H.P. Lovecrafts Berge des Wahnsinns Bd.1 (Gou Tanabe)

Verlag: Carlsen (Juli 2020)
Softcover: 296 Seiten; 18 €
ISBN-13: 978-3-551-72456-4

Genre: Horror


Klappentext

Als der Geologe William Dyer und seine Crew die Forschungen an Fossilien im ewigen Eis aufnehmen, geraten sie in eine bis dato unbekannte und ebenso unbeschreibliche Welt aus Bergen ungeahnter Höhe und Bewohnern nie entdeckter Spezies …


Rezension

Von Boston aus macht sich eine Expedition zur Antarktis auf. Expeditionsleiter ist Professor William Dyer. In der Antarktis angekommen, beginnt die Expedition sofort zu forschen und zunächst scheint alles gut zu laufen. Bis der Biologe Professor Lake eine sensationelle Entdeckung macht: Es scheint so, als ob es Hinweise auf Leben gibt, das weit vor allem anderen existierte. Lake folgt seiner Spur und dringt immer weiter nach Nordwesten vor und dort findet er zunächst weitere Spuren, bevor er in einer Höhle auf Wesen aus der Frühgeschichte der Erde stößt, die halb pflanzlich und halb tierisch sind. Seine Gruppe nimmt die Wesen mit und beginnt sie zu untersuchen. Sie erinnern Lake an die sagenhaften, alten Wesen aus dem Necronomicon. Dann bricht ein Sturm über seine Gruppe herein und Professor Dyer kann Lake nicht mehr erreichen. Und so bricht er zu einer Rettungsmission auf. Aber er hat keine Vorstellung davon, was ihn erwartet.

H.P. Lovecraft schrieb Berge des Wahnsinns bereits 1931, veröffentlicht wurde die Geschichte jedoch erst 1936. Wie in vielen anderen seiner Geschichten spielt der Cthulhu-Mythos in ihr eine große Rolle, den er in ihr etwas entmystifiziert, da er klar sagt, dass die Wesen des Cthulhu-Mythos aus dem All stammen. Gou Tanabe hat nach anderen Geschichten H.P. Lovecrafts auch Berge des Wahnsinns als Manga umgesetzt.
Er hält sich bei der inhaltlichen Umsetzung recht nah an seine Vorlage, die einzige wirklich große Abweichung ist der Prolog, in dem er gewissen Ereignissen etwas vorgreift und einen wichtigen Moment der Geschichte bereits früh einfängt. Tatsächlich schadet dies der Geschichte aber nicht, denn wer die Berge des Wahnsinns nicht bereits kennt, wird nur neugieriger auf das gemacht, was in der Antarktis lauert.
Gou Tanabe hat sich entschlossen seine Zeichnungen nicht mit Text zu überfrachten, sondern arbeitet nur mit dem nötigsten an Worten und das zahlt sich aus. Langsam, aber sicher, schleicht sich das Grauen in seiner Umsetzung der Geschichte an und wird nur noch dadurch verstärkt, dass er viel Wert darauf legt, die wissenschaftliche Neugier und das rationale Denken der Wissenschaftler akkurat darzustellen. Diese Männer sehen sich plötzlich dem Unerklärlichen gegenüber und ein Grauen, welches sie nicht verstehen können, bricht über sie herein. Gou Tanabe inszeniert dies hervorragend, auch deswegen weil er verstanden hat, dass wirksamer Horror seine Zeit braucht. Diese Zeit nimmt er sich und zieht dadurch die Spannungsschraube immer weiter an, bis er auf der letzten Seite mit einer Szene endet, die perfekt für den Abschluss des ersten Bandes gewählt wurde und für die das Wort Cliffhanger erfunden werden müsste, wenn es das nicht schon gäbe.

Gou Tantabe hebt sich mit seinem Stil deutlich von den Zeichnungen üblicher Mangas ab und ebenso von denen der westlichen Comics. Auch wenn er den letzteren deutlich näher steht, ist dennoch klar zu erkennen, dass Berge des Wahnsinns ein Manga ist. Das liegt vor allem an den Charakteren und deren Design und Aussehen, das mehr in Richtung Manga tendiert. Dies bedeutet nicht, dass den Leser Kulleraugen oder ähnliches erwarten, vielmehr erinnert der Zeichenstil bei den Gesichtern an Castlevania und ähnlichem. Zudem sind seine Charaktere manchmal etwas steif.
Die menschlichen Charaktere sind zwar wichtig, aber wesentlich wichtiger sind die Antarktis, die Berge des Wahnsinns und die fremden Wesen und hier zeigt sich Gou Tanabes außergewöhnliches Können. Auf diesem Gebiet kann er sich mit den großen Comickünstlern messen. Von der ersten Seite an, beeindrucken seine Bilder und erzeugen eine bedrohliche Atmosphäre. Gou Tanabe setzt dabei auf schwarz-weiße Zeichnungen, die sehr kontrastreich sind und nur in bestimmten Szenen, in denen es sinnvoll ist, etwas weicher wirken. Die Bedrohung im Hintergrund und der dort lauernde Horror, werden durch seinen Ansatz um einiges realistischer. Dazu trägt auch bei, dass er die Geschichte wirklich mit seinen Bildern erzählt. Es wäre vermutlich möglich, kein Wort zu lesen und man würde trotzdem den Kern der Erzählung weiterhin erfassen können. Das ist eine Qualität, die in diesem Maße nicht so häufig vorkommt. Bei einer Horrorgeschichte wie Berge des Wahnsinns ist dies ganz besonders hervorzuheben, da der Leser dadurch noch weiter in das Grauen hineingezogen wird und es sich noch besser anschleichen kann. Das einzige Problem bei Die Berge des Wahnsinns ist das gewählte Format. Gou Tanabes Zeichnungen hätten es verdient in Albumgröße präsentiert zu werden und nicht nur im Taschenbuchformat.


Fazit

Gou Tanabes Umsetzung von H.P. Lovecrafts Berge des Wahnsinns ist ein optischer Genuss. Von der ersten Seite an, wird der Leser in die Geschichte gezogen und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Das Grauen kommt hier langsam und auf leisen Sohlen, aber es kommt unerbittlich. Und Gou Tanabe setzt dies grandios um.


Pro & Contra

+ wunderbare Zeichnungen
+ der Horror entwickelt sich nach und nach
+ spannend

0 die Charaktere sind manchmal etwas steif gezeichnet

Bewertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von H.P. Lovecraft:

Rezension zu Chronik des Cthulhu-Mythos I
Rezension zu Chronik des Cthulhu-Mythos II

Tags: Lovecraft, Gou Tanabe

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