Die Ballade von Halo Jones Bd.1 (Alan Moore, Ian Gibson, Barbara Nosenzo)

Verlag: Panini (September 2020)
Gebundene Ausgabe : 72 Seiten; 17 €
ISBN-13 : 978-3741620690

Genre: Science Fiction


Klappentext

Sie will einfach nur weg!
… von allem.

Die junge Halo Jones hat ihr Leben im sogenannten „Ring“ gründlich satt. Dabei handelt es sich um eine Art futuristischen Slum im 50. Jahrhundert, in dem Jobs rar gesät sind und so etwas wie Spaß nicht existiert. Doch Halo will mehr. Sie will die Galaxis kennenlernen. Aber in einer Stadt, in der es aus geringstem Anlass zu gefährlichen Krawallen kommt und selbst ein Einkaufsbummel ein riskantes Unternehmen ist, könnte der Preis der Freiheit deutlich höher ausfallen, als Halo es sich ausgerechnet hat.

Dieses Meisterwerk der britischen Comic-Kunst erzählt die Geschichte von Halo Jones... von ihren bescheidenen Anfängen bis hin zu ihren galaxisweiten Abenteuern.

„Kult... am Ende von Halo Jones hatte ich Tränen in den Augen.“ Neil Gaiman


Rezension

Halo Jones wohnt im Ring. Ein Ort der im Atlantik schwimmt und der mehr Elendsviertel ist. Es ist ein gefährlicher Ort, den nur wenige verlassen können. Halo will dies unbedingt, denn sie hat es satt, ständig um ihr Leben zu fürchten und Freunde an die Sekte der Trommler zu verlieren. Nach einer nervenaufreibenden Einkaufstour mit ihrer Freundin Rodice hat Halo die Nase voll und reist aufs Festland, um Arbeit zu suchen. Die findet sie auf dem Raumschiff Clara Pandy.

2000 AD ist ein legendäres britisches Comicmagazin, auf dessen Seiten unter anderem Judge Dredd das Licht der Welt erblickte – und eben Halo Jones, geschrieben von Alan Moore und illustriert von Ian Gibson. Alan Moore dürfte nicht vorgestellt werden müssen. Der Autor von V wie Vendetta, Liga der außergewöhnlichen Gentlemen, From Hell, Swamp Thing und vielen anderen genießt selbst mittlerweile Legendenstatus, auch wenn er als etwas schwierig gilt, gerade in Bezug auf Verfilmungen seiner Stoffe.
Halo Jones schuf er nun gemeinsam mit Ian Gibson, mit dem er unbedingt diese Geschichte umsetzen wollte. Eine Geschichte, die gleichzeitig den Zeitgeist der achtziger Jahre atmet und doch vieles anders macht, als es damals gewohnt war.
Halo Jones ist keine typische Frauenfigur in einem Comic. Weder ist sie jemand der dauernd in Not gerät, noch ist sie übertrieben dargestellt und eine Kämpferin, die noch dazu unheimlich gut aussieht. Sie ist einfach eine Frau, die überleben will. Alan Moore wirft sie auch nicht einfach in eine wilde Geschichte, sondern präsentiert dem Leser in diesem Band mehr oder weniger ihr Alltagsleben und wie es dazu kommt, dass sie unbedingt den Ring verlassen will. Selbstverständlich gibt es dafür Ereignisse, die alles etwas aufregender gestalten, aber Moore baut nicht auf Action und Gewalt. Er erzählt und der Leser folgt ihm bereitwillig in die verrückte Welt von Halo Jones.
Und die ist wirklich verrückt.
Völlig unvorbereitet wirft Alan Moore den Leser in die Geschichte und der braucht erst einmal etwas Zeit sich in dieser dystopischen Welt zurechtzufinden, in der es von skurrilen Figuren, wie Roboterhunden, die sprechen können, absonderlichen Gegenständen und Waffen und wahnsinnigen Kulten nur zu wimmeln scheint. Halo Jones wird dadurch zur Satire und Gesellschaftskritik, wenn man bereit ist in die Tiefe zu gehen und vergisst dennoch nicht zu unterhalten. Obwohl nicht viel passiert, folgt man Halo Jones und Rodice auf ihrem Weg durch den Ring sehr gerne und lässt sich von ihr und ihren Freunden unterhalten.
Alan Moore lässt seine Charaktere in einen seltsamen Zukunftsdialekt sprechen, der stark an andere Serien aus den 80ern erinnert und für die Zeit im Bereich der Science Fiction-Satire recht typisch war. Dadurch wird das Verständnis hin und wieder etwas erschwert, es sorgt aber dafür, dass der Leser noch mehr in die Welt von Halo Jones hineingezogen wird.

Am auffälligsten an die Zeit der Entstehung erinnern die Zeichnungen von Ian Gibson, die den Einfluss der achtziger Jahre nicht verhehlen können. Die Figuren sind alle etwas kantig und übertrieben. Die Kleidung erinnert stark an die damaligen Designerklamotten. Wer wissen will, was das heißt, braucht nur einen Film ansehen, der damals gedreht wurde und in der High Society Hollywoods spielt. Das trägt aber nur zum Lesespaß bei. Die Farben von Barbara Nosenzo sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits machen sie Halo Jones für eine breitere Leserschaft interessanter, schwarz-weiße Zeichnungen sind nicht so beliebt, andererseits war Halo Jones ursprünglich schwarz-weiß gedacht und dürfte so am Besten wirken, wenn man von der einen Seite im Anhang ohne Farbe ausgeht und sie mit den recht knalligen und relativ flächig gestalteten Farben auf den anderen Seiten vergleicht.

Das Bonusmaterial ist relativ umfangreich. Neben zwei Artikeln von Ian Gibson und Alan Moore zur Entstehung sind Cover enthalten und eine Seite, in der der Ring vorgestellt wird und damit der Hintergrund der Welt. Diese Seite wäre direkt am Anfang gar nicht so schlecht gewesen, da dann der Leser bereits zu Beginn ein paar nötige Informationen gehabt hätte.


Fazit

Mit Halo Jones findet ein Klassiker der britischen Comics endlich seinen Weg nach Deutschland. Das Warten hat sich gelohnt, Alan Moore lässt seine Heldin in einer verrückten Dystopie viel erleben und nimmt sich dennoch Zeit fürs Erzählen.


Pro & Contra

+ viele kreative Ideen
+ entfaltet sich langsam

Bewertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4,5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln Halo Jones:

Rezension zu Halo Jones Bd.2

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