Disenchanted Bd.1 (Simon Spurrier, German Erramouspe)

Verlag: Dantes Verlag (Juni 2020)
Gebundene Ausgabe: 160 Seiten; 22 €
ISBN-13 : 978-3946952534

Genre: Fantasy/ Thriller


Klappentext

Niemand interessiert sich noch für das kleine Volk.

Einst waren sie die tragende Säule der Folklore: Kobolde, Leprechauns, Pixies und Elfen. Aber heute? Enteignet, vertrieben, vergessen und ihre eigenen Traditionen anzweifelnd, sind sie nach Vermintown migriert, eine riesige und abscheuliche Millionenstadt voller nicht einmal drei Zentimeter großer Unzufriedener, die sich in einer verlassenen, nie in Betrieb genommenen U-Bahn-Haltestelle im Londoner Untergrund ausbreitet. Hier machen die alten Mythen der Verderbtheit Platz, den Drogen, dem Rassenhass und Bandenkriegen. Vermintown...
wohin die Magie ging, um zu sterben.

In diesem Ozean aus Hemmungslosigkeit und Hexenwerk kämpft eine Familie gegen den Untergang. Doch wie sollen sie den alten Bräuchen und ihrer Kultur treu bleiben – und vor allem: einander -, wo eine ganze Stadt es darauf abgesehen zu haben scheint, sie auseinanderzureißen?

Geschrieben von Simon Spurrier (X-Men, Legacy, Crossed) und umgesetzt von German Erramouspe (Crossed, God is Dead), ist Disenchanted ein Großstadt-Thriller, der den überkommenen Märchenerzählungen von Elfen und Feen eine rostige Klinge zwischen die Schulterblätter stößt.

Was sollst du auch tun, wenn niemand an dich glaubt?


Rezension

Vor langer Zeit sind die Elfen aus den Wäldern und Auen nach London gekommen und leben dort nun in einer Stadt, errichtet in einer alten U-Bahn-Haltestelle. Dort herrscht das Chaos und mittendrin ist die Familie Leveret, die nichts anderes versucht, als zu überleben.

Feen und Elfen sind wunderschöne, magische Wesen und haben so niedliche Namen wie Glöckchen – zumindest wenn Disney geglaubt werden darf. Aber auch ansonsten tauchen sie meistens sehr positiv und edel in Märchen und Legenden auf. Nicht so bei Simon Spurrier, in seiner Version der Elfen und anderen Fabelwesen ist Glöckchen höchstens ein Schimpfwort, welches pure Verachtung ausdrückt. Ansonsten sind die Fabelwesen tief gefallen und leben nun an einem dunklen Ort größtenteils in Armut und Elend. Statt in Wäldern und Auen leben sie in einer verdreckten, trostlosen Stadt, die aus Abfällen der Menschen in einer vergessenen U-Bahnstation errichtet wurde. Kobolde haben in der Stadt das Sagen und der Rest versucht zu überleben und betätigt sich häufig als Müllsammler, ist in einer Gang oder betäubt sich mit Drogen. Simon Spurriers Blick auf die Welt der Feenwesen ist wahrlich kein schöner. In seiner Welt müssen die Elfen und andere Arten der Feen um ihr Überleben kämpfen und dabei ertrinken sie beinahe in einem Sumpf aus Gewalt und Zerstörung.
Zeigen tut dies Spurrier anhand der Familie der Ältesten Tibitha Leveret. Ihre Tochter ist bei der Polizei, während ihr Sohn durch Schulden immer tiefer in die Kriminalität abrutscht und auch ihre Enkel sind nicht gerade Vorzeigeschüler. Während Tael sich noch darum bemüht, die alten Wege zu lernen, will Fig sich unbedingt einer Gang anschließen.
Rassenhass, Sex und Gewalt bestimmen das Leben in Vermintown, einer Millionenstadt, die sich nicht mehr von denen der Menschen unterscheidet. Simon Spurrier kommt so im Gewand der Fantasy auf viele Themen zu sprechen, die aktueller nicht sein könnten. Er wirft anhand der Familie Leveret einen genauen Blick auf die Probleme der Stadt.
Dies bettet er ein in eine äußerst spannende Geschichte, bei der das Ende nur auf eins zusteuern kann – den Abgrund. Disenchanted wird dadurch zu einem harten Großstadtthriller, der nichts beschönigt und der in mehr als nur einem Moment an Frank Millers Klassiker Sin City erinnert - nur das Simon Spurrier der bessere Autor ist und was zu sagen hat.

German Erramouspe und Simon Spurrier haben jeweils zwar an Crossed mitgearbeitet, aber bei Disenchanted arbeiten sie nun zusammen. German Erramouspe fällt dabei die Aufgabe zu, für Simon Spurriers Geschichte die passenden Bilder zu finden und dies gelingt ihm gerade bei der Gestaltung von Vermintown unheimlich gut. Alles scheint in einem Zustand des Verfalls zu sein, freundliche Orte praktisch nicht zu existieren. Die Charaktere wirken alle größtenteils mehr oder weniger verbraucht und als ob sie ihr Ende nahen sehen. Dennoch hätte die Zeichnungen gerade bei den Charakteren besser sein dürfen. Manchmal macht es sich Erramouspe zu einfach und zeichnet gerade die Gesichter einfach zu grob. Auch wenn eine gewisse groteske und hässliche Darstellung durchaus passend ist, fehlt eine gewisse Konsistenz in den Zeichnungen. Das hätte gerne deutlich besser ausfallen dürfen, gerade bei einer so starken Handlung wie sie Disenchanted besitzt.

Neben Anmerkungen, die manche Aspekte der Geschichte erläutern und verständlicher machen, befindet sich am Ende ein umfangreicher Artikel zur Geschichte von Vermintown, zu Längenmaßen und Zeitmessung und zu Tibitha Leveret. Zudem werden in der Einführung äußerst gelungen die Hauptpersonen vorgestellt.


Fazit

Disenchanted ist das Sin City der Fantasy. Feen und Kobolde schlagen sich durch eine düstere Welt, in der Simon Spurrier einen harten Thriller inszeniert, der nichts für schwache Nerven ist.


Pro & Contra

+ hart & dreckig
+ Elfen und Feen ganz anders interpretiert und doch vertraut
+ sehr gutes und umfangreiches Bonusmaterial

0 Zeichnungen hätten besser sein dürfen

Bewertung:

Charaktere: 4,5/5
Handlung: 4,5/5
Zeichnungen: 3,5/5
Preis/Leistung: 4,5/5

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