Batman: Kreatur der Nacht (Kurt Busiek, John Paul Leon)

Verlag: Panini (August 2020)
Softcover: 220 Seiten; 23 €
ISBN-13 : 978-3741609794

Genre: Drama/ Superhelden


Klappentext

Finstere Fledermausfantasie

Der junge Bruce Wainwright liebt seine Batman-Comics. Doch als seine Eltern von Einbrechern umgebracht werden, läuft es nicht so ab wie in den Bildergeschichten mit dem Dunklen Ritter – denn in der echten Welt gibt es keine Superhelden. Dann aber scheint es auf einmal, als würden Fantasie und der Kummer des Jungen als dämonische Kreatur der Nacht Gestalt annehmen und lebendig werden, um den einsamen, verbitterten Bruce beizustehen …

Eine Batman-Geschichte wie keine andere, meisterhaft geschrieben vom preisgekrönten Autorenstar Kurt Busiek (SUPERMAN, ASTRO CITY) und fantastisch gezeichnet von Ausnahmekünstler John Paul Leon (STATIC, Erde X).


Rezension

Bruce Wainwright verliert früh seine Eltern. Sein einziger Halt ist sein Kindheitsheld und Comicfigur Batman. In seiner Phantasie vermischen sich Realität und Comic und der Mord an seinen Eltern lässt ihn Jahre später noch nicht los. Es scheint, die Täter würden nicht gefunden, bis eines Tages eine seltsame schattenhafte Kreatur erscheint. Sie nimmt Rache und steht für Bruce ein. Aber ist sie auch echt?

Kurt Busiek hat im Laufe seiner Karriere mehr als nur einen ungewöhnlichen Comic im Superheldengenre geschrieben. Da wäre SUPERMAN: GEHEIMIDENTITÄT oder auch Marvels. Mit Kreatur der Nacht erzählt Kurt Busiek nun eine äußerst ungewöhnliche Batmangeschichte. Der Dunkle Ritter selbst taucht tatsächlich gar nicht auf, er ist wie in unserer Welt in der Realität des Comics nur Fiktion. Stattdessen ist Bruce Wainwright, ein Junge, der Batmancomics liebt, die Hauptperson. Wie Bruce Wayne verliert er seine Eltern und muss feststellen, dass die Realität härter ist als jeder Superheldencomic.
Kurt Busiek geht also davon aus, dass Batman nur Fiktion ist und mit dieser Prämisse taucht er tief in den Batmanmythos ab und untersucht ihn. Seine Hauptfigur ist wie Bruce Wayne von Schmerz, Wut und Trauer erfüllt und durch diese Emotionen manifestiert sich der Wunsch in ihm, Batman wäre real. Wie es aber mit Wünschen so ist, man sollte immer vorsichtig sein, mit dem, was man sich wünscht. Und so entsteht eine Kreatur, die Batman ähnelt und bei der weder Leser noch Bruce Wainright sicher sein können, ob sie wirklich existiert oder nur in der Vorstellungskraft von Bruce. Kurt Busiek legt für beide Interpretationen Fährten, die Entscheidung liegt beim Leser.
Er baut seine Geschichte auf den Figuren des Batmankosmos auf und interpretiert sie im Sinne der Geschichte neu und dies ist sehr spannend zu lesen. Jeder wichtige Charakter hat eine Entsprechung in der Welt der Superhelden, ist jedoch so verändert, dass sie sich in der Realität des Comics perfekt einfügt.
Kreatur der Nacht strotzt vor kreativen Einfällen und ungewohnten Sichtweisen auf Batman und erweitert den Batmanmythos auf eine sehr ungewohnte aber geniale Weise. Es bestätigt sich mal wieder: Die anspruchsvollsten Superheldengeschichten lassen sich am Besten immer noch mit Batman erzählen. Kreatur der Nacht mit seinen Themen rund um Trauer, Verlust, Tod und Wahnsinn ist der beste Beweis dafür. Kurt Busiek zeigt hier eindrucksvoll, wie ein Batmancomic ohne Batman funktionieren und dabei sehr viel Tiefgang und eine Aussage haben kann.

John Paul Leon bildet die Geschichte nicht mit klaren Linien ab, sondern erzählt in einem rauen Stil mit breiten Linien die Vorgänge rundum Bruce Wainwright. So kommt dessen innere Zerrissenheit, seine Unsicherheit und seine Wut besser zum Ausdruck. Sein „Batman“ ist eine schattenhafte Kreatur, mehr ein Schemen, ein Geist, als eine Person. In düsteren Zeichnungen wirft er einen Blick auf den Hauptcharakter und seine Welt und zeigt durch sie bereits, wie gefangen sich Bruce Wainwright fühlen muss, wie sehr er leidet. John Paul Leons emotionaler und dramatischer Stil passt wie die Faust aufs Auge zu dieser Geschichte über Trauer, Verlust, Ängste und Wut und dem Gefühl hilflos zu sein.

Das Bonusmaterial ist hervorragend. Neben Zeichnungen und Skizzen von John Paul Leon ist ein Nachwort von Kurt Busiek enthalten, in dem man sehr viel über die Entstehung von Kreatur der Nacht erfährt.


Fazit

Kreatur der Nacht ist eine der düstersten und besten Batmangeschichten, ganz ohne Batman. Anspruch und Tiefe werden durch die Zeichnungen verstärkt. Was Kurt Busiek und John Paul Leon hier abliefern ist ein Pflichtcomic für jeden Fan.


Pro & Contra

+ spricht viele Themen an
+ funktioniert auf einer emotionalen Ebene
+ ungewöhnliche Sicht auf den Dunklen Ritter

Bewertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren