47 Ronin (Mike Richardson, Stan Sakai)

Verlag: Dantes Verlag (Dezember 2020)
Gebundene Ausgabe: 152 Seiten; 22 €
ISBN-13: 978-3-946952-68-8

Genre:  Legenden/ Samurai


Klappentext
 
„Wer diese Geschichte kennt, der kennt Japan.“

Dies ist Japans Nationallegende, endlich in Comicform. Mike Richardson (Star Wars: Crimson Empire) und Stan Sakai (Usagi Yojimbo) erwecken, unter dem kritischen Blick Kazuo Koikes, des Autors des Jahrhundert-Gekigas Lone Wolf & Cub, die womöglich grandioseste Racheerzählung der Weltgeschichte zu neuem Leben. In der Mission der knapp vier Dutzend Gefolgsmänner des dem Untergang geweihten Asano-Clans hat der bushi-do, der Ehrenkodex der Samurai, seinen vollkommensten Ausdruck gefunden. Beginnend mit dem die Handlung in Gang setzenden Vorfall, der das Schicksal des jungen Asano-Fürsten besiegelt, schildert die gründlich recherchierte Graphic Novel die überlieferten Ereignisse, die Trauer, die Geduld und das Pflichtgefühl der Gefolgsmänner … und die allem innewohnende Gewalt.

Diese Ausgabe von 47 Ronin beinhaltet außerdem eine Cover-Galerie, Skizzen und Making-Of-Material.


Rezension

Fürst Asano Takumi-Naganori wird an den Hof des Shoguns gerufen, um dort seine Pflicht zu erfüllen. Der am Hofe völlig Unerfahrene erhält Unterricht vom Hofbeamten Kira Yshinaka Kosuke-No-Suke in Benehmen und Etikette. Als sich Asano weigert Bestechungsgeld zu zahlen, macht er sich damit Kira zum Feind. Fortan reizt der Hofbeamte den Samurai und Fürsten permanent, bis Fürst Asano sein Schwert im Palast zieht. Dies wird mit dem Tode bestraft und Fürst Asano muss praktisch sofort Sepukku begehen. Aber seine Samurai und vor allem Oishi „Kuranosuke“ Yoshio halten dem Fürsten selbst nach seinem Tod die Treue. Sie beschließen sich ruhig zu verhalten, bis sie den Tod ihres Herrn rächen und Kira töten können. 47 von ihnen führen schließlich nach langer Zeit den Angriff auf Kiras Haus aus.

„Wenn die Legende zur Wahrheit wird, druck die Legende.“ diese Worte aus The Man who shot Liberty Valance, welche Stan Sakai in einem Interview zu 47 Ronin zitiert, bringt die Situation rundum die Getreuen des Fürsten Asano und ihrer Taten praktisch auf den Punkt. In Japan kennt wohl so gut wie jeder die Geschichte der 47 Samurai, die ihrem Fürsten über dessen Tod hinaus treu waren. Unzählige Male wurde sie verfilmt und in Büchern und auf viele andere Arten künstlerisch aufgegriffen.
Das Problem bei dieser Geschichte und auch anderen Legenden ist, weswegen auch das anfängliche Zitat, dass keiner ganz genau weiß, weswegen Fürst Asano Kira angriff. Es gibt viele Versionen der Legende und nicht immer ist Kira nur böse und Asano einfach unschuldig. Die Wahrheit wird wie immer dazwischen liegen. Mike Richardson haben die 47 Ronin sehr lange fasziniert, bevor er sein Vorhaben ihre Geschichte in einen Comic umzusetzen, verwirklichen konnte.
Er schrieb das Skript, bei dem er sich von Kazuo Koike, unter anderem Schöpfer von Lone Wolf & Cub, beraten ließ, und das Stan Sakai in Zeichnungen fasste.
Mike Richardson destilliert also aus allen Varianten der Legende seine eigene Version und die ist im Prinzip überaus gelungen. Es beginnt ruhig am Grabmal der 47 Ronin, bevor dann die eigentliche Geschichte erzählt wird. Dabei legt Mike Richardson vor allem auf ein relativ hohes Tempo wert. Die Charakterisierung von Kira bleibt dabei auf der Strecke, der einfach wie ein Schurke wirkt. Asano hingegen verleiht er Grauschattierungen. Oishi und seine Samurai sind hingegen wieder ehrenhaft und/ oder wollen Rache. Ein bisschen mehr Tiefe hätte ihnen nicht geschadet. Ansonsten gibt es wenig zu mäkeln, außer vielleicht noch, dass zwar auf den Bushi-Do immer wieder verwiesen wird, dieser aber nicht wirklich erklärt wird. Deswegen wirkt es fast so, als ob es Oishi rein um Rache gegangen wäre. Andere Aspekte fallen fast vollkommen unter den Tisch. Aber das ist trotzdem meckern auf hohem Niveau. 47 Ronin unterhält prächtig und bringt vor allem dem westlichen Publikum eine der wichtigen Legenden aus Japan näher, dem sonst vielleicht der Zugang dazu verschlossen geblieben wäre.

Stan Sakai ist vor allem als Zeichner von Usagi Yojimbo bekannt. Da er den Samuraihasen bereits seit 1984 zeichnet, ist er natürlich geradezu prädestiniert, um 47 Ronin umzusetzen. Und das macht er, wie nicht anders zu erwarten, unheimlich gut. Er schwächt Richardsons sehr temporeichen Ansatz etwas ab. Nimmt das Tempo heraus, wenn es sinnvoll ist und versieht allein durch seine Zeichnungen die Handlung mit Emotionen und einer tieferen Bedeutungsebene. Für diesen Comic hat er ebenso wie Mike Richardson hohen Rechercheaufwand betrieben, um möglichst alles korrekt abzubilden. Die meisten mon, Wappen, sind die, die die Clans auch wirklich trugen. Wie er selbst im enthaltenen Interview sagt, hat er sich im Zweifel immer für das dramatischere Bild entschieden und dies tut der Geschichte gut. Stan Sakai beweist hiermit erneut, dass man bei der Darstellung des alten Japan nicht an ihm vorbeikommt.

Lovern Kindzierski hat sich glücklicherweise nicht für knallige, leuchtende Farben entschieden. Diese hätten die wunderbaren Zeichnungen eher erdrückt, als zur Geltung gebracht. Außerdem versteht er es, mit seinen Farben Stimmungen zu erzeugen, die zur jeweiligen Szene passen.


Fazit

47 Ronin ist eine der wichtigen Legenden Japans. Mike Richardson fasst sie gut zusammen und Stan Sakai sorgt dafür, dass sie wirklich Eindruck hinterlässt. Wer diese Legende noch nicht kennt, hat jetzt die Gelegenheit dazu, dies mit dieser mehr als gelungenen Interpretation nachzuholen.


Pro & Contra

+ Stan Sakai sorgt mit seinen Zeichnungen für die notwendige Tiefe
+ interessantes Bonusmaterial

0 Mike Richardson betreibt etwas zuviel Schwarz-Weiß-Malerei

Bewertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 3,5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


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Tags: Samuraigeschichten, Legenden