Die Viper Bd.1 – Feuerregen (LaurentAstier)

Verlag: Splitter; (Februar 2021)
Gebundene Ausgabe: 72 Seiten; 17 €
ISBN-13: 978-3-96219-563-2

Genre: Western


Klappentext

Colorado, Juli 1900.

Emily trifft in Silver Creek ein, einer kleinen, aufstrebenden Bergarbeiterstadt. Doch ist die junge Frau wirklich gekommen, um zu heiraten, wie sie behauptet? Dies ist keinesfalls sicher, denn im nach wie vor wilden Westen, wo ungezügelte Leidenschaft und Vergeltung noch an der Tagesordnung sind, kann der Schein mitunter trügen...

Und immer und überall liegt Pulverdampf in der Luft!

Vor allem, wenn die Vergangenheit schwerer wiegt als der Koffer, den man mit sich herumschleppt.


Rezension

1885. Die kleine Emily wächst in erbärmlichen Verhältnissen auf. Ihre Mutter ist eine Prostituierte in einem Freudenhaus in New Orleans. 15 Jahre später kommt Emily nach Silver Creek in Colorado. Sie will dort einen Mann heiraten, zumindest sagt sie dies. Der ist allerdings vor zwei Wochen gestorben. Nun steht sie ohne Geld da und muss eine Möglichkeit finden, es zu verdienen. Die Lösung liegt nahe und sie findet sich als Prostituierte im Saloon von Silver Creek wieder. Sie scheint dem Milieu also nicht zu entkommen. In Wahrheit hat sie aber etwas ganz anderes, viel tödlicheres vor und sie setzt ihren Plan schon bald in die Tat um, wodurch ihr Agenten von Pinkerton bereits kurz darauf auf den Fersen sind.

Western sind wieder gefragt, zumindest als Comics. Laurent Astier stellt als Autor und Zeichner in Personalunion von Die Viper, eine Frau ins Zentrum seines harten Western. Als Heldin kann sie dabei nur bedingt bezeichnet werden. Statt Gerechtigkeit will sie den Tod bringen und damit Rache vollziehen. Dies mag auf einer gewissen Ebene und in einer Zeit, als das Faustrecht noch galt, als gerecht aussehen, ist aber garantiert nicht als Gerechtigkeit zu bezeichnen. Astiers Emily scheint sich für das Gesetz nicht zu interessieren, ebenso wenig wer ihre Opfer sind. Ein Verhalten, das sonst hauptsächlich bei männlichen Protagonisten zu sehen ist und Emily auf eine seltsame Art und Weise eine gewisse Stärke verleiht, in dem Sinne, dass sie ihren Überzeugungen folgt, ohne je von ihnen abzuweichen. Astier reduziert sie glücklicherweise nicht nur auf diese Wesenszüge, sondern verleiht ihr besondere Charakterzüge, wie z.B. das sie häufig Literatur zitiert und damit den jeweiligen Moment kommentiert. Das verleiht ihr gleichzeitig eine gewisse Intelligenz und Unnahbarkeit, da sie sich so von den anderen Figuren abhebt und er macht damit deutlich wie sehr Emily gelitten haben muss, um sich so in sich zurückzuziehen. Zusätzlich unterfüttert er ihren Charakter mit Rückblicken in ihre Kindheit. Obwohl diese noch nicht vollkommen abgeschlossen sind, ist es bereits jetzt für den Leser leicht nachzuvollziehen, warum Emily dermaßen traumatisiert ist, so dass sie bereit ist für ihre Rache alles zu tun, selbst sich zu prostituieren.
Bis auf ihre Mutter werden die anderen Nebencharaktere nicht ganz so stark gezeichnet. Die Männer, die Emily jagt, sind eben reich und skrupellos und gehen für ihren Vorteil, egal ob es um Macht, Geld oder andere Dinge geht, über Leichen. Allerdings ist Feuerregen erst der Auftaktband und da wird vermutlich noch mehr kommen, denn Astier scheint ein Autor zu sein, der auf seine Figuren wert legt. Mit Anette Ross und einem Apachen-Scout bietet Die Viper zudem noch zwei weitere Nebencharaktere, die interessant sind und von denen zumindest einer wohl im weiterem noch eine Rolle spielen wird. Handlungsmäßig gibt es nicht viel neues. Astier nutzt die meisten Zutaten eines Rachewesterns für seine Geschichte und variiert sie etwas. Themen wie die Indianerkriege streift er. Was Die Viper aus der Masse herausstechen lässt, ist die Protagonistin und die vielen Rätsel um sie, die noch nicht gelöst sind. Wie es ausgehen wird, ist nicht abzusehen und dies spricht definitiv für Die Viper. Inhaltlich wird der Band durch die enthaltenen Tagebücher von Emily abgerundet, in der der Leser eine tiefe Einsicht in ihre Gedanken erhält.

Mit den Zeichnungen ist das so eine Sache. Teilweise sieht Die Viper richtig gut aus, gerade der Anschlag oder die Ankunft von Emily in Silver Creek und Teile der Rückblicke sind hierfür ein gutes Beispiel, und teilweise wirken sie seltsam. Die Proportionen stimmen nicht immer so ganz und ein ums andere Mal hat man fast den Eindruck Astier hätte sich nicht entscheiden können zwischen Realismus und Überzeichnung bzw. Karikatur. Das schmälert den Lesegenuss etwas und ist auch ärgerlich, denn Astier zeigt immer wieder, dass er ein guter Zeichner ist, der Perspektiven gewinnbringend einsetzen und richtige Westernatmosphäre erzeugen kann. Zusätzlich sind seine Vorbilder in einzelnen Bildern klar zu erkennen, was dem Comic jedoch gut tut.

Neben den Tagebüchern von Emily gibt es im Anhang noch Astiers Skizzenbuch für Die Viper, welches den Namen definitiv verdient und einen Einblick in die Arbeit des Autors und Zeichners gewährt.


Fazit

Eine Frau will Rache! Laurent Astier erzählt Emilys Feldzug gegen wichtige Männer der Gesellschaft effektiv, spannend, blutig und absolut nachvollziehbar. Dazu kommt ungewöhnliches Zusatzmaterial, welches Die Viper etwas aus der Masse herausstechen lässt. Astier zeigt hier eine starke Frau, deren Abenteuer gerne verfolgt werden.


Pro & Contra

+ starke Frauenfiguren
+ bar jeder Westernromantik

Bewertung:

Charaktere: 4/5
Handlung: 4/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

Tags: Western

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