Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen (K.J. Parker)

Verlag: Panini; (Oktober 2021)
Taschenbuch: 448 Seiten; 17 €
ISBN-13: 9783833241055

Genre: Fantasy


Klappentext

Die Stadt steht kurz davor, belagert zu werden. Es gibt nichts mehr zu essen und auch Waffen sind Mangelware. Darüber hinaus hat der Feind geschworen, jeden einzelnen Einwohner abzuschlachten. Die Stadt braucht also ein Wunder, doch sie hat nur Orhan.

Als Ingenieur hat Oberst Orhan mehr Erfahrung im Brückenbau als in der Kriegsführung. Außerdem ist er ein Betrüger und Lügner und hat ein ernsthaftes Problem mit Autorität.
Mit anderen Worten: Er ist wie geschaffen für den Job!

Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen ist die Geschichte von Orhan, dem Sohn von Siyyah Doctus Felix Praeclarissimus, über die Große Belagerung. Niedergeschrieben allein zu dem Zweck, dass die Taten und Leiden großer Männer niemals vergessen werden.


Rezension

Das Leben des Ingenieurs Orhan könnte so schön sein. Hier und da mit seiner Einheit für das Militär eine Brücken bauen und dann möglichst weit weg sein, wenn Kämpfe stattfinden. Dummerweise hat das Schicksal andere Dinge für ihn vorgesehen. Zunächst sieht alles nach einem einfachen Überfall an der Küste aus, aber schon bald stellt sich heraus, dass das Reich der Robur massiv angegriffen wird. Zunächst kann sich Orhan mit seinen Männern aus der Affäre ziehen, aber dann landen sie doch mitten in der Stadt des Kaisers und die wird gerade von einem großen Heer belagert. Eine Flucht ist ausgeschlossen und zu allem Überfluss muss Orhan das Kommando übernehmen, da sämtliche hohen Militärs getötet wurden. Also macht er sich mit der Akribie und dem Verstand eines Ingenieurs an die Arbeit.

K.J. Parkers Roman hat auf den ersten Blick eine spannende und einnehmende Ausganglage. Sie verspricht die Verteidigung einer Stadt und ihre verschiedene Arten ins Zentrum eines Romans zu stellen. Und tatsächlich geht es den Großteil des Romans darum, wie die kaiserliche Stadt verteidigt wird. Allerdings kommt nur Orhans Weg zur Sprache, der die fünfzehn niedergeschriebenen Wege als nutzlos ansieht und seinen eigenen, den Sechzehnten wählt. Und nur dieser wird dann auch von K.J. Parker beleuchtet. Die anderen werden nicht erklärt. Das stört aber nicht, denn es gibt genug, was für den Roman spricht. K.J.Parker beschreibt die Stadt selbst, die Kultur der Robur und die Lebensumstände in der Stadt schillernd und ausführlich, womit er gleichzeitig erreicht, dass die ganzen Intrigen und Ereignisse nachvollziehbar werden. Die Handlung schreitet schnell voran, selten bleibt dem Leser Zeit zum Luftholen, genausowenig wie den Verteidigern, die in Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen so manches erdulden müssen. K.J. Parker schreibt sehr abwechlungsreich und lebendig und selbst wenn am Ende nicht jedem alle Zusammenhänge klar sind, weil er eben glücklicherweise nicht jedes Detail bis ins Letzte erklärt, sondern auch Raum für eigene Interpretationen zulässt, so ist der Handlung trotzdem gut zu folgen.
Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen wäre trotzdem vermutlich nur ein weiterer Fantasyroman, in dem ein Heer ein Land überfällt und in dem sich der Held in einer belagerten Stadt wiederfindet, wenn da nicht Orhan wäre. Er ist der ganz große Pluspunkt des Buches. Denn einem solch ambivalenten Charakter begegnet man selten, gerade wenn er weder dem Typus des Helden noch des Antiheld zuzuordnen ist.
Eigentlich will er nur überleben und ist sich mehr oder weniger selbst der Nächste. Und trotzdem tritt er für die Bürger der Stadt ein, die für ihn eigentlich nichts anderes als Verachtung übrig haben. Schließlich ist er ein ehemaliger Sklave mit anderer Hautfarbe. Ständig schwankt Orhan zwischen seinen eigenen Moralvorstellungen und dem, was er tun muss. Er handelt klug, überlegt, aber auch überstürzt und entgegen seinen Überzeugungen, denn eigentlich stimmt er mit den Angreifern in ihrer Motivation überein. Aber was nützt das, wenn deren Lösung für ihn nicht in Frage kommt? Zwei Welten prallen immer wieder in ihm aufeinander und eine einfache Lösung gibt es dabei nicht. Sein Verhalten, so irrational es erscheinen mag, ist nachvollziehbar und damit Orhan nicht wahnsinnig wird, da zwei Herzen in seiner Brust schlagen, die genau entgegengesetzt sind, bedient er sich häufiger des Sarkasmus und bittere Ironie. Es ist nie ganz klar, ob Orhan als Erzähler wirklich zuverlässig ist, oder alles schönt, um besser wegzukommen, als er eigentlich ist. Immer wieder betont er, Gewalt zu verabscheuen und dennoch ist er zu grausamen Akten fähig, wenn es die Situation erfordert. Ein Widerspruch, der ihn menschlicher werden lässt, als viele andere Charaktere in anderen Fantasyromanen.
Da Orhan der Erzähler ist und er seine Geschichte erzählt, sind die Nebencharaktere mit wenigen Ausnahmen eher weniger ausgearbeitet, was im Kontext des Romans Sinn ergibt und keinesfalls negativ ist. Der Umstand verstärkt nur den Eindruck von Orhan.

Ein nicht ganz so kleines Manko besitzt leider die Ausgabe des Romans von Panini. Anscheinend wurde der Roman vor dem Drucken nicht mehr Korrektur gelesen, denn es gibt vergleichsweise viele Fehler bei Rechtschreibung und Grammatik. Und hin und wieder kommt es sogar vor, dass ein Satz auf die eine Art begonnen und dann anders beendet wird. Hier hat es den Anschein, als ob sich der Übersetzer während der Arbeit entschlossen hat, den Satz anders zu übersetzen. Solche Fehler und Stellen zu finden, müssten einem Lektorat eigentlich auffallen.


Fazit

Ein Ingenieur verteidigt eine Stadt kreativ, verzweifelt und missmutig und bestimmt das Geschehen in einem Roman über Politik, Verrat, Intrigen und der Belagerung der Stadt. K.J. Parker erzählt mit beißendem Humor seine Geschichte spannend und farbenfroh.


Pro & Contra

+ Fantasy ohne Magie
+ starker Hauptcharakter
+ spannend und beißender Humor

- viele Fehler

Bewertung:

Charaktere: 4/5
Handlung: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

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