James A. Sullivan (04.10.2021)

Interview mit James A. Sullivan 

Literatopia: Hallo, James! Mit „Das Erbe der Elfenmagierin“, dem Auftakt der „Chroniken von Beskadur“, kehrst Du nach drei SF-Büchern in die Fantasy zurück – warum? Und wie fühlte sich diese Rückkehr beim Schreiben für Dich an?

James A. Sullivan: Nach drei Science-Fiction-Romanen hatte ich ein bisschen Sehnsucht nach der Fantasy. Aber so ganz sicher war ich mir nicht. Ich reichte mehrere Exposés ein, darunter auch ein SF-Roman, und Piper hat sich für den Zweiteiler „Die Chroniken von Beskadur“ entschieden.

Die Arbeit fühlte sich tatsächlich wie eine Heimkehr an. Aber in der Zwischenzeit hat sich das Genre, wie ich es wahrnehme, auch verändert. Und auch ich habe mich verändert. All das schlägt sich natürlich im Roman nieder. Die Rückkehr war also eine Mischung aus Vertrautem und Neuem – genau das, was ich ganz allgemein an Literatur mag.

Literatopia: Was erwartet die Leser*innen in „Das Erbe der Elfenmagierin“?

James A. Sullivan: An der Oberfläche erwartet die Leser*innen erst einmal ein Fantasy-Abenteuer mit Elfen und Orakeln. Ich knüpfe da bildlich ganz klar an meine früheren Arbeiten an, habe mir aber die Freiheit einer neuen Erzählwelt gegönnt. Natürlich bildet sich in dem Zweiteiler mein Blick auf die Welt und auch aufs Genre ab. Ich setze mich mit Erzähltraditionen auseinander und passe sie an unsere Zeit und die konkreten Gegebenheiten an.

Die Hauptfigur des Romans ist ein Elf namens Ardoas, auf dem die Hoffnung seiner Gemeinschaft lastet. Er ist die Inkarnation der legendären Magierin Naromee, die über das Geheimnis der Seelenmagie verfügte. Dieses Wissen ist mit ihr und anderen gestorben, und Ardoas’ Aufgabe ist es, in sich zu gehen, die Erinnerung an das Leben der Magierin zu entfesseln und das verlorene Wissen freizulegen, damit es der Gemeinschaft wieder nützen kann.

Das Problem ist, dass all seine vorigen Inkarnationen die Elfengefilde verließen. Seine Seelengeschwister haben geglaubt, dort draußen liege die Antwort auf die Erinnerung an Naromees Leben. Doch sie alle fanden auf der Suche danach in der Fremde den Tod. Irgendetwas da draußen scheint Ardoas und seinen Seelengeschwistern ans Leben zu wollen, oder wie Ardoas es sagt: »Diese Welt trachtet danach mich zu töten.«

Ihn zieht es in diesem Leben eigentlich nicht in die Fremde, was seine Eltern und auch die Gemeinschaft beruhigt, aber eine Überraschung sorgt dafür, dass er aufbrechen wird. Weder seine Familie, noch seine Heimat sind bedroht, aber dennoch wird er mit etwas konfrontiert, das ihn zum Aufbruch zwingt. Und für die bevorstehende Reise passt das Zitat einer Figur ganz gut, die über Ardoas sagt: »Er ist so unschuldig – in vieler Hinsicht unvorbereitet auf diese Welt. Ich hoffe, dass diese Unschuld ihm nützt, ehe sie ihm schaden kann.«

Literatopia: Wie kommt Dein Protagonist Ardoas damit zurecht, dass er die Erinnerungen der Naromees in sich trägt – und mit der Bestimmung, seinem Volk die Seelenmagie zurückzubringen?

James A. Sullivan: Das ist natürlich nicht leicht. Man setzt große Erwartungen in ihn und fürchtet, dass er wie jene vor ihm, in die Fremde geht und dort das Leben verliert und in einer neuen Inkarnation wieder ganz von vorne beginnen muss. Dazu kommt natürlich die Frage, was geschieht, wenn Ardoas die Erinnerung erringt. Ist er dann noch er selbst? In seiner Eigenwahrnehmung schwankt er immer zwischen zwei Sichtweisen: Mal betrachtet er die vorigen Inkarnationen als Teil seiner selbst, dann aber sieht er sie als Seelengeschwister, also als etwas Eigenständiges. In dieser Unsicherheit lebt er, kann dabei aber auf die Schriften seiner früheren Inkarnationen zurückgreifen, die ja Ähnliches durchgemacht haben.

Literatopia: Was hat es mit dem mysteriösen Orakel auf sich? Handelt es sich um eine Person?

James A. Sullivan: Es handelt sich tatsächlich um eine Person aus Fleisch und Blut, eine geheimnisvolle Gestalt, über die ich nicht zu viel verraten will. Ihr Name ist Niadaris, und sie lebt weitab von allem Geschehen. Nachdem Ardoas die Spur aufgenommen hat, hofft er, dass das Orakel ihm dabei helfen kann, seine Erinnerung zu entfesseln. Bei der Suche nach Niadaris nimmt Ardoas die Spur eines jungen Menschen auf – Daludred –, der Ansätze von Orakelkräften besitzt und von Niadaris unterwiesen werden will. Das Problem ist nur, dass er gegen den Willen seiner Eltern unterwegs ist und diese eine Art Kopfgeld auf ihn ausgesetzt haben. Alle Söldner des Ostens sind hinter ihm her, um ihn sicher heimzubringen.

Die Orakelkräfte sind im Grunde ein besonderer Blick auf die Welt. Es gibt da Ähnlichkeiten zu dem Erzählrahmen von „Nuramon“ (Heyne 2013). Da lasse ich ein Orakel erzählen, und sein Blick in die Zukunft ist vage, aber in der Vergangenheit kann es wie in einem Buch lesen. Auf diese Fähigkeit hofft Ardoas, und da Daludred zudem wie auch er selbst gegen den Willen seiner Eltern auf Reisen ist, sieht er Parallelen und hofft, Daludred als Gefährten zu gewinnen.

Literatopia: Wie sind die Elfen in den „Chroniken von Beskadur“? Ähnlich ätherische, überlegene Wesen wie man sie aus Tolkiens Werken kennt? Oder ganz anders?

James A. Sullivan: Die Elfen sind bei mir anders. Zuerst einmal greife ich etwas auf, dass ich damals bei „Die Elfen“ eingebracht habe: Damals habe ich aufgrund meiner Lektüre der jüngeren und der älteren „Edda“ vorgeschlagen, dass Bernhard und ich Elfen und Alben trennen. Die Alben sind dann fast wie Götter, und die Elfen sind bodenständige Wesen. Anders als bei vielen anderen Werken sind Elfen in meinem neuen Roman nicht konservativ angelegt, sondern progressiv. Und das ist in der Erzählwelt tatsächlich auch wortwörtlich gemeint: Die Elfen haben sich einst gemeinsam mit Zwergen und Feen aus der Versklavung befreit und wandern seither gemeinsam durch Zauberportale von Welt zu Welt – immer auf den Spuren mythischer Vorfahren, die sie am Ziel ihres Weges glauben. Im Roman sind die Elfen schon eine Weile (mehrere Jahrtausende) sesshaft. Es geht weitgehend darum, vorhandenes Wissen zu bewahren, altes Wissen wiederzufinden und neues Wissen zu erwerben, um dann irgendwann durch ein Portal in die nächste Welt weiterzuziehen.

Die Ursprünge der Elfen sind unklar, denn sie wissen nicht genau, was vor der Versklavung liegt. Die Sprache ist da – doch wegen all der Erzählungen, die es gibt, bleibt offen, was nun wirklich am Anfang war und was erfunden wurde.

Das heißt, die Elfen und ihr Geschwisterwesen entfernen sich von dem Grauen ihrer Vergangenheit und streben dem Neuen entgegen. Im Roman verweilen sie zwar in der Welt, aber man betrachtet dieses Verweilen als Ruhepause, bevor es weitergeht. Und natürlich kann eine Ruhepause für Wesen, die ab einem gewissen Punkt nicht mehr altern, mal eben mehrere Jahrtausende umfassen.

Literatopia: Erzähl uns mehr über Dein Worldbuilding. Befinden wir uns in einer vom (europäischen) Mittelalter inspirierten Welt? Welche phantastischen Wesen gibt es?

James A. Sullivan: Auf der strukturellen Ebene ist der wichtigste Bezugspunkt meines World Buildings die Literatur des sogenannten Mittelalters – nicht ein historisches Mittelalter. Man könnte auch sagen, Wolfram von Eschenbach hat mir über seine Texte beigebracht, wie ich Welten konstruiere, und das ist der Kern von allem. Das heißt, meine Referenz ist erst einmal die Literatur selbst. Die Wirklichkeit, auf die ich verfremdet Bezug nehme oder auf die die Leser*innen durch ihre jeweilige Interpretation Bezug nehmen, ist aber nicht das sogenannte Mittelalter, sondern unsere Wirklichkeit von heute. Das bedeutet auch, dass das World Building im Kern europäisch ist, weil ich selbst europäisch geprägt bin. Aber ich bin auch ein Schwarzer Deutsch-Amerikaner, und die Erfahrungen, die ich als solcher gemacht habe und mache, haben Einfluss auf die Erzählwelt. Die Verweise darauf sind mal offensichtlich, öfter aber stark verfremdet. Die erwähnte Versklavung als Hintergrund der Elfen geht ganz klar darauf zurück.

Neben diesen Dingen gibt es aber auch andere Einflüsse, die von überall herkommen können. Wenn in meinen Romanen zum Beispiel ummauerte Stadtbezirke auftauchen, ist das meistens Ausdruck meiner Faszination für alte chinesische Städte. Das heißt aber nicht, dass die Leser*innen all das erkennen sollen. Es geht weniger um das, was ich in den Roman einbette, als darum, was Leser*innen bei der Lektüre herauslesen. Es geht um die Welt, die in den Köpfen der jeweiligen Leser*innen entsteht. Da ich – insbesondere bei den Beschreibungen – dazu neige, den Lesenden viel Spielraum zur Entfaltung ihrer Fantasie zu lassen, sind die dargestellten Kulturen sehr offen für verschiedene Lesarten.

Was die phantastischen Wesen angeht, habe ich Bekanntes aufgegriffen, aber mir daneben auch neue Wesen ausgedacht. Die Leser*innen kommen gewissermaßen mit Elfen, Zwergen und Feen in eine Welt, in der es neben Menschen auch andere Wesen gibt. Zum Beispiel: Vilbaren – gehörnte Wesen, die tendenziell größer als Menschen sind. Raveelen sind stämmige Wesen mit breiten Schultern und langgezogenen Schädeln. Und Belraunen sind geflügelte Wesen mit einer Haut, die marmoriert wirkt – als wären sie Gargoyles in unterschiedlichen Farben.

Die verschiedenen Wesen leben aber nicht isoliert voneinander, sondern bilden miteinander Kulturen, und es gibt gemeinsame Kinder, sodass an manchen Orten die Grenzen zwischen den Wesen verschwimmen. Natürlich machen Figuren wie auch die Geschichtsschreibung Zuweisungen, aber im Roman selbst erscheinen Wesen eingebettet in Kulturen, die vielleicht von einer gewissen Art von Wesen geprägt wurde, aber sich mit der Zeit öffneten. Wichtig war mir, dass in jeder Gruppe Diversität herrscht, sodass sie nicht einfach als simples Abbild realer Gruppen lesen lässt. Zumindest möchte ich diese Lesart erschweren, die wir alle kennen und die in vielen Fällen zu rassistischen Darstellungen führt. Natürlich gibt es auch Unterschiede, die von Besonderheiten der Wesen geprägt sind. Die Städte im Westen, in denen viele Belraunen leben, sind anders als Städte des Osten, weil die Belraunen geflügelt sind. Das zeigt sich in der Architektur, aber da inzwischen auch Menschen und andere Wesen in diesen Städten leben, schlägt sich auch das ganz natürlich nieder. Das heißt: Wesen prägen zwar Kultur, aber Kulturen leben nicht isoliert voneinander, sondern suchen Nähe, verbinden sich, und dadurch entsteht etwas Neues.

Literatopia: „Die Chroniken von Beskadur“ sind keine Trilogie, wie in der Fantasy oft üblich, sondern eine Dilogie. Welche Vorteile bietet ein Zweiteiler gegenüber drei Bänden?

James A. Sullivan: Ich weiß nicht, ob es Vorteile hat. Bei diesem Roman bot sich einfach ein Zweiteiler an. Und ich folge gerne dem, was die Struktur des Textes ermöglicht oder vielleicht sogar fordert. Natürlich hätte ich alles ausdehnen können, aber die Erzählweise des Romans ist so angelegt, dass auf wenig Raum viel Handlung vermittelt wird. Am Anfang befindet sich Ardoas noch in seiner Heimat und alles bewegt sich ruhig (auf »Elfenweise»), kaum aber ist er in der Fremde, bewegt sich alles schnell und wir erleben das Geschehen, wie Ardoas es als Elf erlebt.

das orakel in der fremdeLiteratopia: Du hörst gerne Musik beim Schreiben – was hat Dich denn bei „Das Erbe der Elfenmagierin“ in Stimmung gebracht?

James A. Sullivan: Ich unterscheide ja zwischen Musik, die ich vor dem Schreiben höre und Musik, die ich während des Schreibens höre. Vor demSchreiben habe ich oft Musik von der Sängerin Eivør gehört – insbesondere die Songs „Falling Free“ und „Slør“ – aber vor allem habe ich Musik von der Band Oceans of Slumber gehört. Der Song „Pray for Fire“ steht für mich gefühlsmäßig für die Geschichte der Elfen meiner Welt. Eine düstere Vergangenheit, in der viel Hoffnung auf eine Zukunft liegt. Daneben gibt es Songs, die ich einfach als Wachmacher verwendet habe. Sobald ich morgens das Lied „Awakening“ von Unleash the Archers gehört hatte, war ich bereit, mich an die Arbeit zu machen. Es hat einfach meinen Tatendrang stimuliert.

Beim Schreiben selbst greife ich vor allem auf Soundtracks zurück. Diesmal waren es vor allem „Prinzessin Mononoke“ von Joe Hisaishi, „Final Fantasy X“ von Nobuo Uematsu, „Legends of the Fall“ von James Horner, „Journey“ von Austin Wintory und „Tiger & Dragon“ von Tan Dun und Yo-Yo Ma. Ich habe im Grunde eine riesige Playlist, die ich im Laufe der Zeit verfeinere. Und dann habe ich Favoriten, die ich aus diesen Playlists herausziehe. Es ist fast eine Wissenschaft für sich. Aber falls ihr mal eine kleine Auswahl hören wollt, habe ich auf Spotify und auf YouTube etwas zusammengestellt:

Spotify-Playlist

YouTube-Playlist

Literatopia: Gemeinsam mit Judith C. Vogt hast Du für TOR online einen Artikel über progressive Phantastik verfasst. Auch „Die Chroniken von Beskadur“ beschreibst Du als progressiv – was genau meinst Du damit?

James A. Sullivan: Damit ist neben der wörtlichen Bedeutung (Phantastik, die progressiv ist) vor allem gemeint, dass wir uns mit unseren Traditionen beschäftigen und uns fragen, warum wir Dinge tun und ob sie noch in unsere Zeit und zu unserem Selbstverständnis passen. Wir befinden uns auf einer Reise und müssen uns fragen, mit welchem Gepäck wir uns belasten wollen. Und Dinge, die uns nichts geben oder uns und anderen sogar schaden, sind es einfach nicht wert, weitergetragen zu werden. Selbstreflexion ist dabei der Schlüssel. Bei der High Fantasy müssen wir zum Beispiel über Elfen und andere Wesen sprechen – über Rassismus und andere -ismen. Wenn auf die Frage »Gibt es auch dicke Elfen?« heute manche Autor*innen antworten »Nein!«, dann ist das ein Statement, das viel aussagt und im günstigsten Fall zeigt, dass keine Reflexion stattgefunden hat. Warum sollte es keine dicken Elfen geben? Warum keine Schwarzen Elfen? Warum keine trans Elfen? Wenn am Ende in der fantastischen Welt Marginalisierte ausgeschlossen werden, wie sie in der Wirklichkeit ausgeschlossen werden, dann sagt das viel darüber aus, für wen eine Erzählwelt gedacht ist und für wen dann explizit nicht.

Mit Selbstreflexion wird dann für uns alle auch klarer, wo wir stehen, was wir wollen und was wir nicht mehr wollen. Die Vorstellung eines Genies, das gar nicht so genau weiß, was es da eigentlich tut, gehört meiner Meinung nach der Vergangenheit an. Natürlich können wir nicht wissen, wie unsere Texte interpretiert werden, aber wir können uns zumindest ein paar Fragen stellen: Für wen könnte das eigentlich etwas sein? Welche Lesarten sind hier möglich? Ist das wirklich das, was ich sagen will? Welche Traditionen trage ich weiter, welche verändere ich und von welchen verabschiede ich mich?

Natürlich sind wir nicht perfekt und es gibt zudem keine Instanz, die irgendwem verbindlich vorschreiben könnte, was zu tun oder zu lassen ist. Insofern ist der Artikel von Judith und mir als ein Aufruf gedacht, den man annehmen kann oder eben nicht.

Literatopia: In den letzten Jahren gab es viel Unruhe in der Phantastik-Szene, denn auch hier sind die gesellschaftspolitischen Spannungen unserer Zeit zu spüren. Über die Probleme wurde schon oft diskutiert – was aber hat sich aus Deiner Sicht zum Positiven verändert?

James A. Sullivan: Dadurch dass wir über die Spannungen diskutiert haben, fühle ich mich Kolleg*innen näher denn je. Ich empfinde die Szene als sehr lebendig. Und auch wenn wir manchmal die Geduld verlieren, weil Entwicklungen zu langsam vorangehen, gibt es immer wieder Punkte, an den wir die Ruhe haben zu erkennen, dass sich etwas tut. Allein dieses Jahr habe ich mich auf so viele Bücher gefreut wie selten zuvor. Ich glaube nicht einmal, dass das so viel mit Corona zu tun hat, sondern damit, dass die Diskurse, die wir in den letzten Jahren geführt haben, jetzt allmählich Früchte tragen. Und was ich im Augenblick besonders fühle: dass gerade dann, wenn es mies läuft, Kolleg*innen da sind, die mich auffangen, und dass ich da sein kann, um sie aufzufangen. Das kannte ich früher in diesem Ausmaß nicht.

Literatopia: Du bezeichnest Dich selbst als Stubenhocker, in den Social Media bist Du allerdings recht aktiv. Was gibt Dir der Kontakt und Austausch mit Autor*innen und Leser*innen auf Twitter und Co.?

James A. Sullivan: Twitter bietet mir als Stubenhocker den perfekten Austausch mit Leuten, von denen ich viele dann auch im echten Leben kennengelernt habe. Eine Zeitlang war ich in dem Verein PAN e.V. Mitglied und hatte mir erhofft, dass das die Umgebung sein könnte, in der ich am Diskurs teilnehme, aber ich habe festgestellt, dass Vereinsstrukturen mir auf lange Sicht nicht guttun und ich lose, offene Systeme bevorzuge. Und genau das liefert mir Twitter und die Kontexte, die daraus erwachsen.

Manchmal tue ich mich allerdings schwer, weil mein Blick auf die Literatur rezeptionsorientiert ist, auf Twitter und anderswo aber häufig um die eine Deutung von Texten gerungen wird. Da kann ich dann wenig beitragen und habe das Gefühl, dass Leute aneinander vorbeireden. Aber insgesamt habe ich mich der Phantastik-Szene noch nie so verbunden gefühlt wie nun.

Literatopia: Hast Du abschließend ein paar aktuelle Lesetipps für uns?

James A. Sullivan: Was ich gerade (endlich weiter)lese ist: „Die Götter müssen sterben“ von Nora Bendzko. Ich war so tief in Arbeit versunken und konnte danach einfach kaum etwas mit Vergnügen lesen, sodass viele Bücher warten mussten. Aber jetzt geht es wieder. Noras Roman handelt von den Amazonen der Griechischen Mythologie und ist Dark Fantasy. Ich liebe einfach, wie Nora Frauen of Color in den Mittelpunkt rückt und bin jetzt gespannt, wie sich die Geschichte weiterentwickelt.

Ein Roman, den ich gerade beendet habe und der mich gewissermaßen aus der Leseflaute herausgeholt hat, ist das nächste Buch von den Vögten (Judith und Christian Vogt). Der Titel lautet: „Schildmaid“. Es geht um Wikinger*innen und die nordische Mythologie. Ich hatte die Ehre, den Roman lesen zu dürfen, und ich liebe die Figuren und den fast mündlichen Erzählstil. Einfach wunderbar! Leider dauert es noch, bis alle den Text lesen können. Er erscheint im Frühjahr bei Piper. Bis dahin empfehle ich von den Vögten den vor kurzem bei Fischer Tor erschienenen Roman „Anarchie Déco“. Das ist historische Urban Fantasy in den deutschen 1920ern.

Einen Geheimtipp habe ich noch: „Elektro Krause“ von Patricia Eckermann. Es geht um eine Schwarze Elektrikerin, die im Westdeutschland der 80ern Geister jagt. Das Buch ist ein schöner, kleiner Quell der Freude.

Literatopia: Herzlichen Dank für das Interview!

James A. Sullivan: Vielen Dank für die Fragen!


Autorenfoto: Copyright by James A. Sullivan

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Dieses Interview wurde von Judith Madera für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.

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