellen. Aus den Siedlern werden Testobjekte, auf Schritt und Tritt beobachtet und beurteilt von einem Volk mit ihnen völlig fremden Moralvorstellungen.

Um seine Familie und seinen Planeten zu schützen, muss Lajunen für eine positive Beurteilung der E’Kturi sorgen – mit allen Mitteln.


Rezension

Alvar Lajunen hat lange darauf hingearbeitet, zu den ersten Siedlern zu gehören, die mit der Celeste zum Mars fliegen und dort eine zweite Heimat errichten. Die Erde ist aus seiner Sicht nicht mehr zu retten, denn der Klimawandel hat große Schäden angerichtet und die Menschheit ändert sich nicht. Also hofft Alvar, auf dem Mars alles besser machen zu können. Gleich zu Beginn erwartet ihn eine gute und eine schlechte Nachricht: Er ist als Kommandant für die Celeste ausgewählt worden! Seine Frau Hana jedoch nicht. Sie wird Jahre später mit einem weiteren Siedlerschiff nachkommen. Hana drängt ihren Mann, den Posten des Kommandanten anzunehmen und seine Chance zu nutzen, auch wenn es ihr das Herz bricht, dass sie so lange getrennt sind. Für die Celeste erweist sich Alvar als Glücksfall, denn der ruhige Skandinavier behält die Nerven, als sie die Nachricht erhalten, dass auf dem Roten Planeten Außerirdische warten …

Die echsenartigen E’Kturi sind der Menschheit technologisch weit überlegen und Teil eines galaktischen Völkerbunds, in dessen Auftrag sie das Gefahrenpotential der irdischen Siedler einschätzen sollen. Solange die Menschen auf die Erde beschränkt waren, waren sie für den Rest der Galaxie uninteressant. Doch da diese nun einen weiteren Planeten besiedeln, sich also technologisch weiterentwickelt haben, könnten die Menschen zur Gefahr werden. Sollten sie diese Befürchtung bestätigen, würden die E’Kturi diese potentielle Bedrohung eliminieren. Um ein Urteil zu fällen, wollen sie die Siedler beobachten, allerdings geben sie von sich selbst und von ihren Bewertungskriterien wenig preis, was zu Unsicherheiten und Spannungen führt.

Die Außerirdischen verfolgen jeden menschlichen Schritt kritisch und nicht einschätzen zu können, was die E’Kturi denken, zehrt an den Nerven aller. Irgendwann auch an Alvars, der nicht nur mit den völlig andersartigen Moralvorstellungen der Aliens zu kämpfen hat, sondern auch mit der wachsenden Unruhe der Siedler. Während die einen vor lauter Angst den Verstand verlieren, glauben andere, dass sie sich gegen die E’Kturi wehren müssen. Alvars Strategie, sich den E’Kturi anzupassen und auf eine positive Bewertung hinzuarbeiten, erhält zunehmend weniger Unterstützung von den Siedlern, bei denen oftmals menschliche Schwächen die Stärken überwiegen.

“Zweite Heimat – Die Reise der Celeste“ wartet mit einem spannenden Erstkontaktszenario auf, das jede Menge Konfliktpotential birgt. Allerdings ist die Umsetzung auf etwas mehr als dreihundert Seiten nur mäßig gelungen. Es bleibt zu wenig Raum, um die Figuren zu entwickeln und so sind viele Charaktere Stereotype wie der nachdenkliche Skandinavier oder der schießwütige Amerikaner. Auch machen die Menschen so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann und man wundert sich manchmal sehr, wie unüberlegt die für die Mission ausgewählten Experten handeln. Ihre Kollegen auf der Erde bekleckern sich auch nicht mit Ruhm und man ist enttäuscht, dass die Menschheit in der Zukunft nichts gelernt zu haben scheint. Von Beginn an vergiften Angst, Misstrauen und Heimlichtuerei das Verhältnis zu den E’Kturi und niemand scheint ein Interesse an einer freundschaftlichen Annäherung und langfristigen intergalaktischen Zusammenarbeit zu haben.

Die E’Kturi machen jedoch auch keine besonders gute Figur. Man erfährt nur wenig über sie und die Siedler haben nur mit wenigen ausgewählten Individuen Kontakt. Alvar ist der einzige, der sich bemüht, eine Verbindung mit einer der Außerirdischen aufzubauen. Abgesehen davon erscheinen die E’Kturi distanziert und arrogant, sie blicken auf die Menschen herab und scheinen ihr Urteil über die „Primitiven“ längst gefällt zu haben. Es erscheint unglaubwürdig, dass eine so hoch entwickelte außerirdische Spezies so voreingenommen und feindselig ist und damit keine fairen Bedingungen für ihr eigenes Bewertungssystem schafft. Ihre Technologie wirkt aus menschlicher Sicht fast magisch und über ihre Heimatwelt und andere raumfahrende Spezies erfährt man nichts, dabei wäre vor allem die außerirdische Kultur spannend gewesen.

Madeleine Puljic beschreibt die Erstbesiedlung des Mars authentisch und hat die technischen Hintergründe gut recherchiert. Man kann die einzelnen Arbeitsschritte, die zur Errichtung einer Kolonie notwending sind, gut nachvollziehen. Dafür verhält sich die NASA auf der Erde wie man es aus diversen SF-Filmen kennt. Alvars Frau Hana werden Informationen vorenthalten und als die Situation sich zuspitzt, bekommt sie die militärische Härte zu spüren. Auch wenn die Geschichte viele Klischees enthält, so gelingt es der Autorin zum Schluss, zu überraschen und die Menschen in ein besseres Licht zu rücken. Leider zu spät. 


Fazit

”Zweite Heimat – Die Reise der Celeste“ bietet ein faszinierendes Erstkontaktszenario, das sein Potential in der Kürze des Romans und mit den vielen Klischees leider nicht entfalten kann. Über die außerirdischen E’Kturi erfährt man viel zu wenig und die Menschen zeigen zu oft nur ihre Schwächen, auch wenn sie am Ende nochmals Stärke beweisen und Madeleine Puljic ihre Leserschaft zu überraschen vermag.


Pro und Contra

+ spannendes Erstkontaktszenario
+ Alvars innere Konflikte sind glaubhaft dargestellt
+ technische Details erscheinen gut recherchiert und authentisch
+ gelungener Plottwist am Schluss

- stereotype Charaktere
- über die E’Kturi erfährt man viel zu wenig
- zu viele negativ behaftete Klischees

Wertungsterne3

Handlung: 2,5/5
Charaktere: 2,5/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3/5

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