Skullsworn (Brian Staveley)

Tor Books (April 2017)
Taschenbuch
320 Seiten, 10,52 EUR
ISBN: 978-1509822980

Genre: High Fantasy


Klappentext

Pyrre Lakatur doesn’t like the description skullsworn. It doesn’t capture the beauty of her devotion to Ananshael, God of Death. And she’s not an assassin, but a priestess. Or she will be, if she can pass her final trial. The problem isn’t killing, as Pyrre has spent her life training for this. The problem is love. To pass the trial, she will have fourteen days to kill seven people detailed in an ancient song, including one true love, ‘who will not come again’. However, Pyrre has never been in love, time is short, and if she fails she’ll be given to her god.

Pyrre’s not afraid to die, but she hates to fail. So a month before the trial begins, she returns to the violent city of her birth, where she once offered an abusive father to the god. Here Pyrre hopes to find love – and end it with the edge of her knife.


Rezension

„Skullsworn“ ist eines dieser Bücher, bei denen es eigentlich schwierig sein sollte, mit den Hauptfiguren mitzufiebern. Immerhin trennt seine Protagonistin, Pyrre, nur eine letzte Prüfung davon, Priesterin eines Todesgottes zu werden: Sie hat 14 Tage Zeit, um 7 Menschen zu töten, darunter eine Person, die sie aufrichtig liebt. Töten ist kein Problem für Pyrre, die sowohl das Töten als auch das Sterben mit großer Gelassenheit, sogar Ehrfurcht, betrachtet. Es ist ihre Fähigkeit, sich zu verlieben, an der sie zweifelt.

Also kehrt sie, begleitet von den erfahreneren Priester*innen Kossal und Ela, in die Stadt ihrer Kindheit zurück, um dort Ruc zu finden, den Mann, mit dem sie vorübergehend zusammengelebt hat. Mittlerweile führt er die „Greenshirts“ an, die einheimischen Ordnungshüter, auf die sich das annurische Imperium verlässt, um Aufstände und den Kult um die alten Götter des Flussdeltas zu unterdrücken. Das Delta selbst ist ein lebensfeindlicher Ort, voller gefährlicher Tiere, und seine Götter passen zu ihm.

Während Pyrre sich Ruc als die Person präsentiert, die ihm helfen kann, die Ordnung in der Stadt zu wahren, und versucht, sein Vertrauen zu gewinnen, arbeitet sie auch gleichzeitig daran, die anderen sieben Punkte auf ihrer ungewöhnlichen To-Do-Liste abzuhaken. Unterdessen wird die Situation immer komplexer, denn es zeichnet sich ab, dass der Aufstand, den Pyrre bewusst angestachelt hat, nicht kontrollierbar ist, und dass eventuell mehr als nur Lügen machthungriger Priester*innen hinter den Mythen um das Delta stecken. Letzteres bestätigen auch einige Erinnerungen Pyrres, denen sie sich allmählich zu stellen beginnt.

Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die – vielleicht unter dem Einfluss ihrer Kindheitserfahrungen, die ihr beigebracht haben, den Tod als Erleichterung zu sehen, und der Indoktrination durch den Kult von Attentäter*innen, in dem sie aufgewachsen ist – mitleidlos Menschen meuchelt, um eine grausame, willkürliche Prüfung zu bestehen, den Mann, in den sie sich zu verlieben versucht, belügt, und eine Menge Chaos auslöst. Zusammengefasst liest sich der Plot wie eine sinnlose Tragödie und Pyrre erscheint wie eine religiöse Fanatikerin, besessen davon, den Test ihres Gottes um jeden Preis zu bestehen.

Aber die Geschichte wird aus Pyrres Perspektive erzählt, und das macht einen großen Unterschied: Denn Pyrre ist trotz ihrer Religion und Profession tatsächlich ein großer Fan der Welt und des Lebens, und das durchdringt ihre Erzählstimme. Ihre Beschreibungen von Menschen, Orten und Ereignissen sind sinnlich und poetisch, oft liebevoll. Und gemessen an ihren eigenen, seltsamen Regeln tut sie nichts Verwerfliches. Durch ihre Augen lernen wir auch Ruc kennen – einen intelligenten, gutaussehenden Mann mit trockenem Humor, dessen rationaler Blick auf die Welt im Gegensatz zur tiefen Religiosität vieler anderer Figuren steht.

Während Kossal und Ela über weite Stecken des Buches etwas eindimensional rüberkommen – Ela flirtet mit allem, was nicht rechtzeitig wegläuft, und scheint unfähig, Dinge ernst zu nehmen, Kossals Stimmung wechselt zwischen mürrisch und aktiv mordlustig, bis schließlich beide zum Ende hin neue Facetten ihrer Persönlichkeit zeigen –, konnte ich mir immer gut vorstellen, wie sich das Buch aus Rucs Perspektive lesen würde. Und irgendwie schafft es Brian Staveley, eine komplett verkorkste, unter dem Schatten eines geplanten Mordes stehende Liebesgeschichte mitreißend zu machen. Die Figuren kommen zu Schlüssen über die Natur von Leben, Tod und Liebe, die mehr als befremdlich sind, aber das Eintauchen in ihre Perspektiven ist trotzdem verblüffend mühelos möglich.

Lange sieht es aus, als würde der Roman immer komplexer werden, ohne die vielen neuen Fragen und Probleme, die nach und nach hinzukommen, aufzulösen, und tatsächlich wird ein Subplot nicht ganz befriedigend aufgelöst. Dafür jedoch gibt es ein überraschendes Ende für den zentralen Konflikt der Geschichte. Die größte Stärke von „Skullsworn“ ist jedoch die Erzählstimme – wie bereits gesagt schildert Pyrre die Welt um sich herum ausschweifend, auf eine Weise, die alle Sinne anspricht. Staveley setzt hier auch gekonnt Bilder und Metaphern ein, stellt den weiten Himmel von Pyrres Tempel und die Größe und Weite, die sie mit dem Wirken ihres Gottes assoziiert, den engen Straßen und Kanälen ihrer alten Heimatstadt gegenüber und wählt dort immer wieder Bilder aus dem Bereich der Fischerei.

Der Roman, ein Standalone, erzählt die Vorgeschichte einer Nebenfigur aus Brian Staveleys erster Trilogie – dort lernen wir Pyrre als Frau in mittleren Jahren kennen, was zusammen mit dem Prolog am Anfang von „Skullsworn“ die Antwort auf eine der großen Fragen des Romans vorwegnimmt: Wir wissen, dass sie überlebt und ihre Prüfung bestanden hat. Was wir aber nicht wissen, ist, mit wem sie im Prolog redet und was genau passiert ist. Darüber hinaus ist es ein spannendes Detail, in diesem Buch die Vorbilder kennenzulernen, die Pyrre zu der Person gemacht haben, die sie in „Der verlorene Thron“ und den Folgebänden ist. Es ist eine Weile her, dass ich die „Thron“-Bücher gelesen habe, aber ich glaube mich zu erinnern, dass die ältere Pyrre ein wenig an Ela erinnert.


Fazit

„Skullsworn“ ist ein sehr, sehr seltsames Buch – wir folgen der Protagonistin auf eine eigentlich grausame und sinnlose Mission, in eine Liebesgeschichte, die ein tragisches Ende nehmen muss. Und irgendwie ist das Ganze trotzdem mitreißend und stellenweise sogar romantisch. Auch die Welt ist überzeugend und atmosphärisch geschildert, gefiltert durch den Blick einer ungewöhnlichen Antiheldin.


Pro und Contra

+ Pyrres Erzählstimme
+ Pyrre als sehr ungewöhnliche Hauptfigur
+ spannendes Worldbuilding, atmosphärische Schilderungen
+ Ruc als charismatisches, kompetentes Love Interest
+ Humor
+ überraschende Wendungen und spannende Fragen

o teilweise ziemlich brutal
o ausschweifende Schilderungen und Reflektionen

- Ela und Kossal sind zunächst eindimensional und sogar etwas nervig
- ein Subplot kommt nur halb zu einem Abschluss

Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis-Leistung: 4/5


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