Die Sinistra (Tom Daut)

Edition Roter Drache (2021)
Taschenbuch
380 Seiten, 16,00 EUR
ISBN: 978-3-96815-022-2

Genre: Science-Fantasy, Military Science Fiction


Klappentext

Die Sinistra – eine Kommandobrigade, die in den Straßenschluchten Trentagons Gnadenlos Jagd auf die Kräfte des Okkulten macht …

Während sich der Dynast des Stadtstaates mit einem schrecklichen Krieg an der Nordgrenze konfrontiert sieht, wird sein Regentschaft durch unablässige Machtkämpfe in den eigenen Reihen bedroht. Einzig die Kämpfer der Sinistra stehen loyal zum Herrscher.

Auch Caron Salvador, der junge Sohn des Dynasten, verpflichtet sich zum Dienst in der Sinistra. Doch er muss erkennen, dass ein Rivale seines Vaters kurz davor steht, die Herrschaft über Trentagon an sich zu reißen. Dunkle Magie und Intrigen sollen dem Dynasten und seiner Sinistra den Untergang bringen.

Können Caron Salvador und seine Kameraden das Netz der finsteren Machenschaften zerschlagen?


Rezension

„Die Sinistra“ beginnt mit einem filmhaften Heist-Prolog, der eine Überraschung bereits vorwegnimmt, aber auch den Ton des Buches gut etabliert: Futuristische Militärtechnik trifft auf recht traditionelle dunkle Magie (Menschenopfer, Dämonenbeschwörungen, etc.). Dafür verantwortlich, die Bevölkerung Trentatgons vor Okkultist*innen zu schützen ist die Sinistra, eine militärische Institution, die nur Elitekämpfer*innen aufnimmt. Darunter ist auch Caron, der Sohn des Dynasten, der sich als ein würdiger Nachfolger seines Vaters profilieren möchte, der aber auch aufrichtig am Schutz der Menschen Trentagons und am Wohlergehen seiner Mitstreiter*innen interessiert ist. Mit der Zeit lernen wir auch sein Team besser kennen und es kommt ein kleiner Liebes-Dreieck-Subplot hinzu.

Nach und nach kristallisiert sich mehr über den Schauplatz und den Kontext der Handlung heraus: Namen und Beschreibungen von Figuren geben Trentagon ein südamerikanisches Flair und schließlich erfahren Lesende auch, was es mit dem Krieg an der Nordgrenze auf sich hat und wie „Die Sinistra“ mit „Anno Salvatio 423“, einer anderen Buchreihe des Autors, zusammenhängt. Hier hätte es sich tatsächlich angeboten, früher und tiefer darauf einzugehen, womit es die Einwohner*innen Trentagons zu tun haben. Denn ein wenig hat „Die Sinistra“ das Problem, dass es zu wenig Informationen darüber gibt, was die Figuren und Fraktionen wirklich antreibt und in welchem Kontext sie agieren.

Bei der Schilderung der Sinistra hätte es die Optionen gegeben, sie mehr so zu inszenieren, dass Lesende ihr von Anfang an die Daumen drücken können, oder aber eine noch weniger eindeutige Situation zu entwerfen, in welcher die dunklen Seiten des monarchistischen Trentagon und der Sinistra betont und spannende ethische Konflikte à la „wie viel kleineres Übel ist zu viel Übel?“ für die Hauptfiguren stärker aufgeworfen und erkundet werden. „Die Sinistra“ wählt keine der beiden Optionen und so beobachtet man einfach nur autoritätshörige Sci-Fi-Militärleute, die es in gekonnt inszenierten Actionszenen mit magiebegabten Feinden aufnehmen, während der Kontext und die persönlichen Antriebe der Figuren zunächst recht dünn bleiben, was das emotionale Gewicht des Geschehens reduziert.

Zum Ende hin jedoch spitzt sich der Konflikt zu. Es kommt auch eine emotionale Ebene hinzu, weil mehrere Figuren auch sehr persönliche Stakes im Geschehen haben. Schließlich gibt es ein spektakuläres Finale, das eine interessante Ausgangssituation für die Folgebände schafft.

Insgesamt ist „Die Sinistra“ ein sehr filmhaftes Buch – eine schnelle, actionreiche Geschichte, die so einige Überraschungen bereithält und nie langweilig wird. Die Figuren sind nicht klischeefrei geschildert, aber gerade unter den Nebenfiguren gibt es ein paar Sympathieträger. Der flüssige, unauffällige Schreibstil passt gut zur temporeichen Handlung. Das Aufeinandertreffen von Magie und Technologie sowie die Verbindung zwischen „Anno Salvatio 423“ und „Die Sinistra“ machen das Setting interessanter. Dennoch sehe ich einige verpasste Chancen, die geschilderten Figuren, Ereignisse und den kulturellen Kontext origineller und vielschichtiger zu machen und auch z.B. Caron eine stärkere, nachvollziehbare Motivation bzw. ein paar spannende innere Konflikte zu geben.


Fazit

In „Die Sinistra“ lässt Tom Daut Magie und Technologie aufeinanderprallen und liefert rasantes Kopfkino mit einigen Überraschungen, bleibt jedoch in Figurenzeichnung und Weltenbau eher an der Oberfläche.


Pro und Contra

+ temporeiche Geschichte, die nicht langweilig wird
+ Schilderungen des Geschehens lassen lebhafte Bilder entstehen
+ interessante Wendungen

-Welt und Figuren fühlen sich trotz prinzipiell interessanter Ausgangssituation etwas flach an

Wertung:

Handlung: 3,5/5
Figuren: 3,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis-Leistung: 3,5/5


Interview mit Tom Daut (2014)
Rezension zu „Anno Salvatio 423 – Der gefallene Prophet“
Rezension zu „Anno Salvatio 423 – Das Licht der Ketzer“

Tags: Tom Daut, Science Fantasy

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