Western (Jean Van Hamme, Grzegorz Rosiński)

Verlag: Splitter; (September 2020)
Gebundene Ausgabe: 72 Seiten; 19,80 €  
ISBN-13 : 978-3962195137

Genre: Western


Klappentext

Wyoming, 1858. Im zarten Alter von vier Jahren wurde der kleine Eddie van Deer entführt, vermutlich von Lakota-Sioux. Sein Onkel Ambrosius, einer der größten Viehzüchter im Westen, lobt daher eine Belohnung von stolzen 1000 Dollar für denjenigen aus, der seinen Neffen wohlbehalten zurückbringt. Zehn Jahre später fehlt von dem Jungen immer noch jede Spur. Doch der Abenteurer Jess Chisum hat eine neue Idee, wie er an die Prämie kommen kann...


Rezension

Wyoming, 1868. Ambrosius Van Deer kommt nach Fort Laramie. Dort wurde sein von Lakota-Sioux entführter Neffe gefunden. Das behauptet zumindest Jess Chisum. Ambrosius überzeugt sich davon und Jess Chisum sieht schon die ausgelobten 1000 Dollar in seiner Tasche. Aber Ambrosius Van Deer ist nicht gekommen, um seinen Neffen zurückzuholen, sondern um ihn zu töten und sein Erbe zu sichern. Und er kann keine Zeugen gebrauchen. Nathan Chisum, der sich als Eddie Van Deer nur ausgegeben hat, überlebt die Schießerei und tötet Ambrosius. Er verliert einen Arm dabei und schlägt sich fortan als Gelegenheitsarbeiter durchs Leben, bis er eine Bande Banditen zur Strecke bringt und zum Gesetzeshüter aufsteigt, aber das ist noch lange nicht das Ende seines Weges.

Van Hamme und Rosinski sind als Team eher weniger für Western bekannt, sondern mehr für ihre langjährige Zusammenarbeit bei der Reihe Thorgal, einem Fantasycomic in der Welt der Wikinger. Daneben zeichnet Van Hamme unter anderem auch für XIII und Largo Winch verantwortlich und Rosinski für Hans. Ein Western war also im Jahr des erstmaligen Erscheinens des Bandes, 2001, eine absolute Überraschung und das letzte mit dem bei diesem Team gerechnet werden konnte.
Der Titel Western wirkt auf den ersten Blick etwas einfallslos, allerdings könnte er treffender nicht sein. Denn die Handlung von Western wirkt, als ob Van Hamme versucht hätte, das gesamte Genre in einer Geschichte zu destillieren. Und dies ist es, dass Western zu einem großen Drama und Abenteuer werden lässt und damit tatsächlich zu einer Zusammenfassung des Genres. In Van Hammes Geschichte finden sich alle wichtigen Zutaten, um dies zu erreichen. Es gibt die skrupellosen Geschäftemacher, einen von Indianern entführten Jungen, Banditen, zwielichtige Gesetzeshüter und natürlich auch eine Ranch. Dies alles packt Van Hamme in eine spannende Geschichte und reichert es mit interessanten Figuren an, die so ziemlich alle desillusioniert zu sein scheinen und nur überleben wollen. In diesem Sinne ist Western eher dem Filmgenre des Spätwestern zuzuordnen, als den Edelwestern, die eher strahlende Helden präsentierten, die gibt es hier aber nicht. Van Hamme beweist mit diesem Comic sein erzählerisches Können und das eine gute Geschichte egal vor welchem Hintergrund eine gute Geschichte ist. Eine solche legt er hier vor und macht aus Western ein Drama mit Actionanteilen und nicht Action ohne Sinn und Verstand. Und auch wenn das Ende nicht ganz rund und etwas unglaubwürdig ist, schwächt es die Geschichte nicht ab. Jean Van Hamme hat hier einen echten Western in all seiner Härte und all seinen Emotionen vorgelegt.

Rosinski ist ein Meister seines Faches und auch wenn dies sein einziger Ausflug in das Westerngenre ist, so zeigt er klar und deutlich, dass er hierfür genauso das richtige Gespür hat, wie z.B. für Fantasy. Mit seinem klarem Strich, der nichts beschönigt, begleitet er Nathan Chisums Lebensweg. Wie Van Hamme bei seiner Handlung orientiert auch er sich ganz klar bei den großen Western und nimmt ikonische Bilder und Einstellungen und überträgt sie auf die Geschichte. Dadurch entsteht ein hoher Lesefluss und die Geschichte ist äußerst spannend. Und da die Handlung nicht gerade positiv ist, sondern eher düster und melancholisch, hält er seine Zeichnungen in Sepiatönen, die die Atmosphäre verstärken und die Handlung noch intensiver werden lassen. Durchbrochen wird die Handlung immer wieder durch doppelseitige Gemälde von Rosinski, die altbekannte Motive des Genres auf ihre eigene Art und Weise einfangen, und wirken, als stammten sie aus Filmen.


Fazit

Unter dem Deckmantel eines Western versteckt sich die tragische Lebensgeschichte eines jungen Mannes und seiner Familie. Rosinski und Van Hamme liefern hier große Unterhaltung und einen fast perfekten Western ab.


Pro & Contra

+ tragisch und spannend
+ fasst das Genre zusammen
+ sehr gute Zeichnungen

Bewertung:

Charaktere: 4,5/5
Handlung: 4,5/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4,5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Jean Van Hamme:

Rezension zu XIII – Gesamtausgabe 1
Rezension zu XIII – Gesamtausgabe 2
Rezension zu XIII – Gesamtausgabe 3
Rezension zu XIII – Gesamtausgabe 5

Tags: Western