Priest of Bones (Peter McLean)

Klett-Cotta (2020)
Originaltitel: Priest of Bones
Übersetzer: Jochen Schwarzer
Klappenbroschur
412 Seiten, 17,00 EUR
ISBN: 978-3-608-96414-1

Genre: Fantasy
Gelesen wurde die englischsprachige Originalausgabe.


Klappentext

Soldaten, Gangster, Magier… in den dunklen Gassen der Stadt wird darum gekämpft, wer in den Spelunken, Bordellen und Tempeln des Glückspiels das Sagen hat. Der Soldatenpriester Tomas Piety und seine Leute haben ein einfaches Ziel, sie wollen Alles, und das jetzt.

Der Krieg ist aus, aber die Probleme scheinen erst richtig anzufangen. Der Armeepriester Tomas kehrt mit seinen Soldaten und seiner Stellvertreterin Bloody Anne zurück nach Ellinburg. Aber die Stadt hat sich verändert, sein Imperium besteht nicht mehr. Längst haben andere Kriminelle die Kontrolle über die Gasthäuser, Bordelle und das Glücksspiel übernommen und ein dichtes Netz von Spitzeln geschaffen. Aber Tomas will sich zurückholen, was einst ihm gehörte. Er baut eine Gang auf, die an Gewitztheit und Schlagkraft nicht zu übertreffen ist. Und dann ist da noch Billy the Kid, ein Junge, der von der Göttin berührt ist und über beängstigende magische Fähigkeiten verfügt.


Rezension

Der erste Band der „Der Kampf um den Rosenthron“-Trilogie lässt sich klar in den Grimdark-Trend der 2010er einordnen und erzählt mit viel grimmigem Humor und blutigen Actionszenen die Geschichte eines zwielichtigen Protagonisten. Schon auf den ersten Seiten ergibt sich ein solides Bild von Tomas Piety: Der einstige Verbrecher-Boss und neuerdings auch Armeepriester, ist ein Mann, der nicht davor zurückscheut, Risiken einzugehen. Vor allem aber ist er ein kühl kalkulierender Beobachter anderer Menschen, der auch bei seinen Freund*innen und Verbündeten nicht darüber erhaben ist, sie in seinem Sinne zu manipulieren.

Seine scheinbar komplett gefühlskalte Beherrschtheit steht im Kontrast zu seinem Bruder Jochan, dessen Wut und Gefühlsausbrüche oft in Gewalt und Komplikationen münden. Später im Verlauf des Buches erhaschen Lesende Einblicke in Tomas’ menschlichere Seiten – wir sehen ihn kleinen Tagträumen über eine Familie nachhängen und seine rechte Hand, Bloody Anne, mit aufrichtiger Zuneigung und Respekt behandeln. Später erfahren wir auch, dass er und Jochan das gleiche Trauma überlebt, aber sich auch in Reaktion darauf sehr verschieden entwickelt haben. Hier gibt es aber auch einen Widerspruch, denn an einer Stelle des Buches rächt sich Tomas an Personen, die in ihm die Erinnerungen an dieses Trauma heraufbeschwören, während er gleichzeitig jemanden, der das gleiche tut, in seiner Gefolgschaft duldet.

An der Spitze einer Truppe von Soldat*innen, die schwer an den Erinnerungen an den Krieg tragen, kehrt er nach Ellinburg zurück, um dort sein kleines Verbrecherimperium zurückzuerobern. Denn in seiner Abwesenheit wurde von einem neuen Konkurrenten übernommen. Hier zeigt sich wieder, dass Tomas zwar nicht zögert, sich selbst in Gefahr zu begeben, aber sich noch viel mehr darauf versteht, Aufgaben an die richtigen Leute zu delegieren. Der Kampf um Ellinburg findet in zahlreichen kleinen, aber brutalen Auseinandersetzungen statt und betrifft nicht nur Tomas und seine Gegenspieler*innen. Eine Agentin der Königin nimmt Kontakt mit Tomas auf und enthüllt ihm, dass Ellinburg gezielt von der Nachbarnation destabilisiert wird. Dass Tomas sein Territorium zurückholt, ist nun plötzlich auch ein Anliegen der Krone – und alle seine Aktionen finden nun unter der Aufsicht einer Person statt, die noch kaltblütiger und gefährlicher ist als er selbst.

Umso besser, dass alles für ihn ziemlich gut zu laufen scheint. Hier verbirgt sich tatsächlich eine der Schwachstellen des Buches, denn etwa auf der Hälfte des Buches habe ich mich daran gewöhnt, dass Tomas kaum Fehler macht und auch schieres Pech ihn mehr oder weniger verschont. Dennoch bleibt das Buch unterhaltsam und ich habe es sehr schnell gelesen.

Dazu trägt auch der Erzählstil bei. Tomas ist unser Ich-Erzähler und beschreibt die Ereignisse mit viel grimmigem und tatsächlich lustigem Humor und es ist tatsächlich sehr spannend zu lesen, den Mastermind-Archetyp als Hauptfigur umgesetzt zu sehen. Er hat eindeutig seine Lieblings-Formulierungen, die immer wieder auftauchen, aber was bei einem anderen Buch eine nervige Wiederholung wäre, lässt den Text hier mehr wie eine authentische Aufzeichnung zu wirken. Wie die Übersetzung ist, kann ich leider nicht beurteilen, da ich das Buch nur auf Englisch gelesen habe.

In der Welt von „Priest of Bones“ ist Magie selten und unheimlich, und wir lernen die Welt zunächst von unten kennen, aus der Sicht entlassener Soldat*innen und relativ unbedeutender Gangster, auch wenn es die Andeutung gibt, dass die nächsten Romane auch mehr über die Herrschenden enthüllen werden. Das Setting mutet durch seine Namen, sein Klima und seine Institutionen englisch-europäisch inspiriert an. Allerdings ist es eine durchaus durch Handelsrouten und ähnliches vernetzte Welt und es gibt – auch unter den zentralen Figuren – ethnische Diversität.

Schließlich endet der Roman mit einer cinematischen Schlussszene. Er schließt nicht mit einem Cliffhanger, aber macht definitiv neugierig auf die Folgebände. Insgesamt ist „Priest of Bones“ ein sehr unterhaltsamer Roman mit einem Protagonisten mit einer einprägsamen Erzählstimme, den ich sehr gerne gelesen habe. Lesenden, die wenig mit Grimdark anfangen können oder für die sexualisierte und homofeindliche Gewalt (u.a. gegen Kinder) ein Triggerthema ist, würde ich das Buch jedoch nur mit großem Vorbehalt empfehlen.


Fazit

In „Priest of Bones“ erzählt ein einprägsamer, unterhaltsamer Antiheld, wie er sich sein Gangster-Imperium wieder aufbaut und dabei in einen größeren Machtkampf hineingezogen wird. Tomas Piety ist ein ungewöhnlicher Protagonist, dessen Geschichte neugierig auf die Folgebände macht.


Pro und Contra

+ Tomas Piety als gut umgesetzte machiavellistische Hauptfigur
+ langsame Enthüllung seiner menschlicheren Seiten
+ Humor
+ einige einprägsame Nebenfiguren

o ziemliche aufwühlende Schilderungen von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und homofeindlicher Gewalt

- Ein Widerspruch in Tomas' Verhalten
- Manchmal läuft alles ein bisschen zu glatt und es geht ein bisschen Spannung verloren.

Wertung

Handlung: 4/5
Figuren: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis-Leistung: 3/5

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