Bis zum bitteren Ende (Jérome Félix, Paul Gastine)

Verlag: Splitter; (März 2021)
Gebundene Ausgabe: 80 Seiten; 18 €
ISBN-13: 978-3-96219-568-7

Genre: Western


Klappentext

 „Ein meisterhafter Spätwestern zur Zeit der letzten Cowboys.“

Die Ära der Cowboys geht ihrem Ende zu. Bald werden es die Züge sein, die die Rinder bis in die Schlachthöfe von Chicago bringen. In Begleitung von Bennett, einem einfältigen Jungen von zwanzig Jahren, beschließt Russell, seine Sporen an den Nagel zu hängen, um sich als Farmer in Montana niederzulassen. Unterwegs machen sie Halt in Sundance. Kurz darauf wird Bennett tot aufgefunden. Um das Ansehen seiner Stadt zu bewahren, glaubt der Bürgermeister lieber an einen Unfall, als die Möglichkeit eines Mordes in Betracht zu ziehen, und jagt Russell aus der Stadt. Doch der alte Cowboy kommt mit einer Bande von Outlaws zurück, um die Aufklärung von Bennetts Tod zu fordern.


Rezension

Die Zeit der großen Viehtriebe neigt sich dem Ende und der alternde Cowboy Russell beschließt, dass es an der Zeit ist, sich zur Ruhe zu setzen. Gemeinsam mit seinem angenommen Sohn Bennett, der etwas zurückgeblieben ist, und seinem Freund und Helfer Kirby will er in Montana eine Farm kaufen und bewirtschaften. Auf dem Weg dahin halten sie in Sundance und dort kommt es zum Unglück. Bennett wird tot aufgefunden und Russell beschließt rasend vor Trauer, den Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, koste es was wolle. Irgendjemand muss für den Tod des Jungen sterben.

Filmisch ist das Genre Western mehr oder weniger tot. Nur selten kommen noch neue Western aus Hollywood, die dem Genre etwas neues hinzufügen, etwas zu sagen haben oder einfach eine gute Geschichte erzählen. Im Medium Comic hingegen erfährt der Western gerade eine Renaissance, die mit einer Flut von neuen Serien und Einzeltiteln daherkommt und unter denen so manches Kleinod und Meisterwerk zu finden ist. Die neugewonnene Popularität dürfte auch daherkommen, dass es innerhalb des Genres keine Einschränkungen bezüglich der Themen gibt. Nahezu alles, das die menschliche Natur betrifft, kann hier verhandelt und erzählt werden. Dies war schon immer eine Stärke des Genres und selbst Klassiker wie Lucky Luke nutzen diese Freiheit, wie zuletzt mit dem neuesten Band des Lonesome Cowboys geschehen, in dem Rassismus das Thema war. Während viele Autoren sich den Italowestern als Vorbild nehmen, um ihre Geschichte zu erzählen, als Beispiele seien Undertaker und Der Reverend genannt, orientiert sich Jérome Félix am Spätwestern, in dem die Figuren meist desillusioniert und verbittert sind und sich der harten Realität des Endes der Cowboyära stellen müssen.
In dieser Welt sind die Grenzen zwischen Gut und Böse schon längst verwischt. Und genau hier setzt auch Félix in Bis zum bitteren Ende an. Seine Charaktere sind Menschen mit Fehlern und Wünschen, die nicht immer die moralisch richtige Entscheidung fällen, aber die aus ihrer Sicht heraus notwendige, auch wenn es Recht und Moral in Frage stellt. Félix entwickelt mit ihnen eine Handlung, die glaubwürdig und realistisch ist und dadurch erst so spannend und so bitter werden kann, denn der Titel des Comics ist Programm. Das Ende ist konsequent, hinterlässt Eindruck und erwischt den Leser eiskalt. Der Epilog ist zwar ein wenig versöhnlich, aber bis dahin hat sich die Natur des Menschen offenbart, der in seiner Gier und für seine Zukunft anscheinend sehr weit zu gehen vermag. Während Xavier Dorisons Undertaker, dem Italowestern nahesteht ist Bis zum bitteren Ende die Comicentsprechung zu Clint Eastwoods filmischen Meisterwerk Erbarmungslos. Félix legt hiermit inhaltlich ein kleines Meisterwerk vor und einen der Comics, den man dieses Jahr gelesen haben sollte.

Paul Gastine war bisher eher unbekannt, mit diesem Comic wird sich das aber sicher schlagartig ändern. Seine Zeichnungen sind einfach großartig. Der Leser blickt in die verhärmten Gesichter der Protagonisten und weiß sofort, dass es hier höchstwahrscheinlich nicht zu einem guten Ende kommen kann. Zu deutlich hat die herrschende Gewalt ihre Spuren in diesen ausdrucksstarken Gesichtern hinterlassen. Ebenso sind die Landschaften und Pferde von ihm perfekt in Szene gesetzt und es entwickelt sich von der ersten Seite an, eine Atmosphäre, die so auch in den Spätwestern Hollywoods zu finden ist. Paul Gastine zeichnet hier einen verlorenen Traum von Freiheit und dies tut er in einmaligen Bildern.

Zusätzlich gibt es umfangreiches Bonusmaterial zu bewundern und dies ist wörtlich zu verstehen. Denn neben Charakterstudien und Coverentwürfen sind gleich mehrere ganzseitige Illustrationen enthalten, in denen Gastine erneut sein Können unter Beweis stellt.


Fazit

Bis zum bitteren Ende ist ein wehmütiger und schmerzhafter Abgesang auf den Mythos des Westens. Félix erzählt seine Geschichte konsequent bis zum titelgebenden bitteren Ende und Gastine erschafft grandiose, intensive Bilder hierfür.


Pro & Contra

+ spannend und mit einem bitteren, perfekten Ende
+ großartige Zeichnungen

Bewertung:

Charaktere: 4,5/5
Handlung: 5/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4,5/5

Tags: Western

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