Wanderers Buch 1 – Die Schlafwandler (Chuck Wendig)

Verlag: Panini; (September 2021)
Taschenbuch: 476 Seiten; 17 €
ISBN-13: 9783833241024

Genre: Science Fiction


Klappentext

Die junge Shana erwacht eines Morgens und entdeckt, dass ihre kleine Schwester Nessie von einer seltsamen Krankheit befallen ist. Sie schlafwandelt, kann nicht sprechen und lässt sich durch nichts aufwecken. Mit unaufhaltsamer Entschlossenheit steuert Nessie auf ein Ziel zu, das offenbar nur sie kennt. Schnell schließt sich den Schwestern eine wachsende Schar von Schlafwandlern aus ganz Amerika an, die sich auf der gleichen mysteriösen Reise zu befinden scheint. Und wie Shana gibt es auch andere „Hirten“, die der Herde folgen, um ihre Freunde und Familien auf dem langen, dunklen Weg zu beschützen. Denn auf ihrer Reise durch ein Land, das von einer apokalyptischen Pandemie erschüttert wird, lauern zahlreiche Gefahren auf die Schlafwandler. Während der Rest der Gesellschaft um sie herum zerbricht und eine gewalttätige Miliz sie auszurotten droht, hängt das Schicksal der Schlafwandler davon ab, das Geheimnis hinter der erbarmungslosen Seuche zu enträtseln …


Rezension

Die junge Nessie verlässt eines Tages einfach das Haus ihres Vaters und fängt an, immer weiterzugehen, mit leerem Blick und ohne etwas essen oder trinken zu müssen. Auch schlafen tut sie von dem Moment an nicht mehr. Ihre Schwester Shana folgt ihr, nicht wissend, was mit Nessie los ist. Sie weiß nur eins, sie muss sie beschützen und das ist bitter nötig. Denn bald sind Nessie und Shana nicht alleine. Auf dem Weg quer durch die USA schließen sich ihnen immer mehr Schlafwandler und deren Angehörige an, die schon bald „Hirten“ genannt werden. Und diese stetig wachsende Menge ruft Behörden und andere Gruppierungen auf den Plan. Die CDC will das Phänomen erforschen und helfen, aber es gibt eben auch mehrere rechte Gruppierungen, die das Problem mit Gewalt lösen wollen, befeuert von dem Präsidentschaftskandidaten Creel. Eine hochexplosive Stimmung entsteht in den USA, die viele Probleme an die Oberfläche bringen könnte. Und dann gibt es noch den rätselhaften Tod eines Multimilliardärs, der in den Sümpfen Floridas gefunden wurde.

Erschreckend aktuell ist Chuck Wendigs Roman Wanderers, der ein Jahr vor dem Ausbruch der Pandemie in den USA erschien und sich mit genau diesem Thema scheinbar auseinandersetzt. Wobei am Ende des ersten Teils es immer deutlicher wird, dass nicht unbedingt eine Krankheit hinter dem Phänomen der Schlafwandler stecken muss. Dennoch können so manche Parallelen gezogen werden.
Gute Science Fiction, und Wanderers ist genau dies, reflektiert immer die Gesellschaft und ihre Entwicklungen und genau dies tut Chuck Wendigs Roman mehr als offensichtlich. Mehr als eimal sind die Ereignisse in der Realität, auf die er sich bezieht, klar ersichtlich und er denkt sie weiter, indem er die Frage stellt, wie bestimmte Personen auf ein Phänomen wie die Wanderers reagieren würden. Und die Antwort ist erschreckend, da sie absolut nachvollziehbar ist. Dadurch wird Wanderers auch zu einem zutiefst amerikanischen Buch, denn einiges bezieht sich direkt auf die Situation in den USA und ihre Protagonisten, vor allem auf den Wahlkampf zwischen Trump und Biden, der im Roman seine Entsprechung mit Creel und Hunt hat, oder die christlichen Prediger und die Waffenvernarrtheit der US-Amerikaner. Da ist so manches dabei, was eine ziemlich bittere Pille darstellt. Die politischen und sozialen Folgen beschreibt Chuck Wendig sehr gut und durchdenkt diese ausreichend weit. Inwieweit der wissenschaftliche Anteil im Roman richtig oder falsch ist, ist dadurch eine Nebensächlichkeit, denn dieser ist nur Mittel zum Zweck und steht nicht im Zentrum, auch wenn die Charaktere der CDC und ihre fieberhafte Suche nach einer Lösung ein wichtiger Teil der Handlung sind.

Die Charaktere wie Shana oder Benji oder auch Pastor Matthew und Pete Corley sind alle ausreichend ausgearbeitet. Sie mögen zwar hin und wieder Klischees entsprechen, wirken aber auf ihre Weise ziemlich real, und teilweise wie Personen, die man kennt und mit denen man reden und sich austauschen würde. Innerhalb des Romans erfüllen sie ihre Aufgabe, den Leser in das Geschehen zu ziehen und offenbaren immer wieder mal auch überraschende Seiten an sich.
Chuck Wendigs Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen, die einzelnen Kapitel und Absätze sind kurz gehalten und er versteht es Spannung und Mysterien aufzubauen. Gerade zu Beginn bindet er bereits Nebencharaktere ein, deren Handlungsstrang zunächst etwas in der Luft zu schweben scheint, bevor er immer wichtiger wird und die Handlung immer stärker beeinflusst. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass er die Geschichte im zweiten Buch ebenso gelungen fortführt und zu einem logischen Ende bringt.


Fazit

Wanderers – Die Schlafwandler ist ein erschreckend aktueller Roman über eine seltsame Krankheit und ein ebenso verstörender politischer und sozialer Kommentar zu den USA. Chuck Wendig erzählt spannend und abwechslungsreich.


Pro & Contra

+ spannend und mysteriös
+ gut geschrieben
+ stellt die Arbeit von Wissenschaftlern nachvollziehbar dar

- hin und wieder ein oder zwei Klischees zu viel

Bewertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5

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