Road to Ombos (Melanie Vogltanz)

Art Skript Phantastik (2020)
Taschenbuch, 144 Seiten, 7,00 EUR
ISBN: 978-3-945045-52-7

Genre: Urban Fantasy / ägyptische Mythologie


Klappentext

Seth, Herr von Ombos und abtrünniger Gott des Chaos, findet sich unversehens im modernen Las Vegas wieder. Niemand fürchtet ihn, niemand huldigt ihm und seine göttlichen Kräfte gehorchen ihm nicht mehr. Glücklicherweise muss er diese missliche Lage nicht allein durchstehen. Tara, Billy und Fernando, eine Gruppe von wohnungssuchenden Außenseitern, nehmen den gefallenen Gott unter ihre Fittiche und weihen ihn in die Magie von Punk, Bikes und Bier ein. Fast könnte Seth sich an dieses Dasein gewöhnen – doch dann beginnen Obdachlose aus der Stadt zu verschwinden. Offenbar ist Seth nicht der einzige Gott, den es in diese Zeit verschlagen hat, und nicht alle sind den Sterblichen so freundlich gesinnt. Am Horizont über Vegas braut sich eine Bedrohung transzendenten Ausmaßes zusammen. Wird es Seth gelingen, ihr ohne seine Kräfte standzuhalten?


Rezension

Der Übertritt des ägyptischen Gottes Seth in die Gegenwart ist eine kalte und nasse Angelegenheit. Kaum ist er erwacht, ertrinkt er beinahe in einem Fluss. Die Außenseiter Billy, Tara und Fernando fischen ihn aus dem Wasser und nehmen ihn mit in ihr Lager. Als Seth verkündet, dass er ein Gott sei, der Herr von Ombos und Gebieter über das Chaos, halten die anderen ihn für einen Junkie. Und da Seth seine Kräfte verloren hat, kann er ihnen seine Göttlichkeit nicht beweisen und steht völlig mittellos da. Also bleibt er vorerst bei den Wohnungslosen und schaut sich die Welt an, in der er gelandet ist: In Las Vegas sieht man keine Sterne am dunkelgrauen Himmel und die Menschen scheinen den Göttern nicht mehr zu huldigen. Seth ist unzufrieden, doch sein neues Leben hat auch Vorzüge (wie Bier und Motorräder). Als immer mehr Obdachlose spurlos verschwinden, erkennt Seth, dass er nicht der einzige Gott in Las Vegas ist …

Über die Hintergründe, warum Seth gefallen und in den USA gelandet ist, erfährt man in der Kürze der Novelle „Road to Ombos“ nichts. Man muss einfach hinnehmen, dass er da ist und zunächst reicht seine göttliche Arroganz vollkommen aus, um die Leserschaft zu unterhalten. Seth schert sich nicht darum, dass man ihn für verrückt oder drogenabhängig hält. Auch ohne seine Kräfte ist er sich seiner Göttlichkeit bewusst und erwartet Respekt von den Menschen – den er natürlich nicht bekommt. Immerhin befindet er sich in Gesellschaft von Wohnungslosen und damit Ausgestoßenen. Wenn er Billy, Tara und Fernando von seinem früheren Leben erzählt, prallen sprichwörtlich Welten aufeinander, was zu amüsanten Dialogen führt. Doch die drei sind auch liebenswerte Charaktere, die das Wenige, das sie haben, teilen und Seth akzeptieren, trotz seiner für sie verrückt klingenden Erzählungen.

Seth freundet sich insbesondere mit dem gehörlosen Fernando an und überrascht die anderen damit, dass er Gebärdensprache beherrscht (genauso wie Englisch, denn immerhin die göttliche Fähigkeit, verschiedenste Sprachen zu sprechen, ist ihm geblieben). Mit Fernando spricht Seth über seine Familie und Melanie Vogltanz lässt hier einige interessante Elemente der ägyptischen Mythologie einfließen und Seth zeigt seine ruhige, verletzliche Seite. Die Beziehung zu Billy und Tara bleibt dagegen eher oberflächlich, weil man über die beiden recht wenig erfährt. Dafür lernt man bald die Kriegsgöttin Sachmet kennen, die sich im modernen Las Vegas besser zurechtfindet als Seth. Zumindest hat sie schnell verstanden, wie man an Geld und Informationen kommt.

Die verschwundenen Obdachlosen sind nur ein Mysterium, mit dem Seth in „Road to Ombos“ konfrontiert wird. Mit dem Wetter stimmt etwas nicht und als es beginnt, unaufhörlich zu regnen, bahnt sich eine große Katastrophe an. Auch wenn die Handlung an sich spannend ist und die einzelnen Elemente gut ineinander greifen, ist eine Novelle letztlich zu kurz, um Seth wirklich gerecht zu werden. Bei vielen gelungenen Szenen bleibt das Gefühl, dass die Autorin diese noch weiter hätte ausbauen können. Zudem spielt sich die Novelle nur auf der Schattenseite von Las Vegas ab und auch diese wird unzureichend beleuchtet. Aus der Idee, ägyptische Gottheiten wie Seth im modernen Las Vegas auferstehen zu lassen, müsste man mindestens einen Roman, wenn nicht mehrere machen.


Fazit

”Road to Ombos“ begeistert mit einem coolen Mix aus ägyptischer Mythologie und urbanem Wüstenflair. Eine ambivalente, finstere Gottheit wie Seth macht sich auf der Schattenseite des glitzernden Las Vegas mehr als gut. Leider kann sich die Idee in der Kürze einer Novelle nicht richtig entfalten und die Handlung erscheint für die wenigen Seiten überladen, auch wenn sie durch das hohe Erzähltempo durchweg spannend bleibt. 


Pro und Contra

+ ägyptische Mythologie als Urban Fantasy
+ Wüstenflair von Las Vegas
+ Seth als ambivalenter, grimmiger Protagonist
+ liebenswerte Nebencharaktere
+ humorvoll und dramatisch
+ gelungene Gestaltung des kleinen Taschenbuchs

- die Kürze einer Novelle reicht nicht, um der Idee gerecht zu werden
- Billy und Tara bleiben zu blass

Wertungsterne3.5

Handlung: 3/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3,5/5


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