Der Schweinehund Bd.1 – Isabel (Régis Loisel, Olivier Pont)

Verlag: Carlsen; (Oktober 2020)
Gebundene Ausgabe: 96 Seiten; 18 €
ISBN-13 : 978-3551793577

Genre: Thriller


Klappentext

„Wisst ihr, es mag naiv sein, aber ich dachte, wenn ich herkomme, finde ich schon jemanden, der uns gekannt hat und mir was erzählen kann...“

Die neue große Amazonas-Saga von Régis Loisel, großartig in Szene gesetzt von Olivier Pont.


Rezension

Max reist 1972 in den brasilianischen Dschungel nach Kalimboantão. Er ist auf der Suche nach seinem Vater von dem er nichts hat, außer einem alten Foto. Auf seinem Weg lernt er die drei Freundinnen Corinne, Christelle und Charlotte kennen. Corinne ist Lebenskünstlerin und die anderen beiden Krankenschwestern, die eine Krankenstation im Dschungel übernehmen sollen. Max´ Suche führt ihn auf den Weg in das Camp Herman. Unterwegs hat er eine erschreckende Begegnung mit Menschenhändlern. Max flüchtet mit der schönen Baia in den Dschungel und versucht seinen Verfolgern zu entkommen.
Christelle und Charlotte geraten ebenfalls in Gefahr, als zwei Holzfäller bei ihnen auftauchen, die nur eines im Sinn haben.

Loisel ist ein Name der großes Gewicht im Bereich der Comics besitzt. Gerade ist bei Carlsen seine Reihe Das Nest in einer Gesamtausgabe erschienen, die wohl mit zum Besten gehört, was das Medium Comic zu bieten hat. Die Erwartungen an Der Schweinehund sind also hoch, zumal er auch mit Peter Pan und Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit ebenso bewiesen hat, welch guter Erzähler er ist.
Der Auftaktband von Der Schweinehund kann diese Erwartungen nicht ganz erfüllen. Die Geschichte hat zwar alle Zutaten für ein großes Abenteuer und einen packenden Thriller. Allerdings bis jetzt nichts, was darüber hinaus gehen und sie zu etwas besonderem machen würde. Es sind alles altbewährte Zutaten, die so oder ähnlich häufig genug zusammengeführt wurden. Etwas neues oder ungewöhnliches fügt Loisel hier nicht hinzu. Der geniale Moment oder Funke, der sich z.B. in Das Nest wiederfindet, ist hier nicht vorhanden. Zumindest bis jetzt nicht.
Allerdings hat Loisel dann doch ein paar etwas seltsam anmutende Entscheidungen getroffen. Warum es für die Geschichte wichtig sein sollte, dass Max sich nach einer Nacht mit Corinne einen Tripper einfängt, ist die eine Frage.
Die andere, warum in dieser vollkommen realistischen Geschichte am Ende auf ein Mal ein Geist auftaucht oder zumindest etwas ähnliches.
Diese beiden Elemente wirken in dem ansonsten solide geschriebenen Thriller fehl am Platz, aber dies kann sich mit den nächsten beiden Bänden ändern. Positiv hervorzuheben sind die Charaktere, die genug Ecken und Kanten besitzen, um sie für den Leser interessant zu machen und die jede für sich, das ein oder andere Rätsel birgt. Für Kinder und Jugendliche ist dieser Band mit Sicherheit nichts, dafür ist der Anteil an Sex und Gewalt zu hoch, aber das war ein Loisel eigentlich nie so ganz.

Régis Loisel hat die Zeichnungen bei Der Schweinehund Olivier Pont überlassen. Der ist zwar kein Loisel, aber er ist wirklich gut und hat seinen ganz eigenen Stil. Er überzeichnet seine Figuren, macht sie jedoch nicht zu Karikaturen. Dadurch schafft er einen Kontrapunkt zur recht düsteren Geschichte und lässt Max und seine Freunde in einem guten Licht dastehen. Im Falle der Menschenhändler und der Holzfäller hebt das nur ihre Bösartigkeit weiter hervor. Die Darstellung des brasilianischen Dschungels ist ihm zudem ganz besonders gut gelungen.


Fazit

Der Schweinehund startet mit einem routiniert geschriebenen Auftaktband, der bei manchen Dingen den Leser etwas ratlos ob ihrer Bedeutung für die Geschichte zurücklässt. Max´ Suche nach seinem Vater könnte, wie angedeutet, noch so manche Wendung nehmen.


Pro & Contra

+ alle Zutaten für einen spannenden Thriller
+ gute Zeichnungen
+ interessante Figuren

- manch seltsam wirkende erzählerische Entscheidung

Bewertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 4/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Régis Loisel:

Rezension zu Das Nest Gesamtausgabe Bd.1

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